Newsletter

Abonnements

Industriespionage: Mitarbeiter müssen auf der Hut sein

Vorsicht bei neugierigen Gesprächspartnern: Oft werden Mitarbeiter für Industriespionage ausgehorcht.
Thinkstock / Getty Images

Industriespionage ist für deutsche Unternehmen zunehmend eine Bedrohung. 26,9 Prozent der deutschen Unternehmen waren einer neuen Umfrage zufolge in den vergangenen zwei Jahren von einem konkreten Spionagefall betroffen, ergab die Auswertung der Studie „Industriespionage 2014“, die die Sicherheitsberatung Corporate Trust in Zusammenarbeit mit Aon Risk Solutions, der Zurich Gruppe Deutschland und dem Objektsicherheitsspezialisten Securiton umgesetzt hat (Details zur Methodik in der Infobox am Ende dieses Artikels).

Der Studie zufolge hatten weitere 27,4 Prozent der Befragten im untersuchten Zeitraum einen Verdachtsfall auf Industriespionage zu vermelden. In Deutschland stellt dies einen Anstieg um 5,5 Prozent gegenüber der vorangegangenen Befragung im Jahr 2012 dar.

Kreative Wege der Industriespionage

Die Eindringlinge gehen auf der Suche nach Interna ganz unterschiedlich vor, viele Unternehmen wurden bereits auf mehreren Wegen attackiert: Rund die Hälfte aller Betroffenen erlebte der Studie zufolge bereits Hackerangriffe auf die EDV-Systeme. Bei 41 Prozent wurden Mails oder Telefonate abgehört oder abgefangen. Oft sind auch die Mitarbeiter eine Schwachstelle. Sie müssen auf der Hut sein, um nicht ungewollt Interna preis zu geben: Rund 38 Prozent der befragten Unternehmen haben erlebt, dass Unbefugte sich durch geschicktes Ausfragen der Mitarbeiter Zugang zu Informationen verschaffen wollten. Dies könne am Telefon passieren, in sozialen Netzwerken und Internetforen, auf Messen oder auch im privaten Umfeld.

Vorsätzliche Industriespionage erlebte jeder dritte Betroffene bereits: 33 Prozent der Unternehmen mussten Datendiebstahl durch eigene Mitarbeiter beobachten. In jedem fünften betroffenen Betrieb haben in der Vergangenheit schon einmal Zulieferer, Dienstleister oder Kunden Daten weitergegeben.
Häufig gingen Diebstähle mit der Industriespionage einher: Gut 17 Prozent der deutschen Studienteilnehmer vermeldeten den Verlust von IT- oder Telekommunikationsgeräten wie Laptops oder Smartphones, mehr als 15 Prozent mussten Dokumente, Muster oder Bauteile gestohlen melden.

Finanzielle Schäden durch Industriespionage

Die meisten Fälle von Industriespionage hatten für die Geschädigten auch finanzielle Folgen. 77,5 Prozent der betroffenen deutschen Unternehmen erlitten nach eigenen Angaben durch die Angriffe einen finanziellen Schaden. Bei 40,5 Prozent lag dieser zwischen 10.000 und 100.000 Euro, bei fast 13 Prozent lag der Schaden zwischen 100.000 und 1 Million und 4,5 Prozent der Firmen erlitten sogar Schäden von mehr als 1 Million Euro.

Der Mittelstand ist dabei der Studie zufolge im Verhältnis am stärksten von Spionage betroffen. In Deutschland hatten 30,8 Prozent der an der Studie teilnehmenden mittelständischen Unternehmen einen konkreten Angriff zu verzeichnen, bei den Konzernen waren es 23,5 Prozent. Die Autoren erklären sich dies auch damit, dass viele Mittelständler inzwischen international vertreten sind und damit ähnlich stark wahrgenommen werden wie Konzerne.

Nach Branchen geordnet stand die Branche Automobil-, Luftfahrzeug-, Schiffs- und Maschinenbau (22,5 Prozent der Angriffe) besonders im Fokus der Angreifer. An zweiter Stelle (17,1 Prozent) folgten Chemie-, Pharma- und Biotechnologie-Firmen vor Unternehmen der Elektro-Branche (12,6 Prozent). Allerdings räumen die Autoren ein, dass einige Branchen keinerlei Angaben zu Schäden machten, was die Autoren auf Angst vor Reputationsschäden zurückführen. Die drei Branchen mit den meisten gemeldeten Fällen waren zudem auch mit jeweils rund 12 Prozent der Antworten die stärksten Teilnehmergruppen in der Befragung.

Forschung, IT und Vertrieb sind gefährdet

Naturgemäß besonders gefährdet ist in deutschen Unternehmen der Bereich Forschung und Entwicklung. 26,3 Prozent der betroffenen Unternehmen gaben an, in diesem Bereich schon Schäden erlitten zu haben. Es folgen die IT-Administration und der Vertrieb. Auf dem vierten Rang finden sich Spionageversuche bei M&A-Deals.

Konkrete Gegenmaßnahmen ergreifen die Unternehmen bislang nur selten. Nur etwa jedes fünfte Unternehmen hat grundlegend festgelegt, welche Daten und Informationen unbedingt geschützt werden müssen, viele überlassen diese Entscheidungen einzelnen Mitarbeitern. Eine Versicherung gegen finanzielle Risiken eines Datenverlustes besitzen nur knapp 4 Prozent der befragten Firmen.

Allerdings könnte sich dies in den kommenden Jahren ändern: Rund 71 Prozent der Unternehmen räumen den Autoren zufolge ein, sich bislang nicht ausreichend mit dem Thema Industriespionage beschäftigt zu haben. Dies dürfte damit auch der Versicherungs- und Sicherheitsindustrie noch ein gutes Geschäft versprechen.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Info

Über die Studie

An der Studie „Industriespionage 2014“ haben insgesamt 530 Unternehmen teilgenommen, davon 412 aus Deutschland und 118 aus Österreich. Die Befragung erfolge über einen standardisierten Fragebogen, zusätzlich wurden 30 Unternehmen telefonisch zu ihren Erfahrungen mit Industriespionage befragt. In Deutschland ordneten sich 24 Prozent der Teilnehmer als Kleinunternehmen ein, 67,7 Prozent zählten sich zum Mittelstand, 8,3 Prozent waren Konzerne. Die vollständigen Ergebnisse finden Sie zum kostenlosen Download in der FINANCE White Paper Library.

+ posts
Themen
Augenöffner für Finanzentscheider
Inside Corporate Banking: Die Serie zum Banken-Survey 2022
Jetzt Insights sichern »
Jetzt lesen »
Inside Corporate Banking: Die Serie zum Banken-Survey 2022