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Deutsche Forfait gibt klein bei und ist vorerst gerettet

Deutsche-Forfait-CFO Frank Hock musste einlenken, um die Anleihegläubiger mit ins Boot zu holen.
Deutsche Forfait

Nach harten Verhandlungen ist der Deutschen Forfait in letzter Sekunde der Sprung von Messers Schneide gelungen: Im zweiten Anlauf haben die Gläubiger der Mittelstandsanleihe gestern am späten Abend den Weg für die Sanierung des schwer angeschlagenen Exportfinanzierers frei gemacht. In der ersten Abstimmung, die das Unternehmen Ende Januar ohne Versammlung vorgenommen hatte, war das notwendige Quorum von 50 Prozent der Anleihegläubiger verfehlt worden.

Allerdings haben die Gläubiger dem Management um CFO Frank Hock bei alles entscheidenden Gläubigerversammlung gestern in Köln große Eingeständnisse abgerungen: Hauptstreitpunkt war der Zinssatz der Mittelstandsanleihe, den das Unternehmen rückwirkend zum Mai 2014 und bis zum Ende der Laufzeit im Jahr 2020 von 7,785 auf 2,0 Prozent drücken wollte. Die Gläubiger haben sich nun mit ihrer Forderung durchgesetzt, dass der Nominalzinssatz spätestens zum Zinstermin 2018 sowie für die folgenden zwei Jahre wieder auf 7,875 Prozent angehoben wird. Abhängig vom Erreichen eines nicht näher genannten bestimmten Konzernergebnisses könnten die Gläubiger schon 2017 einen höheren Zinssatz erhalten.

Bei der Deutschen Forfait jagt damit ein Verhandlungskrimi den nächsten: Zuerst das monatelange Ringen mit der US-Behörde OFAC, die den Exportfinanzierer wegen angeblicher Verstöße gegen das Iran-Embargo auf ihrer Sanktionsliste führte und das Unternehmen damit überhaupt erst in die derzeitige missliche Lage brachte. Jetzt folgte der Kampf mit den Gläubigern der Mittelstandsanleihe, die das Sanierungskonzept an den Rande des Scheiterns brachten.

Gläubiger der Mittelstandsanleihe erkämpfen Teilsieg

Die nun gefundene Lösung ist ein Kompromiss aus dem Restrukturierungskonzept des Managements und dem Gegenantrag der Restrukturierungsberatung One Square Advisors. Die Anleiheinvestoren haben die Beratung um Frank Günther gestern zu ihrem gemeinsamen Vertreter ernannt – gegen den Willen der Gesellschaft, die Klaus Nieding (Kanzlei Nieding + Barth) für dieses Amt vorgeschlagen hatte.

Die Verhandlungen in Köln dauerten bis spät in die Abendstunden, sodass sich die Deutsche Forfait erst heute Vormittag in der Lage sah, eine ad-hoc-Mitteilung zu veröffentlichen. Der Aktienkurs reagierte zunächst nicht, der Kurs der Mittelstandsanleihe kletterte um 2,3 Prozent auf 44 Prozent des Nennwertes.

Unsicherheit bleibt: Gelingt die finanzielle Restrukturierung?

Mit der Zustimmung der Anleihegläubiger hat die Deutsche Forfait nun die letzte Hürde zur Umsetzung des Rettungsplans genommen. „Wir wollen die finanzielle Restrukturierung noch im ersten Halbjahr abschließen“, bestätigte Christoph Charpentier, Leiter Investor Relations, heute gegenüber FINANCE. Die Aktionäre der Deutschen Forfait hatten das Restrukturierungskonzept bereits bei ihrer Hauptversammlung am 22. Januar abgesegnet. Auch die Banken haben nach Angaben von CFO Hock ihre Unterstützung zugesagt. Sie haben eine Senkung der Kreditzinsen für unbesicherte Darlehen in Höhe von etwa 40 Millionen Euro auf 1 Prozent bis Ende 2016 akzeptiert.

Fraglich ist allerdings, wie nachhaltig der verwässerte Rettungsplan ist: Die Zinslast wird nun nicht in dem Maße gesenkt, wie es sich die Deutsche Forfait das vorgestellt hatte. Das operative Geschäft muss schneller wieder Tritt fassen, um die volle Zinszahlung für 2018 zu erwirtschaften.

Die zweite Komponente zur Entlastung der Bilanz ist ein Debt-to-Equity-Swap, bei dem Anleihegläubiger ihre Schuldverschreibungen in Anteile wechseln können. Doch auch dieser Punkt birgt Unsicherheiten: Der Debt-to-Equity-Swap ist freiwillig – wie viele Anleihegläubiger ihre Anleihen tatsächlich gegen Aktien eintauschen werden, ist unklar. Charpentier zeigt sich optimistisch: „Viele wichtige Gläubiger haben ihre Bereitschaft dazu erklärt.“ Einige institutionelle Investoren der Deutschen Forfait verstehen sich nach eigenem Bekunden jedoch nur als Bond- und nicht als Shareholder – sie wollen daher nicht teilnehmen.

Kapitalerhöhung soll Eigenkapital der Deutschen Forfait stärken

Sicher ist dagegen, dass es zwei Kapitalerhöhungen geben wird: Die erste um 3,4 Millionen neue Aktien dient der Finanzierung des Debt-to-Equity-Swaps, die zweite über bis zu 6,8 Millionen Aktien der Stärkung des Eigenkapitals. Das ist auch bitter notwendig: Zum Ende des dritten Quartals 2014 stand ein negatives Eigenkapital von 1,3 Millionen Euro zu Buche.

Das ist dem massiven Einbruch des Geschäft des Exportfinanzierers geschuldet: In den ersten neun Monaten des Jahres 2014 musste das Unternehmen einen Verlust von 11,5 Millionen Euro verbuchen. Zum Vergleich: Im Vorjahreszeitraum hatte der Gewinn bei 1,3 Millionen Euro gelegen.

Die US-Behörde OFAC hatte die Deutsche Forfait zu Jahresbeginn wegen angeblicher Verstöße gegen Iran-Sanktionen auf ihre schwarze Liste gesetzt – und damit komplett vom wichtigen US-Dollar-Geschäft abgeschnitten: . Die Deutsche Forfait wickelt normalerweise zwei Drittel ihres Geschäfts in dieser Währung ab. Acht Monate konnte die Deutsche Forfait faktisch keine neuen Geschäfte abschließen, bis die OFAC den Außenhandelsfinanzierer im Oktober schließlich von der Liste strich und rehabilitierte.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

Info

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