Diskussion in der Finanzstadt: Beim Thema "Strafzins" sind sich die Banken nicht einig.

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08.10.14
Finanzabteilung

Anlagedilemma: Welche Banken Strafzinsen erheben

Geldanlegen ist im niedrigen Zinsumfeld eine Herausforderung. Inzwischen haben die Banken angefangen, Strafzinsen von ihren Firmenkunden zu verlangen. Allerdings noch nicht auf breiter Front, wie eine Umfrage von FINANCE ergeben hat.

Hornbach, Lufthansa und E.on haben es öffentlich gemacht – Banken drohen Unternehmen mit Strafzinsen, wenn sie größere Summen kurzfristig bei ihnen parken wollen. Für Finanzchefs kann das zum Problem werden, wenn viele Banken diese Vorgehensweise übernehmen. FINANCE hat führende Banken zu dem Thema befragt. Bisher verhalten sich die Banken noch recht unterschiedlich, was die Erhebung von negativen Zinsen angeht. Viele wollen sich dazu gar nicht äußern, andere erheben sie in Einzelfällen, wieder andere erheben sie nicht, schließen „Strafzinsen“ in Zukunft aber nicht aus.

Am vehementesten gegen Strafzinsen hat sich die HypoVereinsbank ausgesprochen. Theodor Weimer, Vorstandssprecher der Hypo-Vereinsbank, äußerte sich vergangene Woche entschieden gegen die Erhebung von Strafzinsen. Er sprach sogar von einer Gefährdung der Volkswirtschaft, sollten mehr Banken dazu übergehen, negative Zinsen von ihren Kunden zu fordern.

Andere Banken sehen die Verantwortung für die weitere Entwicklung eher in den Händen der EZB. Die niedrigen Zinsen machen es den Banken schwer, ihr Geld profitabel anzulegen. Daher schließen diese Institute nicht aus, in Zukunft auch negative Zinsen zu erheben, um die Verluste nicht alleine tragen zu müssen. Ein Sprecher der Commerzbank, die derzeit keine negativen Zinsen im kurzfristigen Bereich verlangt, sagte gegenüber FINANCE: „In Abhängigkeit zu den weiteren EZB-Entscheidungen können wir das für die Zukunft allerdings nicht ausschließen.“

Ähnlich äußert sich auch die Düsseldorfer HSBC. Paul Hagen, Risikovorstand der HSBC in Deutschland sagte gegenüber FINANCE, die Bank sähe derzeit keine Notwendigkeit bei mittelständischen Firmenkunden negative Zinsen für Einlagen zu verlangen. Sie verfolgten aber „die  Entwicklung der Geldmarktsätze in der Eurozone weiterhin und werden gegebenenfalls reagieren“. Ob sich weitere Banken also bei der Erhebung von Strafzinsen anschließen werden, wird davon abhängen, wie lange das extreme Niedrigzinsniveau anhalten wird.

Strafzinsen: Eine Beziehungsfrage für CFOs und Banken

Für die DZ Bank ist die Überlegung negative Zinsen zu erheben, individuell verknüpft mit den Kunden. Die Konditionen seien immer Verhandlungssache und die DZ Bank versuche „unter Berücksichtigung der Kundenbeziehung nach Möglichkeit keine negativen Zinsen zu erheben.“ Auch die Deutsche Bank sagt lediglich, dass sie derzeit keine negativen Zinsen im breiten Kundengeschäft plane. Damit dementiert sie negative Zinsen im Firmenkundenbereich nicht.

Die ING schränkt ein, wer bei ihnen von negativen Zinsen betroffen sein kann. Das Institut behält sich vor, negative Zinsen an Finanzdienstleiter weiterzugeben, wenn diese größere Summen über einen längeren Zeitraum bei der ING halten wollen.

Diese Banken wollten sich gegenüber FINANCE nicht äußern: LBBW, Helaba, BNP Paribas und RBS.

Banken fordern CFOs auf Anlagestrategien zu überdenken

Um die leidige Diskussion über die Weitergabe der negativen Zinsen zu vermeiden, versuchen die Banken Finanzchefs von anderen Anlagemöglichkeiten zu überzeugen. Die Commerzbank rät ihren Firmenkunden, ihr bisheriges Anlageverhalten aufgrund des niedrigen Zinsumfelds zu überprüfen und auch die Deutsche Bank empfiehlt als Alternative Termingelder und Geldmarktfonds. Allerding ist auch in diesen Anlageklassen derzeit wenig an Zinsen zu erwarten.

Vor allem für Unternehmen, die ihr Geld kurzfristig greifbar haben müssen, könnte die derzeitige Situation problematisch werden. Sollten die negativen Einlagezinsen für Banken bei der EZB weiter sinken oder für lange Zeit so niedrig bleiben, könnten Unternehmen sich gezwungen sehen, ihr Geld Banken mit schlechterer Bonität zu überlassen, wenn diese keine negativen Zinsen erheben, oder in risikoreichere Anlageformen auszuweichen. Vorerst bleibt es Aufgabe der CFOs geschickt zu verhandeln und gute Bankbeziehungen zu pflegen.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de