Immer mehr Banken erheben Negativzinsen, für Treasury-Chefs ist das eine Herausforderung.

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02.12.19
Finanzabteilung

Wie Treasury-Chefs mit Strafzinsen der Banken umgehen

Noch vor Kurzem gelang es vielen Treasury-Chefs, Negativzinsen zu vermeiden. Doch nun kündigen immer mehr Banken an, die Strafzinsen der EZB an ihre Kunden weiterzureichen. Die Stimmung kippt.

Für Finanzverantwortliche wird es immer schwieriger, Strafzinsen zu vermeiden. Das zeigen die Ergebnisse des neuen Treasurer-Panels, das die FINANCE-Schwesterpublikation DerTreasurer in Kooperation mit der Deutschen Bank durchgeführt hat. 79 Finanzverantwortliche haben sich an der Umfrage beteiligt. Das Gros der Befragten kommt aus Unternehmen mit mehr als 1 Milliarde Euro Jahresumsatz.

Zwar konnten zwei Drittel aller Befragten Strafzinsen auf Euro-Konten nach eigener Aussage Anfang November noch komplett vermeiden. Allerdings gab bereits ein Drittel an, dass die Banken ihre Euro-Konten mit Negativzinsen belasten. In den meisten Fällen (72 Prozent) ist davon weniger als die Hälfte der freien Liquidität der Unternehmen betroffen. Immerhin jeder achte Befragte zahlt Strafzinsen jedoch auf 75 bis 100 Prozent seines Cashs.

Deutsche Bank kündigt neue Strafzinspolitik an

Es ist durchaus denkbar, dass sich diese Zahlen seit Erhebung der Umfrage zwischen Ende Oktober und Anfang November bereits verschlechtert haben. Denn allein in den vergangenen Tagen haben zahlreiche Banken ihre Strafzinspolitik verschärft. Die Commerzbank soll Medienberichten zufolge zum Teil bereits ab dem ersten Euro Negativzinsen berechnen. Einige Volksbanken und Sparkassen haben sogar damit begonnen, Privatkunden zu belasten.

Auch die Deutsche Bank hat angekündigt, Strafzinsen an „Konzerne und große Firmenkunden“ weiterzureichen. Bis zum Jahresende will das Geldhaus die Gespräche mit den betroffenen Kunden abgeschlossen haben, dann greift das neue Regime. „In naher Zukunft wird es keinem Unternehmen mehr gelingen, Negativzinsen auf Euro-Konten komplett zu vermeiden“, prognostiziert Ole Matthiessen, Leiter des globalen Cash Managements der Deutschen Bank.

Damit reagieren die Banken mit etwas Verzögerung auf die September-Entscheidung der EZB: Damals senkte die Notenbank den Zins für Banken, die Einlagen bei ihr parken, um weitere 10 Basispunkte auf minus 0,5 Prozent und führte zugleich einen Staffelzins ein. Die Hoffnung, dass es sich bei Negativzinsen nur um ein temporäres Phänomen handelt, ist bei vielen Banken nun passé.

Viele Treasurer akzeptieren Strafzinsen

Durchaus erstaunlich ist, dass die Hälfte der befragten Treasury-Chefs, die Strafzinsen auf Euro-Konten zahlen, ihre Strategie zur Liquiditätsanlage nicht überdenkt, sondern die negativen Zinsen mehr oder weniger widerstandslos akzeptiert. Ein Grund dafür könnte sein, dass es nach Wahrnehmung der befragten Treasurer schlicht an Alternativen mangelt. Denn höhere Risiken wollen viele Unternehmen nicht eingehen, um Negativzinsen zu vermeiden. Zudem soll das Cash schnell verfügbar sein. Und selbst für Anlagen mit ein bis zwei Jahren Laufzeit gibt es derzeit zum Teil keine Zinsen mehr.

Es gibt jedoch auch Unternehmen, die bewusst gegensteuern. Jeder dritte Befragte, der Strafzinsen zahlt, erweitert die Palette der eingesetzten Produkte. Einige Treasurer passen auch Limite und Ratingvorgaben an – oder legen mehr Geld in Fremdwährungen an.

Ein Bankwechsel oder die Erweiterung des Bankenkreises kommt dagegen nur vereinzelt in Frage. Dabei könnte in einem solchen Wechsel durchaus ein Hebel liegen: So gibt immerhin ein Drittel der Befragten an, dass Kreditinstitute ihrer Erfahrung nach höhere Freigrenzen bei Einlagen anbieten, um zusätzliches Geschäft zu akquirieren. Fraglich ist, ob das auch künftig so bleibt.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

Welchen Einfluss haben die Negativzinsen auf das operative Geschäft der Unternehmen? Und wie gehen die Treasury-Chefs mit Umstellung der Referenzzinsen im Euro-Raum um? Dies und mehr erfahren Sie im neuen Treasurer-Panel, das Sie hier herunterladen können.