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Air Berlin verkauft sein letztes Flugzeug

Air Berlin setzt auf Leasing – komplett.
Air Berlin

Schon seit Jahren versucht Air Berlin mit diversen Sparmaßnahmen aus der Krise zu finden. Mit der jüngsten Aktion sorgt die angeschlagene Airline für Verwunderung: Air Berlin hat sein letztes Flugzeug verkauft und fliegt nur noch mit einer komplett geleasten Flotte. Das bestätigte ein Air-Berlin-Sprecher gegenüber dem „Tagesspiegel“. Der Grund: Um Kosten zu sparen, wolle die Gesellschaft ihre Flotte vereinheitlichen und dabei Maschinen vom Hersteller Airbus bevorzugen. Im Rahmen von Leasing geht das einfacher.

Grundsätzlich ist das Leasen von Flugzeugen bei Airlines nicht ungewöhnlich – dass eine Airline allerdings kein einziges Flugzeug mehr in Eigenbesitz hat, ist hingegen nicht die Regel. So hat Lufthansa beispielsweise nur 56 ihrer 600 Flugzeuge geleast – damit befinden sich mehr als 90 Prozent in Eigenbesitz, wie ein Sprecher der größten deutsche Fluggesellschaft gegenüber FINANCE erklärte. Auch teure Großflieger wie der Airbus A380, die Boeing 747 oder die Boeing 777 sind fast alle im Eigenbesitz.

Nur noch Airbus A320: Air Berlin will Flotte harmonisieren

Viele Unternehmen nutzen Leasing unter anderem auch deswegen, weil es einen positiven Effekt auf die Bilanzkennzahlen hat. Die bestehende Zahlungsverpflichtung muss in der Regel nicht als Verbindlichkeit in der Bilanz auftauchen, es reicht, wenn sie im Anhang abgebildet wird. Durch die neue Bilanzierungsregel IFRS 16, die ab Januar 2019 gilt, ändert sich das hingegen radikal. Dann müssen die Leasingschulden in der Bilanz abgebildet werden, wodurch beispielsweise die Verschuldung steigt und die Eigenkapitalquote sinkt. Auf Air Berlin kommt damit mittelfristig eine erhebliche Verschlechterung der Bilanzkennzahlen zu. Außerdem belasten die laufenden Leasingraten den Cashflow, und die Flugzeuge stehen CFO Arnd Schwierholz nicht mehr als Sicherheit für Kredite zur Verfügung.

Allerdings macht es die komplette Umstellung auf Leasing einfacher, die Flotte zu harmonisieren. Um Kosten zu sparen und die Abläufe zu vereinfachen, plant Air Berlin, seine komplette Flotte bis zum Jahresende auf Flugzeuge vom Typ Airbus A320 umzustellen. Die derzeit noch benutzten Boeing-Flugzeuge sollen bis dahin abgegeben werden. 

Araber haben 1 Milliarde Euro bei Air Berlin im Feuer

Trotzdem ist fraglich, ob der Umbau der Flotte und ihrer Finanzierung den Sinkflug der Airline stoppen wird, denn Air Berlin verbrennt nach wie vor Geld. Allein in diesem Jahr nahm Air Berlin bereits drei Mal finanzielle Hilfe von Großaktionär Etihad in Anspruch: Im Mai hatte die arabische Fluggesellschaft eine Sammelanleihe für ihre Airline-Beteiligungen um 500 Millionen US-Dollar aufgestockt, 100 Millionen Dollar flossen an Air Berlin. Im vorherigen Jahresverlauf hatte Etihad den Berlinern schon mit Krediten über insgesamt 325 Millionen Euro – direkt oder als Garant – unter die Arme gegriffen, um die Verluste des vergangenen Geschäftsjahres zu decken.

Damals flog Air Berlin mit einem Minus von 447 Millionen Euro einen Rekordverlust ein, nicht zuletzt wegen einer Fehleinschätzung beim Kerosin-Hedging. Nach FINANCE-Berechnungen hat Etihad bei Air Berlin nun 1 Milliarde Euro im Feuer. Die Sorgen bei den Arabern dürften steigen.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Info

Schwer angeschlagen und am Tropf von Großaktionär Etihad: Alles Wichtige zur Finanzlage von Deutschlands zweitgrößter Airline finden Sie auf der FINANCE-Themenseite Air Berlin.

Hintergründe zu Vita und Karriere des Air-Berlin-CFOs gibt es im FINANCE-Köpfe-Profil von Arnd Schwierholz.

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