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In letzter Minute: Solarfirma SiC wendet drohende Pleite ab

In akuter Pleitegefahr: Mit SiC Processing muss ein weiterer Solarkonzern ums Überleben kämpfen.
SiC Processing

SiC Processing, einer der größten Anbieter von Wiederaufbereitungsservices für die Solarindustrie, ist nur knapp der Insolvenz entkommen. Am heutigen Montag stimmten die größten Gläubiger des fränkischen Unternehmens einer Stundung ihrer Forderungen bis Ende Februar nächsten Jahres zu.

Dabei handelt es sich um einen norwegischen Vermieter, der nach dem Rückzug des Unternehmens aus dem Land offene Forderungen gegen den deutschen Mutterkonzern geltend gemacht hat, einen wichtigen Anlagenlieferanten sowie einen nicht näher benannten Gesellschafter. Dahinter dürfte sich der Private-Equity-Fonds Nordic Capital verbergen, der im Juni 2010 die Mehrheit an SiC übernommen hat und auch mit Gesellschafterdarlehen engagiert ist.  

Déjà-vu-Erlebnis für CFO Dirk Müller

Jetzt muss Finanzvorstand Dirk Müller bis Ende Februar eine langfristige Finanzierungslösung und ein Sanierungskonzept erarbeiten. Schon in einigen Wochen will Müller den Hauptgläubigern ein Maßnahmenpaket zur Entschuldung der Gruppe vorlegen.

Davon werden auch die Gläubiger der im März 2011 in Stuttgart begebenen SiC-Mittelstandsanleihe im Nominalwert von 80 Millionen Euro betroffen sein. Schon seit dem Frühjahr hat sich der Bond im Zuge der sich verschärfenden Branchenkrise und des erzwungenen Rückzugs des Unternehmens aus Norwegen schlecht entwickelt. Unmittelbar nach Offenlegung der akuten Finanzierungskrise brach der Bond um 26 Prozent auf einen Kurs von 18,2 ein.  

Über die nötigen Kontakte und Erfahrung für diesen Kraftakt dürfte Müller verfügen. Als früherer CFO der Autowerkstattkette ATU war er schon einmal an einer großangelegten Rettungsfinanzierung beteiligt. Doch auch Müller wurde von der Entwicklung überrascht. Noch im Januar hatte er sich im Interview mit FINANCE-TV zuversichtlich gezeigt, dass SiC der Branchenkrise trotzen und das ehrgeizige Investitionsprogramm durchziehen kann.

Hohe Kosten für Expansion in China

Bei der eigentlich hochprofitablen SiC kommen mehrere Negativentwicklungen zusammen. Nach der Insolvenz des größten Kunden im Frühjahr musste SiC mit einem großen Standort in Norwegen nicht nur einen früheren Gewinnbringer aufgeben, sondern auch noch erhebliche Verpflichtungen aus Garantien für die Tochtergesellschaft einräumen.

Parallel dazu fährt SiC seit Jahren ein ehrgeiziges Ausbauprogramm in China, das schon mehrere hundert Millionen Euro verschlungen hat, ohne bislang nennenswerte Erträge abzuliefern. Es dürften auch Abnahmeverpflichtungen gegenüber Anlagenlieferanten für die Expansion in China sein, die den Finanzierungsspielraum von SiC so dramatisch eingeengt haben.  

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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Michael Hedtstück ist Chefredakteur von FINANCE-Online und FINANCE-TV und verantwortet die Online-Aktivitäten des FINANCE-Magazins. Er ist zweifacher Träger des Deutschen Journalistenpreises.

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