Plädiert für "Strategische Investor Relations": Kommunikationsspezialist Harald Kinzler von CNC

CNC

14.03.16
Finanzabteilung

IR-Profi Harald Kinzler: „IR-Manager müssen ihre CFOs beeindrucken“

Ein wachsender Teil der Investor-Relations-Szene hält sich für unterschätzt. Die CFOs sollen den IR-Managern mehr Einfluss geben, fordert der IR-Profi Harald Kinzler – auch damit die Finanzchefs selbst zu Co-CEOs werden können.

Herr Kinzler, vor einem halben Jahr haben Sie in einem Thesenpapier gefordert, dass CFOs ihre Investor-Relations-Manager deutlich mehr auf strategischer Ebene einbinden müssen. Das Papier mit dem Titel „Plädoyer für strategische IR“ hat in der IR-Community gehörig Wellen geschlagen. Auch bei den CFOs?

Dass die IR-Manager das Papier gut fanden und stark darauf reagiert haben, hat mich nicht überrascht. Schließlich entstand die Idee, „Strategic IR“ zu thematisieren, in Gesprächen mit IR-Leuten. Von CFOs habe ich ebenfalls positive, aber insgesamt weniger Reaktionen bekommen.

Aus Desinteresse?

Das glaube ich nicht. CFOs verstehen, dass die IR-Funktion wichtig für sie ist. Viele von ihnen nutzen Investor Relations allerdings nach wie vor als reines Sprachrohr zum Kapitalmarkt. Die IR-Manager sollen die gesetzlichen Kommunikationspflichten erfüllen, vom Vorstand vorbestimmte Inhalte wiedergeben, Roadshows organisieren und ganz nebenbei auch noch die Kapitalkosten senken. Sie aber auch zur strategischen Entscheidungsfindung beitragen zu lassen, daran denken meines Erachtens noch nicht genug CFOs.

Strategische IR: Manche IR-Manager können es einfach nicht

Eine Machtfrage?

Ich würde das niedriger hängen und Kontrolle nennen, denn wenn ein CFO eine wirklich strategische Investor-Relations-Funktion haben will, muss er dieser auch Raum geben. Daraus ergeben sich dann gegebenenfalls zwar potentiell fruchtbare, aber möglicherweise auch kontroverse Diskussionen. Oft ist der Grund, dass es nicht klappt, aber viel banaler: So mancher IR-Manager bietet derzeit die erforderlichen strategischen Fähigkeiten einfach nicht – was auch kein Wunder ist, da sie dafür ja oft gar nicht ausgesucht worden sind.

Dann ist doch die ganze Diskussion um strategische IR eine Sackgasse.

Überhaupt nicht. Tatsächlich gehört strategisches Denken zunehmend zu den Auswahlkriterien für IR-Manager. Früher wurden diese Positionen fast immer in-house mit Spezialisten aus anderen Finanzabteilungen besetzt. Inzwischen suchen viele Unternehmen für ihre IR-Positionen explizit nach Leuten von außen, die es gewohnt sind, strategisch zu denken, zum Beispiel Banker, Kommunikationsspezialisten und M&A-Berater.

IR-Experte Harald Kinzler sieht IR-Manager in der Bringschlud

Das Vorweisen dieser Fähigkeiten bringt IR-Manager noch lange nicht an den Tisch der Top-Manager.

Das stimmt. Da sind IR-Manager in der Bringschuld. Sie müssen ihren Chefs demonstrieren, dass sie strategisch denken und gute Anregungen zur Weiterentwicklung ihrer Unternehmen geben können. Chancen dafür gibt es aber genug, denn kaum jemand hat so viel Face-Time mit dem CFO wie die IR-Manager, allein schon während der vielen Roadshows, beim Essen, im Flugzeug und so weiter. Es mangelt nicht an Gelegenheiten, zu zeigen, was man drauf hat.

Was hat Investor Relations den CFOs denn überhaupt strategisch anzubieten?


Keiner im Unternehmen, auch nicht der CFO, steht in so engem Austausch mit dem Kapitalmarkt wie die IR-Manager. Sie wissen genau, wie die Stimmung gegenüber dem Unternehmen ist, und sie hören von den Investoren viele Vorschläge zur strategischen Ausrichtung, oft informiert durch deren Beobachtungen börsennotierter Wettbewerber. Ich kann daher CFOs in deren eigenem Interesse nur raten, dieses Wissen nicht auf der Straße liegen zu lassen.

Warum?

Vor dem Hintergrund eines sich globalisierenden, komplexer werdenden Wettbewerbsumfelds ist auch die CFO-Rolle immer strategischer geworden. CFOs sind zunehmend Co-Strategen neben dem CEO, der rein zahlenorientierte Finanzer ist nicht mehr zeitgemäß. In seinem Windschatten sind ja auch schon andere interne Finanzfunktionen strategisch aufgewertet worden, allen voran das Controlling.

Für IR-Manager gilt Ähnliches: Sie beobachten die Strömungen im Umfeld des Unternehmens, was für kapitalmarktorientierte Konzerne genauso wichtig ist. Deshalb kann ich mir nicht vorstellen, dass die CFOs dauerhaft auf den strategischen Input ihrer IR-Manager verzichten wollen. Immer vorausgesetzt natürlich, die IR-Manager bringen die entsprechende Kompetenz mit. Meine Prognose: Die strategische Aufwertung der CFO-Rolle wird dafür sorgen, dass im IR-Bereich das Gleiche passiert.        

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Harald Kinzler ist Managing Director der Kommunikationsagentur CNC in Frankfurt und London. Das Papier „A plea for Strategic IR“ verfasste er gemeinsam mit Gilian Karran-Cumberlege, der früheren globalen IR-Chefin von VW. Alle Hintergründe zum Vorstoß der IR-Manager und die Reaktionen darauf finden Sie in einem ausführlichen Artikel in der neuesten Ausgabe des FINANCE-Magazins.