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PE-Investor Aurelius erlässt MS Deutschland Schulden

PE-Investor Aurelius greift MS Deutschland unter die Arme.
MS Deutschland

Der PE-Investor Aurelius stabilisiert mit einem Refinanzierungspaket über 10 Millionen Euro kurzfristig die finanziell klamme MS Deutschland. Über ein nachrangiges Gesellschafterdarlehen stellt Aurelius eine Kreditlinie über 5 Millionen Euro zur Verfügung, durch die die erste im Dezember fällige Kuponzahlung für die Mittelstandsanleihe bedient werden kann. Mit dem Restbetrag von 1,6 Millionen Euro soll 2014 das Schiff renoviert werden. Der Investor lobt sich für die „bedarfsgerechte Verfügbarkeit an liquiden Mitteln“. Darüber hinaus erlässt Aurelius seinem Portfoliounternehmen ein weiteres im Dezember fälliges Gesellschafterdarlehen (HWD-Darlehen) in Höhe von 5 Millionen Euro und will damit zur „Entschuldung und Stärkung der Bilanzstruktur der MS Deutschland“ beitragen. Das ist übertrieben: Tatsächlich bleibt die Schuldenlast des Unternehmens durch den neuen Kredit bei gleichzeitigem Forderungsverzicht konstant und drückend hoch. Der Darlehensverzicht verhindert indes die Zahlungsunfähigkeit.

Die Ertragslage der MS Deutschland hatte sich zuletzt verschlechtert. Bei einem auf 23,3 Millionen Euro gestiegenen Halbjahresumsatz lag das EBITDA bei minus 1 Million Euro. Statt wie geplant 54 bis 57 Millionen Euro will MS Deutschland im Gesamtjahr 2013 nur noch einen Umsatz von 52 bis 54 Millionen Euro erzielen. Das EBITDA soll mit 1 bis 2 Millionen Euro deutlich geringer ausfallen als die zunächst veranschlagten 5 bis 7,5 Millionen Euro.

PE-Investor Aurelius bangt um MS Deutschland

Hinzu kommt eine äußerst schwache Bilanzstruktur. Zum Jahresende 2012 hatte die MS Deutschland ein negatives Eigenkapital von rund 10,6 Millionen Euro, die Nettoverschuldung betrug rund 55 Millionen Euro, was einer NetDebt zu EBITDA-Ratio von 27 gemessen an den vom Management erwarteten Ergebnissen für 2013 entspricht. Neuere Zahlen zur Veränderungen der Bilanzstruktur und Liquiditätsentwicklung teilte MS Deutschland FINANCE auf Anfrage nicht mit. Das nächste Wertgutachten für das Kreuzfahrtschiff, das als Besicherung der Anleihe dient, muss bis Ende 2013 vorliegen, wie FINANCE erfuhr. Bislang ist das Schiff in einem Gutachten von Oktober 2012 mit 100 Millionen US-Dollar bewertet (zum Bewertungszeitpunkt ca. 76,5 Millionen Euro). Die Investitionen in das 1998 gebaute Schiff dienen insofern der Werterhaltung des zentralen Assets der Gesellschaft.

Die MS Deutschland wurde erst zuletzt von der Ratingagentur Scope mit einer viel beachteten Abstufung um gleich vier Notches von A auf BBB- gleichsam abgestraft. Zudem steht das Bondrating unter Beobachtung für eine weitere Abstufung. Das Folgerating wird für November erwartet. Auch für 2014 sichert Aurelius noch die Kuponzahlung mit einem weiteren Gesellschafterdarlehen ab. Wie das Unternehmen die Zahlungen dann bedienen will, ist fraglich. Kurzfristig jubelten die Investoren jedenfalls erleichtert auf:Der Kurs der Mittelstandsanleihe sprang um rund 12 Prozent auf 72 Prozent.

marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de

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