Die IKB vergibt über ihren Kreditfonds Darlehen an Mittelständler. Wie sich die Bank von den Fonds angelsächsischer Anbieter von Private Debt unterscheiden will.

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06.12.16
Finanzierungen

Wie die IKB vom Private-Debt-Boom profitieren will

Die IKB vergibt mit ihrem Kreditfonds Darlehen an große Mittelständler. Wie sie sich damit von anderen Banken abgrenzen will und wo die Unterschiede zu klassischen Private-Debt-Fonds liegen, erklärt Lead Investment Manager Peer Rosenberg im Interview mit FINANCE.

Die IKB befindet sich nach der Finanzkrise immer noch immer im Besitz des US-amerikanischen Turnaround-Investors Lone Star und sucht, wie fast alle europäischen Banken, nach einem profitablen Geschäftsmodell. Ein Teil davon soll das boomende Geschäft mit Private Debt sein. Über einen 625 Millionen Euro schweren Fonds mit dem Namen Valin Mittelstands Senior Debt Fonds vergibt die Düsseldorfer Mittelstandsbank seit dem vergangenen Jahr Kredite an Firmen, die bei einem Umsatz ab 250 Millionen Euro einen jährlichen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von mindestens 15 Millionen Euro erwirtschaften.

Der durchschnittliche Umsatz der insgesamt sieben Unternehmen des Kreditfonds liegt mit rund 1 Milliarde Euro und einem durchschnittlichen Ebitda von rund 100 Millionen Euro deutlich über den Eintrittsbarrieren des Fonds. Das Finanzierungsvolumen beträgt abhängig von Umsatz und Ebitda zwischen 10 und 50 Millionen Euro pro Ticket.

Kreditfonds sind hierzulande bisher nur in bestimmten Nischen in die Bankendomäne vorgedrungen, meint Peer Rosenberg, der als Lead Investment Manager verantwortlich für das Kreditportfolio des Valin Fonds ist: „Der Marktanteil von Kreditfonds im Leveraged-Finance-Markt liegt aktuell bei rund 40 Prozent“. Das seien bisher meist angelsächsische Anbieter von Private Debt, oft mit Private-Equity-Hintergrund. Zu diesen möchte die IKB aber nicht in Konkurrenz treten, da der Kreditfonds im Markt für nichtgesponserte Unternehmensfinanzierungen aktiv sei. Diese Nische sei von Private-Debt-Fonds bisher so gut wie gar nicht belegt, meint Rosenberg. 

Valin Funds der IKB unterscheiden sich von Private-Debt-Fonds

Zu groß sind die Unterschiede: Private-Debt-Fonds bieten wachstumsstarken Mittelständlern – oft im Rahmen von Leveraged Buy-outs – meist hochverzinste, unbesicherte Unitranche-Finanzierungen an. Die IKB konzentriert sich dagegen in ihrem Kreditfonds und einem Mezzanine-Fonds auf Senior- und Mezzanine-Finanzierungen für große Mittelständler mit Bonitätsnoten zwischen BB und Investmentgrade. „Der Leverage unserer Kreditnehmer liegt nicht bei 6x, sondern bei maximal 4x Ebitda, im Schnitt eher um die 1,5x bis 3x“, erklärt Rosenberg. 

Dadurch werfe der Kreditfonds nicht 6 bis 8 Prozent, sondern rund 3 bis 4 Prozent Rendite für die Investoren ab, zu denen neben der IKB selbst (5 Prozent der Investitionssumme stammen von der Bank) noch drei Versicherer zählen. Die IKB verfolgt zudem ein Pari-Passu-Credo: „Wenn andere Banken an der Finanzierung beteiligt sind, wollen wir gleich behandelt werden. Gibt es keine Sicherheiten, fordern wir eine Negativerklärung“, so Rosenberg.

Gegenüber den flexiblen Private-Debt-Fonds scheint die IKB mit ihrem Kreditfonds damit zunächst wenig kompetitiv. Peer Rosenberg sieht deshalb in einer Laufzeitnische die Eingangstür für den Kreditfonds der IKB: „Banken konzentrieren sich aufgrund der Regulierung zunehmend auf kurz- bis mittelfristige Finanzierungen. Damit lassen sie den Debt Fonds Raum bei den langfristigen Tranchen“. Der Valin Fonds bietet Laufzeiten zwischen 7 und 10 Jahren an. „Wir positionieren uns damit gezielt zwischen Bank und Kapitalmarkt“, so Rosenberg.

IKB bietet Kunden Zugang zu institutionellen Investoren

Ein weiterer Pluspunkt gegenüber den angelsächsischen Debt-Providern ist es laut Rosenberg, die IKB als Mittelstandsbank im Rücken zu haben. Über deren Relationship-Manager falle es leichter, Kunden von Private-Debt-Finanzierungen zu überzeugen, da Unternehmen häufig noch Bedenken gegen die Finanzierungsform äußern. „Zu den meisten unserer Kreditfonds-Kunden unterhält die IKB bereits eine klassische Kreditbeziehung und damit ein Vertrauensverhältnis“, sagt Rosenberg.

Möglichen Bedenken der Investoren, dass die IKB ihre Problemkunden in den Kreditfonds abschieben könnte, entgegnet Rosenberg fünf „Sicherheitsschranken“: Zum einen sei die IKB selbst in dem Fonds investiert und übernehme die Bonitätsprüfung eines jeden Kredits anhand eines von der Bafin abgenommenen Ratingtools. Hinzu komme das konservativere Rating von Euler Hermes und ein Investment-Komitee, das aus den Investoren besteht. Dieses könne für jeden Kredit des Fonds ein Veto einlegen. Und zuletzt soll ein unabhängiger Risikomanager überprüfen, ob alle Investmentkriterien eingehalten werden und an den von den Investoren gewählten Fondsaufsichtsrat berichten. 

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

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