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Centrotherm braucht Schutzschirm

Der Anlagenbauer Centrotherm beliefert die Solarindustrie.
iStock / Thinkstock / Getty Images

Die Misere der Solarindustrie gehen weiter. Das jüngste Drama spielt sich im schwäbischen Blaubeuren ab: Der Anlagenbauer Centrotherm hat gestern beim zuständigen Amtsgericht in Ulm den Antrag auf die Einleitung eines Schutzschirmverfahrens gestellt. Gemäß der Insolvenzrechtsreform ESUG hätte das Solarunternehmen dann drei Monate Zeit, sich mit Hilfe eines Beraters zu sanieren und das Insolvenzverfahren vorzubereiten. In dieser Zeit steht Centrotherm nur unter Aufsicht eines sogenannten Sachwalters. Gläubiger können in diesem Fall keine Maßnahmen zur Zwangsvollstreckung einleiten. Am 1. März war die Insolvenzrechtsreform ESUG in Kraft getreten, die Sanierungen erleichtern soll.

Die Lage bei Centrotherm, das lange als Vorzeigeunternehmen galt, hatte sich Mitte Juni dramatisch zugespitzt. Banken hatten dem Tec-DAX-Konzern den Geldhahn zugedreht, bis auf weiteres konnte Centrotherm nicht mehr auf seine offenen Kredit- und Avallinien zurückgreifen. Auch die Warenkreditversicherer wollten keine Lieferungen an das Unternehmen mehr versichern. Um Geschäfte überhaupt zu realisieren, benötigte der Anlagenbauer dringend die Garantien von Banken – von Anzahlungsgarantien bis hin zu Bietungsgarantien. Auch Hermes-Bürgschaften sind wichtig, wenn die Schwaben in Hochrisikoländer liefern. Als neuer Chief Restructuring Officer stieß der ehemaligen Herlitz-Manager Jan Schuckmann daraufhin zu Centrotherm. Mit Hans Autenrieth schied einer der Gründer aus dem Vorstand aus.

Gewinnwarnung schockte Geldgeber
Der erste Schock für die Finanzierer kam bereits im vergangenen November 2011. Eine Gewinnwarnung, für die besonders zwei Silizium-Fabriken in Asien verantwortlich waren, schreckte die Gläubiger auf. Finanzvorstand Thomas Riegler, der erst im August 2010 zu Centrotherm gestoßen war, machten vor allem erschwerte Finanzierungsbedingungen und Verzögerungen von Abnahmen zu schaffen. Trotzdem gelang es ihm noch, im vergangenen Jahr einen Schuldschein zu platzieren. 

markus.dentz[at]finance-magazin.de

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Markus Dentz ist Chefredakteur von FINANCE und der Fachzeitschrift DerTreasurer. Seine journalistischen Schwerpunktthemen sind Unternehmensfinanzierung, Restrukturierung und Treasury. Nach dem Studium und dem Volontariat beim F.A.Z.-Institut stieß Dentz zur FRANKFURT BUSINESS MEDIA GmbH, einer Tochter der F.A.Z.-Verlagsgruppe und Herausgeberin von DerTreasurer und FINANCE. Mehrfach wurden seine Artikel aus den Bereichen Private Equity und M&A mit Journalistenpreisen ausgezeichnet.

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