Die Steuerinitiative BEPS erhöht den Aufwand in vielen Steuerabteilungen.

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06.01.16
Finanzabteilung

Steuerinitiative BEPS: Mehr Aufwand, gleiches Personal

Die Staatengemeinschaft zieht die Schrauben bei der Steuereintreibung an. Die Mehrheit der Unternehmen fürchtet dadurch einen höheren Dokumentationsaufwand. Die Steuerabteilungen aufstocken wollen sie allerdings nicht.

In der Steuerpolitik hat sich in den vergangenen Monaten einiges getan: Mit ungewohnt hoher Geschwindigkeit haben die OECD und die G20-Finanzminister im vergangenen Herbst die Richtlinien gebilligt, mit denen aggressive Steuergestaltung künftig unterbunden werden soll. Der Aktionsplan richtet sich gegen „Base Erosion and Profit Shifting“ (BEPS). Auf die Veränderungen stellen sich die Unternehmen in immer höherem Maße ein, zeigt die European Tax Survey von Deloitte, an der sich mehr als 800 Unternehmen aus 21 Ländern beteiligt haben.

Nachdem das Thema in vielen Ländern bereits in den Führungsgremien verankert ist, räumen jetzt auch die deutschen Unternehmen BEPS einen höheren Stellenwert ein als noch im Vorjahr: 55 Prozent halten das Thema derzeit für wichtig oder sehr wichtig, 2014 waren es nur 33 Prozent. Doch viel ist das immer noch nicht.: In den Niederlanden zum Beispiel steht das Thema bereits bei 85 Prozent der Unternehmen als wichtig oder sehr wichtig für die Steuerabteilung auf der Agenda, in Frankreich immerhin bei 75 Prozent. 

Unternehmen rechnen mit mehr Dokumentationsaufwand durch BEPS

Rund 42 Prozent der deutschen Unternehmen planen  bereits konkrete Aktionen im Rahmen der Initiative gegen BEPS. Damit sind die Vorbereitungen in doppelt so vielen Unternehmen angelaufen wie noch im vergangenen Jahr, als erst 23 Prozent mit den Planungen begonnen hatten. Die Unternehmen konzentrieren sich dabei in erster Linie darauf, die neuen Dokumentationsvorgaben bei Verrechnungspreisen umzusetzen.

Die Auswirkungen des BEPS-Aktionsplans stellen die Unternehmen allerdings vor Herausforderungen: 79 Prozent der deutschen Teilnehmer glauben, dass durch die BEPS-Initiative die Doppelbesteuerung in deutlichem oder geringem Umfang steigen wird. Insgesamt gehen die Befragten künftig von einem höherem Verwaltungsaufwand für Besteuerungsfragen aus: 63 Prozent der befragten deutschen Unternehmen rechnen außerdem damit, dass die Compliance-Kosten und die Dokumentationsarbeiten durch die Initiative ansteigen werden. 

Einsatz von Shared-Service-Centern wächst

Den Mehraufwand sollen die Steuerabteilungen allerdings mit bestehenden Ressourcen abfangen: 61 Prozent der Befragten gaben an, dass bislang nicht geplant sei, mit personellen Veränderungen auf die Implementierung der BEPS-Maßnahmen zu reagieren.

Dabei bereitet den Abteilungen selbst ihre Personalausstattung durchaus Kopfzerbrechen: Bei den Faktoren, die die Steuerabteilungen besonders beunruhigen, steht der Themenkomplex „Personelle Ressourcen“ Deloitte zufolge auf dem dritten Rang, hinter verschärften Prüfungen durch die Finanzverwaltungen und Änderungen des Steuerrechts. Besonders groß sei die Sorge, dass wichtige Mitarbeiter das Unternehmen verlassen oder es zu Engpässen kommt.

Immerhin versuchen zahlreiche Firmen gegenzusteuern, indem sie die Organisationsstruktur straffen und die simpleren Arbeiten auslagern. So nimmt der Anteil an Unternehmen, die ihre Steuererklärung mit Hilfe von Shared-Service-Centern erstellen, deutlich zu: Er stieg unter den deutschen Umfrageteilnehmern gegenüber dem Vorjahr von 46 auf 64 Prozent.

Steuerlast sinkt durch Digitalisierung

Weltweit betrachtet können mittelständische Unternehmen ihre Steuerzahlungen allerdings trotz der Neuerungen insgesamt schneller abwickeln als noch vor einem Jahr. Das hat die Studie „Paying Taxes“ von der Weltbank und dem Beratungshaus PwC ergeben. Sie untersucht, welchen Zeitaufwand ein fiktives mittelständisches Unternehmen in den Steuersystemen von 189 unterschiedlichen Ländern für Steuerangelegenheiten einplanen muss.

Die Belastung hat sich in den vergangenen Jahren deutlich reduziert, insbesondere weil Digitalisierung und elektronischer Zahlungsverkehr die Abwicklung beschleunigen. Demnach brauchen Mittelständler im weltweiten Durchschnitt noch 261 Arbeitsstunden im Jahr für die Steuer, das sind drei Stunden weniger als im Vorjahr und 61 Stunden weniger als noch vor zehn Jahren. Im weltweiten Vergleich senken die Entwicklungsländer den Durchschnitt, dort fehlt es an der IT-Infrastruktur, um Steuererhebungen digitalisieren zu können. In der EU liegt der Schnitt sogar deutlich darunter bei 173 Stunden.

Deutsche CFOs müssen vergleichsweise hohen Aufwand leisten

Im europäischen Vergleich haben es die CFOs der deutschen Unternehmen allerdings schwer getroffen. Das deutsche Steuersystem gilt als komplex, und das zeigt sich auch im Arbeitsaufwand. Ein durchschnittlicher Mittelständler muss jedes Jahr 218 Arbeitsstunden für Steuerthemen aufbringen. Zum Vergleich: Im Steuersystem der Schweiz genügen 63 Stunden, in Norwegen 83 Stunden.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Wissenswertes dazu, welche Neuerungen CFOs durch die Steuerinitiative erwarten müssen, finden Sie in unserem FINANCE-Ratgeber zu BEPS