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Mit Distributor Finance Risiken in der Zulieferkette reduzieren

iStock / Thinkstock / Getty Images

Im Zuge der Finanzkrise mussten einige Unternehmen Kreditengpässe hinnehmen, weshalb sie Liquidität und Risiken in ihren Zulieferketten inzwischen sehr ernst nehmen. Dieses neue Bewusstsein hat zu einem Anstieg in der Nachfrage nach Supply-Chain-Finanzierung beigetragen. In diesem Kontext ist auch die Bedeutung von sogenannten Distributor-Finance-Programmen zur Unterstützung nachgelagerter Unternehmen in internationalen Zulieferketten stark angewachsen.

Unter Distributor Finance sind Finanzierungslösungen zu verstehen, durch die Vertriebshändler der Herstellerunternehmen sowie deren Wiederverkäufern finanziell unterstützt werden. Dadurch kann das Produkt zügiger an den Endverbraucher überliefert werden. Hierbei gibt es verschiedene Möglichkeiten. Die drei gängigsten sind

  • auf Forderungen basierende Finanzprogramme, in denen der Geldgeber Forderungen aufkauft und Vertriebshändlern so zu verlängerten Zahlungsfristen verhilft.
  • Darlehens- und Kreditmöglichkeiten für Vertriebshändler, das Maß an Unterstützung seitens der Hersteller weicht hierbei von Fall zu Fall voneinander ab.
  • andere Formen der Asset-Backed-Finanzierung, wie beispielsweise Bestandsfinanzierung. Die Hersteller sind auch hier unterschiedlich stark eingebunden.

In vielen aufstrebenden Märkten sind lokale Zulieferer kleine und mittelständische Unternehmen, die es schwer haben, sich Zugang zu erschwinglichen Krediten zu verschaffen. Dabei erhöht sich der Druck der Hersteller, Umsätze zu steigern. Wenn große Konzerne in Wachstumsregionen expandieren wollen, ist Distributor Finance deshalb oft der Schlüssel zur Kultivierung dieser neuen Märkte und hilft den Unternehmen neue Umsatzpotentiale zu erschließen.

Mit Distributor Finance Händlern bessere Konditionen bieten

Im Rahmen einer Studie über Distributor Finance in der Handelswelt und die Herangehensweise von Banken an dieses Thema hat Demica eine Reihe globaler Konzerne und internationaler Banken befragt.

Für Herstellerunternehmen können Distributor-Finance-Programme von großem Nutzen sein, wenn es darum geht, in neue beziehungsweise unterversorgte Regionen und Segmente zu expandieren. Distributor Finance verhilft ihnen außerdem dazu, geeigneten Vertriebshändlern verbesserte Konditionen zu bieten, mit unverändertem oder verringertem Kreditrisiko bei positiven beziehungsweise keinen Auswirkungen auf deren Liquidität. Oft erlaubt Distributor Finance Herstellern auch, von ihren Vertriebshändlern zu verlangen, Verpflichtungen einzugehen, mit denen sie die eigene Wettbewerbsfähigkeit steigern können. Dazu gehört beispielsweise Produktexklusivität.

Dank verlängerter Zahlungsfristen, verringerter Bestände und verbesserter Bilanzaufstellungen können Distributor-Finance-Programme Vertriebshändlern helfen, ihr Betriebskapital zu optimieren. Als alternative Finanzierungsmethode bietet Distributor Finance Händlern auch eine zusätzliche Finanzierungsquelle, durch die sie ihr Geschäft mit wenig Kapitalbedarf erweitern können.

Warum Firmen in der Handelswelt Distributor Finance nutzen

Firmen, die beabsichtigen, in aufstrebende Märkte zu expandieren, sind verstärkt an Distributor-Finance-Produkten interessiert. Ihr Fokus liegt meist auf Osteuropa, Asien und Lateinamerika. Die Hauptgründe, aus denen Firmen Distributor-Finance-Lösungen implementieren sind unter anderem Umsätze in aufstrebenden Märkten zu steigern, ohne dabei weiteres Betriebskapital einsetzen zu müssen und dem angebotenen Produkt einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Zudem können Unternehmen die mit kleinen und mittelständischen Vertriebshändlern verbundene Risiken reduzieren und ihren Vertriebshändlern günstige Finanzierungsmöglichkeiten bieten.

Banken haben generell auch ein relativ hohes Interesse an Distributor-Finance-Lösungen, obwohl der Umfang der angebotenen Produkte sowie Fokus und Definition sich von Bank zu Bank ganz klar unterscheiden. Während die einen mit Distributor Finance als Flaggschiff werben oder sich verstärkt auf diesen Bereich konzentrieren, ist es bei den anderen bislang ein Zusatzprodukt für wichtige Kunden. Viele verlassen sich bei der Due-Dilligence-Prüfung der Betriebshändler auf die Herstellerunternehmen, einige ziehen es jedoch vor, selbst detaillierte Kontrollen durchzuführen. Das gilt besonders, wenn sie sich ihren lokalen Fußabdruck dabei zunutze machen können. Obwohl die Risikoteilung mit den Herstellern eine Voraussetzung für viele Banken ist, legen einige stattdessen verstärkt Wert auf die Verbindungen von Lieferketten.

Distributor Finance ergänzt Supply-Chain-Finanzierungsangebote

Um die Stabilität von Zulieferketten zu gewährleisten, bemühen sich vorausschauende Unternehmen um wertschöpfende Finanzierungsmöglichkeiten, die den verschiedenen Akteuren innerhalb der Zulieferkette zugute kommen. Distributor Finance ergänzt das bestehende Angebot an Supply-Chain-Finanzierungsprodukten. Zusammen bieten sie effiziente Finanzierungsmöglichkeiten für vor- wie nachgelagerte kleine und mittelständische Unternehmen in den Lieferketten großer Konzerne und unterstützen Großunternehmen dabei, die gewünschten Märkte mit kurzfristigen Betriebsmittelfinanzierungen vollständig zu erschließen.

redaktion[at]finance-magazin.de

Info

Philipp Kerle ist Geschäftsführer von Demica.