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Steuern im Mittelstand: Hoher Aufwand, schnelle Erstattung

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Deutsche Mittelständler zahlen mehr Steuern als viele EU-Wettbewerber. Dafür kommen Rückerstattungen zügig.
decisiveimages/iStock/Thinkstock/Getty Images

Für Mittelständler in Deutschland ist die Steuerbelastung nach wie vor deutlich höher als für Wettbewerber in den meisten anderen europäischen Ländern. Das hat die Analyse „Paying Taxes 2017“ der Wirtschaftsprüfung PwC und der Weltbank ergeben.

Während Mittelständler in Deutschland im Durchschnitt 48,9 Prozent ihres Gewinns an den Fiskus und die Sozialkassen abführen müssen, werden im EU- und EFTA-Raum insgesamt durchschnittlich nur 40,3 Prozent fällig. Am niedrigsten ist die Quote erwartungsgemäß in Luxemburg mit 20,8 Prozent. Auch die Schweiz liegt mit 28,8 Prozent deutlich unter dem europäischen Schnitt. CFOs in österreichischen Betrieben müssen mit 51,6 Prozent sogar noch mehr Steuern abführen als die deutschen Kollegen. Den höchsten Satz haben die Franzosen mit 62,8 Prozent.

Steuer beansprucht im Mittelstand 218 Arbeitsstunden

Beim Zeitaufwand für die Bearbeitung der Steuer liegen französische Betriebe mit 139 Stunden allerdings deutlich unter dem EU- und EFTA-Durchschnitt von 164 Stunden. Hier sind deutsche Mittelständler deutlich umfassender gefragt: Wie im Vorjahr muss ein Unternehmen in Deutschland 218 Arbeitsstunden im Jahr für die Bearbeitung der Steuer einkalkulieren. Die Spannbreite beim Zeitaufwand ist enorm: Während die Bearbeitung in San Marino mit nur 52 Stunden angegeben wird, braucht ein Mittelständler in Bulgarien mit 453 Stunden rund neunmal länger.

Trotz der überdurchschnittlichen Belastung und des vergleichsweise großen Zeitaufwands gibt es aber auch gute Nachrichten aus dem deutschen Steuersystem: Sobald ein Unternehmen seine Steuererklärung in Deutschland beendet hat, fällt in der Regel kein weiterer Aufwand an. Während die Mehrwertsteuererstattung der Studie zufolge in vielen Ländern zu Problemen zwischen Unternehmen und Fiskus führt, ist der Prozess in Deutschland standardisiert und zieht nur äußerst selten eine Steuerprüfung nach sich. „Dieser Vorteil macht die genannten Nachteile zwar nicht wett. Allerdings sollte man den Effizienzgewinn, der sich durch die simple Methode zur Verrechnung der Mehrwertsteuer ergibt, auch nicht kleinreden“, sagt Marius Möller, Tax-Vorstand von PwC in Deutschland.

Zu viel gezahlte Steuer kommt zügig zurück

Über zu viel gezahlte Steuern kann ein CFO in Deutschland zudem binnen kurzer Zeit wieder verfügen: Nach durchschnittlich fünf Wochen wird deutschen Mittelständlern zu viel gezahlte Mehrwertsteuer erstattet. In Irland dagegen müssen die Unternehmen durchschnittlich 16 Wochen warten, in Spanien sogar 18 Wochen, also mehr als vier Monate. Gerade für Unternehmen mit angespannter Liquiditätslage kann die schnelle Rückerstattung einen großen Unterschied machen.

In einem neu erstellten „Post-filing Index“, der den Aufwand nach der eigentlichen Steuererklärung untersucht, erreicht Deutschland damit sehr gute 97,4 von 100 möglichen Punkten. Im europäischen Vergleich bedeutet dies die achte Position, weltweit landet Deutschland unter 190 untersuchten Volkswirtschaften auf Rang 48.

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