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Gläubigerversammlung: MS Deutschland muss nachsitzen

Wie bei vielen anderen Emittenten von Mittelstandsanleihen ist auch die erste Gläubigerversammlung von MS Deutschland nicht beschlussfähig.
MS Deutschland

MS Deutschland muss bei der Restrukturierung der Mittelstandsanleihe in die zweite Runde: Zur ersten Gläubigerversammlung des „Traumschiff“-Unternehmens in Frankfurt erschienen heute nur 44 Prozent der Anleihegläubiger. Damit verfehlte das Unternehmen die für eine Abstimmung notwendigen 50 Prozent und muss nun eine zweite Gläubigerversammlung einberufen.

Die Einladung dazu solle noch in dieser Woche herausgehen, sagt Christian Muschik, Leiter Investor Relations bei MS Deutschland gegenüber FINANCE. Wahrscheinlich sei ein Termin Mitte November. Dort reicht dann eine Anwesenheit von 25 Prozent der Anleihegläubiger aus, um einen gemeinsamen Vertreter zu wählen.

Wahl des gemeinsamen Vertreters umstritten

Der PE-Investor Callista, der im Januar die Mehrheit an der MS Deutschland Holding im Rahmen eines Secondary Buyout von Aurelius übernommen hatte, hat den CSU-Politiker und früheren bayerischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein als gemeinsamen Vertreter vorgeschlagen. Einige Gläubiger haben allerdings bereits Zweifel an Becksteins Restrukturierungserfahrung geäußert.

Ebenfalls zur Wahl steht der Rechtsanwalt Klaus Nieding, der unter anderem bei der Windreich-Insolvenz gemeinsamer Vertreter der Anleihegläubiger ist. Ob sich für die zweite Gläubigerversammlung noch weitere Kandidaten melden, sei noch unklar, so Muschik.

Der künftige Vertreter sieht sich bei MS Deutschland mit einer besonderen Herausforderung konfrontiert. Denn im Falle der Mittelstandsanleihe könnte ein Interessenskonflikt zwischen Anteilseigner und Gläubiger entstehen: Die Gläubigerforderungen sind – anders als bei den meisten anderen Mittelstandsanleihen – besichert. Im Insolvenzfall dürften die Gläubiger das Traumschiff als Sicherheit verwerten. Ob die Gläubiger den Restrukturierungsplänen des PE-Investors folgen, ist daher offen.

Wie MS Deutschland-Eigner Olaf Meier Anfang September im Interview bei FINANCE-TV erklärte, sei der PE-Investor bereit, sich an der finanziellen Restrukturierung des Traumschiffs zu beteiligen und frisches Eigenkapital einzuschießen – sofern auch die Gläubiger ihren Beitrag leisten.

MS Deutschland will zur zweiten Gläubigerversammlung Details zum Haircut vorlegen

Ein Konzept für die Restrukturierung der Mittelstandsanleihe hat Callista bislang noch nicht vorgelegt. Der PE-Investor hat die Anleihegläubiger bisher lediglich um eine Stundung der am 18. Dezember fälligen Zinsen sowie um einen vorübergehenden Verzicht ihrer Kündigungsrechte gebeten. Darüber muss nun ebenfalls bei der zweiten Gläubigerversammlung abgestimmt werden.

MS Deutschland rechtfertigte das Fehlen eines Sanierungskonzepts damit, dass durch die Stundung zunächst mögliche Liquiditätsengpässe abgewendet werden sollten. Ein solches Konzept wolle das Unternehmen nun bis Mitte November vorlegen, so Muschik. Wann darüber abgestimmt werden könnte, sei allerdings noch unklar.

desire.backhaus[at]finance-magazin.de

Info

Wie es zu der Schieflage des Traumschiffs kommen konnte und wie der neue Eigentümer Callista bislang agiert hat – alle Infos auf unserer FINANCE-Themenseite zur MS Deutschland.