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Hamburger SV will offenbar neue Anleihe begeben

Mit einer neuen Anleihe über 40 Millionen will der HSV sowohl die Finanzierung des Volksparkstadions, als auch seine Fan-Anleihe ablösen.
picture alliance/Foto Huebner

Nach dem 3:0-Sieg am vergangenen Wochenende gegen Bundesligaschlusslicht Hannover 96 hat sich der Hamburger SV den größten Abstiegssorgen entledigt. CFO Frank Wettstein scheint das Gleiche nun auch im Finanzbereich anzustreben, wie die Bild-Zeitung berichtet. Eine neue 40 Millionen Euro schwere Anleihe könnte der entscheidende Baustein in Wettsteins Plänen sein, den Bundesliga-Dino von seiner laut Wettstein größten Finanzgefahr zu befreien – der Ballung eines großen Teils der Fristigkeiten in den nächsten zwei bis drei Jahren.

Eine konkrete Fälligkeit der neuen Anleihe nannte die Zeitung nicht, aber ihre Laufzeit dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit mindestens vier Jahre betragen, eher sogar noch etwas mehr. Die Verzinsung soll zwischen 4,5 und 5,5 Prozent liegen und damit in erster Linie Großanleger anlocken. Offiziell bestätigt wurde der Bericht bisher nicht. Wie umfinanziert werde, sei laut Wettstein „weder entschieden noch vertraglich vereinbart“.

Erst vor zwei Monaten hatte der HSV-Finanzchef gegenüber FINANCE jedoch schon angekündigt, dass der HSV an der Ausgabe von neuem Kapital arbeite und zeitnah Vollzug erwarte. Das Interview hatte hohe Wellen geschlagen, weil Wettstein den HSV darin unverblümt als „Sanierungsfall“ bezeichnet und ein düsteres Bild von den Folgen gemalt hatte, die dem HSV drohen, wenn er das Problem der Fristigkeit seiner Finanzschulden nicht schnell in den Griff bekomme.

HSV: Neue Anleihe soll unterschiedliche Fristigkeiten bündeln

Demnach verfolgt Wettstein derzeit nicht das Ziel, die Gesamtverbindlichkeiten von rund 90 Millionen Euro zu reduzieren – dafür ist die Ertragslage des HSV derzeit einfach zu schwach. Vielmehr geht es darum, die unterschiedlichen Fristigkeiten besser aufeinander abzustimmen. Aus der Stadionfinanzierung hat der HSV noch eine Restschuld von 25 Millionen Euro, wodurch laut Wettstein jährliche Tilgungen zwischen 6 und 8 Millionen Euro anfallen. Der wesentliche Teil davon ist bis 2017 fällig. In Kürze werden laut Bild-Zeitung zudem Bankdarlehen fällig.

Hinzu kommt eine 2019 auslaufende Fan-Anleihe über 17,5 Millionen Euro. Mit einer Anleihe über 40 Millionen Euro könnte Wettstein die genannten Verbindlichkeiten unter einem Dach mit einer einheitlichen Fälligkeit zusammenlegen. Das finanzielle Klumpenrisiko würde Wettstein damit zwar sogar noch erhöhen, aber auch einige Jahre zusätzliche Zeit gewinnen, um den HSV zu sanieren.

Der Hamburger SV ist weiter auf Investorensuche

Um diesem Ziel näher zu kommen, ist der HSV auch nach wie vor auf der Suche nach neuen Eigenkapitalspritzen durch Unternehmer aus dem Umfeld des HSV. Damit will Wettstein nicht nur die Schulden senken und die auch in dieser Saison wieder anfallenden Verluste decken, sondern auch den Einfluss von Gönner Klaus-Michael Kühne begrenzen.

Investoren, die frisches Eigenkapital nach Hamburg bringen, sind für das Bundesliga-Urgestein enorm wichtig, denn die vergangenen fünf Geschäftsjahre schloss der HSV jeweils mit einem Verlust ab. In der abgelaufenen Saison 2014/2015 stand sogar ein Rekordverlust von 16,9 Millionen Euro zu Buche, der das Eigenkapital laut Wettstein auf 22,5 Millionen Euro schmelzen ließ, obwohl der Klub viele Millionen durch den Verkauf von Anteilen einnahm.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

Info

Wie es um die HSV-Finanzen steht und wie sich die Rettungsversuche des Managements entwickeln, erfahren Sie auf unserer ausführlichen FINANCE-Themenseite zum Hamburger SV.