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Mittelstandsanleihe: AEG Power verschiebt Entscheidung über Kuponzahlung

AEG Power Solutions

Die nächste schlechte Nachricht aus dem Markt der Mittelstandsanleihen: Die Holding des Solarzulieferers AEG Power Solutions, die 3W Power, muss die Entscheidung über die Zinszahlung ihrer Anleihe bis zur zweiten Gläubigerversammlung am 18. Dezember verschieben. Grund für diesen Schritt: Die Anleihegläubigerversammlung am heutigen Montag hätte auf Basis des gegenwärtigen Anmeldungsstands nicht über die notwendige Beschlussfähigkeit verfügt, um die Stundung der Zinszahlung zu beschließen, teilte der Elektronikkonzern AEG Power Solutions mit.

Die nächste Zinszahlung wäre eigentlich für den 1. Dezember 2013 vorgesehen gewesen. 3W Power hatte die Mittelstandsanleihe mit einem Nennwert von 100 Millionen Euro Ende November 2010 begeben. Das Wertpapier läuft bis 2015, ist mit einem Kupon von 9,25 Prozent ausgestattet und notiert an den Börsen Frankfurt und Stuttgart.

Angespannte Liquiditätssituation bei AEG Power Solutions

Vergangene Woche konnte AEG Power Solutions auch bei der Veröffentlichung der Quartalszahlen noch keine Entwarnung geben. Ende Oktober hatte AEG Power Solutions Zahlungsmittel in Höhe von 32,4 Millionen Euro (Ende September 2013: 28,9 Millionen Euro). Der Brutto-Forderungsbestand lag zum gleichen Zeitpunkt bei 66,1 Millionen Euro. Die Liquiditätssituation sei weiterhin angespannt und es bestünde gegenwärtig ein eingeschränkter Zugang zu Krediten, teilte AEG Power Solutions in der vergangenen Woche mit. Gerade die Erzielung von Cash Flows sei herausfordernd. „Sollte ein Erfolg bei der Verbesserung der Liquiditätslage und der Cash Flows für das Unternehmen ausbleiben, könnte der weitere Fortbestand des Unternehmens gefährdet sein“, teilte der Solarzulieferer damals weiter mit.

Der Umsatz im dritten Quartal 2013 betrug 53,9 Millionen Euro und lag damit 36,4 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum und 7,0 Prozent unter dem vorherigen Quartal. Ende Oktober betrug der Umsatz 227 Millionen Euro. Das EBITDA lag im dritten Quartal bei minus 11,6 Millionen Euro (Q3 2012: 8,4 Mio. Euro). Für 2013 rechnet AEG Power Solutions damit, dass sich das Umsatzvolumen auf unter 285 Millionen Euro verringert. Grund hierfür seien geringere Umsätze der Segmente Solar und POC und ein negatives bereinigtes EBITDA.

Bereits Ende Oktober zeichnete sich ab, dass den Gläubigern der Mittelstandsanleihe tiefe Einschnitte bevorstehen. Damals teilte AEG Power Solutions mit, dass „externe Finanz- und Rechtsberater“ an einem umfassenden Rettungskonzepts arbeiten und „den Businessplan, die Liquiditätslage und die Ertragsaussichten“ begutachten. Zudem würde die gegenwärtige Kapitalstruktur überprüft, um gegebenenfalls „Anpassungen“ vorzunehmen.

PE-Investor Ripplewood betroffen

2013 war bislang ein schlimmes Jahr für AEG Power Solutions. Im März stufte die Ratingagentur Standard & Poor’s das Unternehmen von B- auf CCC+ herunter und setzte den Ratingausblick auf negativ. Damit ist der Solarzulieferer in die Ratingklasse der Unternehmen mit „ungenügender Bonität“ gerutscht. Die Ratinganalysten von S&P dokumentieren damit der Ratingklassifizierung zufolge die „akute Gefahr eines Zahlungsverzuges“.

Das waren keine guten Nachrichten für den Aktionärskreis von AEG Power Solutions. Größter Aktionär ist der PE-Investor Ripplewood mit einem Anteil von 29 Prozent. Auch die Unternehmer Roland Berger und Thomas Middelhoff, die AEG Power Solutions 2009 im Rahmen einer „Spac“-Transaktion an die Börse gebracht hatten, sind an dem Solarzulieferer beteiligt.

sabine.paulus[at]finance-magazin.de

Info

Weitere Artikel finden Sie in unserem ausführlichen Dossier zum Thema Mittelstandsanleihen.

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Sabine Paulus ist seit 2008 Redakteurin beim Fachmagazin FINANCE und der Online-Publikation DerTreasurer. Ihre Themenschwerpunkte sind Personal, Organisation, Karriere und Finanzierung. Sie ist M.A. und hat an der Universität Konstanz unter anderem das Hauptfach Deutsche Literatur studiert.