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„EMIR wird von vielen unterschätzt“

Die EMIR-Verordnung ist ein zentraler Baustein der neuen EU-Finanzmarktregulierung.
iStock / Thinkstock / Getty Images

FINANCE: Herr Schräder, der deutsche Regierungsentwurf zum Ausführungsgesetz der EMIR-Verordnung liegt jetzt vor. Wissen Treasurer und CFOs, was da auf sie zukommt?
Schräder: Für die Treasury-Abteilungen der DAX-30-Konzerne mag das zutreffen. Doch wir haben in Gesprächen vielfach festgestellt: Für die Masse der kleineren und mittleren Unternehmen gilt das nicht. Viele unterschätzen die Auswirkungen der EMIR-Verordnung auf das Treasury.

FINANCE: Wie kann das sein? Schließlich ist die Regulierung der OTC-Derivate doch seit geraumer Zeit auch ein öffentliches Thema.
Schräder: Meiner Meinung nach reduziert sich EMIR in vielen Unternehmen aus dem Nichtbankensektor auf die möglichen Clearingverpflichtungen und die damit verbundenen Schwellenwerte. Die große Masse der Unternehmen aus dem Nichtbankensektor wird jedoch nicht clearingpflichtig, da die Schwellenwerte recht großzügig bemessen sind. Diese Sichtweise greift aber zu kurz. Denn alle Unternehmen müssen neue Verfahren im Treasury einführen, um Meldepflichten zu erfüllen. Hinzu kommen noch die geforderten Verfahren, um operationelle Risiken und Adressenausfallrisiken im Zusammenhang mit Derivategeschäften besser zu steuern. All das betrifft Unternehmen, die in einem Geschäftsjahr OTC-Derivate von 100 Millionen Euro Nominalvolumen oder 100 und mehr Einzelkontrakte im Bestand haben.

FINANCE: Welche Konsequenzen hat das im Einzelnen?
Schräder: Unternehmen, die diese Grenzen überschreiten, müssen sich von einem Wirtschaftsprüfer einmal jährlich bescheinigen lassen, dass sie geeignete Systeme zum Risikomanagement von OTC-Derivaten implementiert haben. Das Ergebnis der Prüfung ist dem Aufsichtsrat vorzulegen. Bei gewissen Verstößen existiert auch eine Meldepflicht an die BaFin. EMIR stellt hier beispielsweise Mindestanforderungen an die Systeme und Verfahren zur Bewertung des Derivatebestands, zum Counterparty-Abgleich oder zum Management von operationellen und Adressenausfallrisiken. Zudem kommt die Meldepflicht für OTC-Geschäfte an ein Transaktionsregister. In vielen Unternehmen ist die dafür nötige Infrastruktur noch gar nicht vorhanden.

FINANCE: Was raten Sie CFOs und Corporate Treasurern?
Schräder: Die EMIR-Verordnung ist bereits gültig. Die ergänzenden Technical Standards liegen in einer finalen Version vor. Das deutsche Ausführungsgesetz zur EMIR soll spätestens im Februar 2013 verabschiedet werden. Auch wenn vereinzelt Übergangsfristen geregelt sind, muss EMIR in den Unternehmen deshalb so schnell wie möglich auf die Agenda: Corporate Treasurer sollten überprüfen, ob und inwieweit die Verordnung für ihr Unternehmen relevant ist.

andreas.knoch[at]finance-magazin.de

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