Deutsche Telekom

27.03.19
Finanzabteilung

Marktturbulenzen drücken Dax-Pensionsvermögen

Die Anlage des Pensionsvermögens wird für Dax-Unternehmen immer schwieriger. Im vergangenen Jahr erwirtschafteten Deutschlands Top-Konzerne sogar eine negative Rendite – und das, obwohl sie stärker auf alternative Assets wie Private Equity setzten.

Das Pensionsvermögen der Dax-Konzerne hat im vergangenen Jahr unter den Verwerfungen am Kapitalmarkt gelitten. Das geht aus einer Analyse der Dax-Geschäftsberichte durch das Beratungsunternehmen Willis Towers Watson hervor. Demnach sank der Barwert der Planvermögen um 5,4 Prozent auf 244 Milliarden Euro. Im Vorjahr hatte dieser Wert noch bei 258 Milliarden Euro gelegen, was die Pensionslücke deutlich schmaler hatte werden lassen.

Als Gründe dafür führt Towers Watson neben der geänderten Indexzusammensetzung (der Dax-Neuling Wirecard verfügt über keinerlei Planvermögen) vor allem die schwierige Lage am Kapitalmarkt an: Im Vorfeld hatten die Dax-Konzerne mit einem Ertrag von 5,2 Milliarden Euro aus der Geldanlage gerechnet. Tatsächlich erwirtschafteten die Bluechips 2018 jedoch einen Verlust von 4,4 Milliarden Euro, was einer negativen Rendite von 1,9 Prozent entspricht.

Rechnungszins legt leicht zu

Aber es gibt auch eine gute Nachricht für die Finanzverantwortlichen der Großkonzerne: Da zugleich die Pensionsverpflichtungen um 4,7 Prozent auf 364 Milliarden Euro gesunken sind, blieb die Pensionslücke nahezu stabil. Der spezifische Ausfinanzierungsgrad der Dax-30-Unternehmen, der das zweckgebundene Pensionsvermögen in Relation zu den Pensionsverbindlichkeiten setzt, liegt im Schnitt bei 67 Prozent und damit nur einen Prozentpunkt unter dem Vorjahr. Damals konnten sich die Dax-Konzerne über die niedrigste Pensionslücke seit zehn Jahren freuen.

Hier sorgte auch der leichte Anstieg des Rechnungszinses, mit dem die Pensionsverpflichtungen diskontiert werden, für Entlastung: Der Zins stieg leicht um einen Basispunkt auf 1,91 Prozent. Eine echte Zinswende ist laut Willis Towers Watson aber weiterhin nicht in Sicht. 2015 hatte der Rechnungszins noch bei 2,5 Prozent gelegen.

Welche Relevanz dies für die Unternehmen haben kann, zeigt sich beispielsweise bei der Deutschen Bahn. Die lange Niedrigzinsphase mache eine Neubewertung der Pensionsverpflichtungen des Unternehmens mit mehr als 300.000 Mitarbeitern nötig, schrieb die Nachrichtenagentur Reuters am gestrigen Dienstag unter Berufung auf Insider. Dies werde den Staatskonzern über 800 Millionen Euro kosten.

Dax-CFOs investieren stärker in Private Equity

Den Niedrigzinsen versuchen die CFOs, Treasurer und Asset-Manager der Großkonzerne zu begegnen, indem sie den Anteil der Anleihen in ihren Portfolios deutlich heruntergefahren: Lag dieser 2011 noch bei 61 Prozent, entfallen auf diese Asset-Klasse jetzt nur noch 49 Prozent.

Im Gegenzug haben die Unternehmen alternative Investments hochgefahren. Dazu gehören insbesondere die Anlageklassen Private Equity und Infrastruktur. Von 2011 bis 2018 hat sich der Anteil „solcher Investments auf jetzt 28 Prozent mehr als verdoppelt.

In Aktien haben Dax-Konzerne dagegen nicht einmal ein Fünftel ihres Pensionsvermögens investiert: Der Aktienanteil sank von zwischenzeitlich 24 Prozent im Jahr 2013 auf 19 Prozent im vergangenen Jahr. International liegt der Anteil mit 40 Prozent deutlich höher.

Telekom und Siemens stocken Pensionsvermögen auf

Während ausländische Konzerne also offenbar stark auf hochrentierliche Anlageklassen setzen, um die Pensionskassen wertvoller zu machen, geht die deutsche Industrie einen anderen Weg – den der Cash-Injektion. 2018 haben die Dax-Konzerne ihren Pensionsvermögen insgesamt 11,8 Milliarden Euro zugeführt. Die höchsten Dotierungen nahmen die Deutsche Telekom (2,9 Milliarden Euro) und Siemens (2,8 Milliarden Euro) vor. Aber auch E.on, Volkswagen und Daimler haben Summen zwischen 700 und 900 Millionen Euro für ihre betriebliche Altersvorsorge nachgeschossen.

Über das höchste Planvermögen verfügt weiterhin Siemens (28,8 Milliarden Euro), gefolgt von Daimler (25,5 Milliarden Euro), BASF (19,3 Milliarden Euro), BMW (18,9 Milliarden Euro) und Bayer (18 Milliarden Euro). Die höchsten Verpflichtungen hat wiederum mit Abstand Volkswagen (43,9 Milliarden Euro), gefolgt von Siemens (35,9 Milliarden Euro), Daimler (32,7 Milliarden Euro), BASF (26,7 Milliarden Euro) und Bayer (26,6 Milliarden Euro).

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