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21.11.17
Finanzabteilung

Euro-Echtzeitzahlungen starten mit einer deutschen Bank

Der Startschuss für die Euro-Echtzeitzahlungen fällt am heutigen Dienstag. Doch für deutsche Unternehmen wird sich zunächst wenig ändern. Denn für den hiesigen Bankensektor haben Echtzeitzahlungen offenbar keine hohe Priorität.

Die Mehrheit der in Deutschland tätigen Banken wird ihren Kunden zunächst keine Zahlungen in Echtzeit ermöglichen. Das geht aus einer Umfrage der FINANCE-Schwesterpublikation DerTreasurer unter elf Banken hervor, die einen ganz überwiegenden Teil des hiesigen Zahlungsverkehrs abdecken.

Der Umfrage zufolge ist die Hypovereinsbank (HVB) die einzige Bank, die noch in diesem Jahr mit den sogenannten Sepa Instant Payments in Deutschland an den Start gehen will. Das solle „zeitnah“ zum heutigen offiziellen Start der Echtzeitzahlungen erfolgen, heißt es bei der Bank. Solange andere Häuser das neue Bezahlverfahren nicht unterstützen, werden HVB-Kunden aber nur an andere HVB-Konten in Echtzeit zahlen können.

Commerzbank hält sich besonders zurück

Denn die anderen deutschen Banken halten sich bei der Umsetzung der Instant Payments auffällig zurück: Die Sparkassen-Finanzgruppe um BayernLB, LBBW, Helaba und NordLB ist nach der HVB am weitesten. Sie will bis zum 10. Juli die technischen Voraussetzungen dafür schaffen, Echtzeitzahlungen zu erhalten und zu versenden. Die Sparkassen sind dem Regelwerk zwar schon beigetreten, aber heute noch nicht lieferfähig.

Die Deutsche Bank will ihren Kunden im dritten Quartal 2018 Instant Payments anbieten, die DZ Bank plant eine Umsetzung bis Ende November 2018. Damit wären dann alle Kunden von Genossenschaftsbanken in der Lage, in Echtzeit zu bezahlen. Bei der Commerzbank dagegen heißt es erstaunlich vage, man könne sich eine Einführung „vorstellen“.

Wie gehen die in Deutschland tätigen Auslandsbanken das Thema Echtzeitzahlungen an? Eignen sich die Instant Payments nur für Privatpersonen oder auch für Unternehmen? Und welche Kosten kommen auf Kunden zu, die in Echtzeit bezahlen wollen? Das erfahren Sie bei unserer Schwesterpublikation DerTreasurer.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

1 Was sind Instant Payments?

Die neuen Euro-Echtzeitüberweisungen werden 24 Stunden, 365 Tage im Jahr verfügbar sein. Kern des Projekts: Innerhalb von zehn Sekunden muss das Geld final auf dem Konto des Empfängers gutgeschrieben sein. Das Risiko, dass ein Kunde nicht zahlt, wird so nahezu eliminiert. Zunächst gilt dabei eine Betragsgrenze von 15.000 Euro.

2 Der Hintergrund

Vor drei Jahren hat sich die Europäische Zentralbank zum Ziel gesetzt, europaweit Echtzeitzahlungen zu ermöglichen. Hintergrund war die damals gerade abgeschlossene Umstellung des Euro-Zahlungsverkehrs auf Sepa und die Bemühungen einiger Länder, ihren Zahlungsverkehr in die real-time-Welt zu übertragen. Die EZB wollte eine Fragmentierung des gerade erst harmonisierten Euro-Zahlungsverkehr vermeiden und rief die Banken daher zur Schaffung eines Sepa Instant Payment auf.

3 Offizieller Start

Am heutigen Dienstag fällt nun der offizielle Startschuss für diese neue Zahlart. Zum einen gilt ab heute das Regelwerk des europäischen Zahlungsgremiums EPC. Zum anderen geht die paneuropäische Echtzeitzahlungsplattform RT1 des Clearinghauses EBA live – die Voraussetzung dafür, dass Banken Zahlungen in Echtzeit abwickeln können. Der Anschluss an die Infrastruktur erfordert allerdings Investitionen von den Banken.

Update 12:15: Entgegen der in der Umfrage gemachten Angaben hat die Hypovereinsbank soeben bekannt gegeben, Instant Payments in Deutschland ab sofort zu unterstützen. Am heutigen Dienstag wurde eine erste Zahlung in Echtzeit von Deutschland nach Italien durchgeführt.