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Leasing: Konsolidierung durch Abwicklung

Es ist wie bei der Goldsuche: Wer am Ende bei der Konsolidierung der deutschen Leasingbranche übrig bleibt, kann sich glücklich schätzen, denn immer weniger Gesellschaften teilen sich immer mehr Geschäft.
iStock / Thinkstock / Getty Images

Immer weniger Leasinggesellschaften teilen sich in Deutschland immer mehr Geschäft auf. Waren um die Jahrtausendwende noch über 1.000 Leasinganbieter am deutschen Markt aktiv, ist es jetzt weniger als die Hälfte. Nach Zahlen der BaFin vom April dieses Jahres sind derzeit noch 380 Leasinggesellschaften in Deutschland operativ tätig, im vergangenen November waren es noch rund 400 Leasinggesellschaften gewesen. „Die eine oder andere Gesellschaft könnten wir noch verlieren“, glaubt Horst Fittler, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Leasing-Unternehmen (BDL), „auch wenn sich der Prozess zuletzt deutlich verlangsamt hat.“

Banken konzentrieren sich auf Firmenkundengeschäft

Die Gründe für die Konsolidierung der deutschen Leasingbranche sind vielfältig. Zum einen kämpfen die Leasinganbieter wie die Familienunternehmen aus der Industrie mit Nachfolgeproblemen. Die Eigentümer gehen aus Altersgründen in den Ruhestand und finden keinen, der ihr Lebenswerk fortführt.

Zum anderen sind auch Refinanzierungsmöglichkeiten, die die Banken noch vor einigen Jahren zur Verfügung gestellt haben, weggebrochen. „Die Landesbanken, die früher die deutschen Leasinggesellschaften refinanziert haben, und andere Kreditinstitute, die den Leasinganbietern in der Vergangenheit Einzelforderungen abgekauft haben, haben sich aus diesem Geschäft fast vollständig zurückgezogen“, sagt Jesko Frommeyer, Leiter Business Development bei GE Capital Germany. Die Banken achteten heutzutage eher darauf, ihre Firmenkunden zu finanzieren. „Das wird wohl auch so bleiben“, glaubt Frommeyer.

Hinzu kommt, dass viele Leasinggesellschaften strukturell zu klein sind, um Anleihen zu platzieren oder ihre gebündelten Leasingverträge an den Kapitalmarkt zu bringen. „In dem anhaltenden Niedrigzinsumfeld ist es auch nicht einfach, ausreichende Margen zu generieren“, sagt GE-Capital-Deutschlandchef Joachim Secker. „Da ist die Konsolidierung unaufhaltsam.“ Der Finanzdienstleister ist in Deutschland ebenfalls durch Akquisitionen in den umkämpften Leasingmarkt eingestiegen. Im Jahr 2007 erwarb GE Capital die Leasinggesellschaften Diskont und Kredit AG, Disko Leasing GmbH und ASL Auto Service-Leasing GmbH von der KGAL. Weitere Zukäufe kann sich der Deutschlandchef vorstellen.

Kaum M&A-Deals in Leasingbranche

Doch der wohl wichtigste Grund für die Konsolidierung der Leasingbranche sind die gestiegenen regulatorischen Anforderungen, die Leasinggesellschaften seit einigen Jahren im Rahmen von „KWG light“ erfüllen müssen. Gerade die kleineren Anbieter sind damit überfordert – auch aus personellen Gründen. Die Folge: Diese Leasinggesellschaften machen kein Neugeschäft mehr, arbeiten ihre Portfolien ab und schließen dann ihre Türen für immer.

Für andere Finanzdienstleister lohnt sich das Leasinggeschäft schlichtweg nicht mehr. Die niederländische Bank ING hat beispielsweise im Sommer 2011 ihr Autoleasinggeschäft für 637 Millionen Euro an den Autobauer BMW verkauft. Auch der Finanzdienstleister GFKL Financial Services hat seine Leasinggesellschaften Universal Leasing Benelux und Universal Leasing im Sommer des gleichen Jahres veräußert, um sich künftig allein auf das Forderungsmanagement konzentrieren zu können.

Trotz dieser Entwicklungen waren in den vergangenen Jahren relativ wenige M&A-Transaktionen in der Leasingbranche zu sehen. „Es gibt viel M&A-Aktivität in der Leasingbranche“, sagt Frommeyer. „Aber die meisten Transaktionen kommen nicht zum Abschluss.“ Häufig scheiterten die Verhandlungen am Preis und nicht an der Ausrichtung der Leasinggesellschaft. Daher werden die Gesellschaften meistens eher abgewickelt als verkauft.

Eine Hürde zu einer realistischen Kaufpreisfindung ist dem Finanzierungsexperten zufolge die vom Verkäufer oft angewandte sogenannte Substanzwertanalyse, die 1991 vom BDL entwickelt worden ist. Bei einer Kalkulation mit dem Substanzwert werden unter anderem allerdings das Neugeschäft sowie mögliche Restrukturierungskosten nicht berücksichtigt, was zu Diskussionen über den Kaufpreis bis hin zum Scheitern der geplanten M&A-Transaktion führen kann.

sabine.paulus[at]finance-magazin.de

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Sabine Paulus ist seit 2008 Redakteurin beim Fachmagazin FINANCE und der Online-Publikation DerTreasurer. Ihre Themenschwerpunkte sind Personal, Organisation, Karriere und Finanzierung. Sie ist M.A. und hat an der Universität Konstanz unter anderem das Hauptfach Deutsche Literatur studiert.

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