Bahnt sich gerade einer der größten Börsengänge der vergangenen Jahre in Europa an? Der Online-Automarktplatz Mobile.de könnte nächstes Jahr bei einer Bewertung von 10 Milliarden Euro sein Debüt auf dem Börsenparkett in Frankfurt am Main geben, wie die „Financial Times“ berichtet.
Die Private-Equity-Gesellschaften Permira und Blackstone sollen demnach Goldman Sachs und JP Morgan kontaktiert haben, um einen Börsengang der Onlineplattform auszuloten. Weder Permira noch Blackstone noch Mobile.de wollten sich gegenüber FINANCE zu den Berichten äußern.
Permira und Blackstone angeblich vor Exit
Permira und Blackstone haben das Unternehmen hinter Mobile.de, Adevinta, vor rund zwei Jahren für 14 Milliarden Euro gekauft und im Juni 2024 dann von der Börse in Oslo genommen. Adevinta ist ein norwegisches Unternehmen, das verschiedene Kleinanzeigenplattformen wie „Kleinanzeigen“ oder „Willhaben“ unter einem Dach vereint.
Seit der Übernahme durch die beiden PEs filetieren die Investoren das Unternehmen. So verkauften Permira und Blackstone beispielsweise im Juli 2025 Adevintas Spanien-Geschäft für mehr als 2 Milliarden Euro an die Private-Equity-Gesellschaft EQT. Mit dem möglichen IPO von Mobile.de könnte diese Zerschlagung nun weiter vorangetrieben werden.
Parallelen zu Autodoc?
Der Gang aufs Parkett war zuletzt im deutschen Markt jedoch kein Selbstläufer. So musste der Online-Ersatzteilhändler Autodoc den geplanten Börsengang absagen. Das Unternehmen, das in einer ähnlichen Branche wie Mobile.de unterwegs ist, führte damals die unsichere weltpolitische Lage als Grund für den zweiten gescheiterten IPO innerhalb von weniger als fünf Jahren an.
Im Interview mit FINANCE TV erklärte Autodoc-CFO Lennart Schmidt, dass das makroökonomische Umfeld aufgrund des Kriegsgeschehens zwischen Israel und dem Iran und des Eintritts der USA in ebendieses, nicht optimal gewesen sei. Das Interesse an der Börse sei daher schwächer gewesen, als erwartet.
Die jüngsten Fortschritte bei den Friedensverhandlungen zwischen Israel und der terroristischen Organisation Hamas könnten die Bedingungen freilich verbessern. Andererseits kommt es immer wieder zu unvorgesehenen Entwicklungen in der Region.
Pfisterer verdoppelt sich nach IPO
Zuletzt gab es am deutschen IPO-Markt indes auch Positivbeispiele: Pfisterer gelang im Mai der Börsengang, obwohl auch der Stromnetzzulieferer eine Absage erwogen hatte, wie CFO Johannes Linden kurz darauf gegenüber FINANCE erklärte. Seither hat sich die Aktie mehr als verdoppelt. Der Prothesenhersteller Ottobock ist seit dieser Woche wieder börsennotiert und hat solide erste Tage hinter sich.
Frederic Haupt ist Redakteur bei FINANCE und betreut schwerpunktmäßig die Themen Private-Equity und M&A. Er hat Journalismus und Unternehmenskommunikation an der Media University (ehemals HMKW) studiert. Nach dem Studium hat er sein Volontariat bei F.A.Z. Business Media absolviert und dabei neben FINANCE für weitere Publikationen des Verlags gearbeitet, unter anderem für die Personalwirtschaft und das Wir-Magazin.
