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PNE Wind bangt um Finanzierung der Tochter WKN

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Der vom Machtkampf gebeutelte Windparkprojektierer PNE Wind muss mit dem Neustart warten: Die Finanzierung von der Tochter WKN steht auf der Kippe.
krzych-34/iStock/Thinkstock/Getty Images

Die Uhr tickt: Bis zum 30. November muss der Vorstand der PNE Wind-Tochter WKN die kreditgebenden Banken überzeugen, den insgesamt 29 Millionen Euro schweren Konsortialkredit nicht zu kündigen. Die Verhandlungen laufen bereits seit mehreren Wochen, bislang aber ohne Erfolg: „Wir sind optimistisch, in den kommenden Tagen eine Lösung zu finden“, sagte ein PNE-Wind-Sprecher gegenüber FINANCE.

Denn nicht nur für WKN, sondern auch für die durch den Machtkampf an der Spitze arg gebeutelte Mutter wäre die Kündigung der Finanzierung eine schwere Last: Der Windparkprojektierer müsste seiner Tochter wohl mit nichtvertraglichen, freiwilligen Unterstützungszahlungen beispringen, heißt es im Anfang November veröffentlichten Bericht für das dritte Quartal.

Gewinnwarnung und WKN-Finanzierung: PNE Wind unter Beschuss

Der Zeitpunkt ist denkbar ungünstig, denn die Liquiditäts- und Ertragslage von PNE Wind dürfte 2015 einen Dämpfer bekommen, nachdem PNE Wind in der vergangenen Woche eine saftige Gewinnwarnung veröffentlichen musste. Das für dieses Jahr angepeilte Konzern-Ebit werde voraussichtlich um 25 Millionen Euro niedriger ausfallen als geplant und nur noch 5 bis 15 Millionen Euro betragen. Der Grund:  Die schottischen Behörden haben WKN die Genehmigung für ihr wichtiges Windparkprojekt „Sallachy“ verweigert.

Zwar verfügte PNE Wind Ende September über 112 Millionen Euro Cash, was ein Einspringen zu Gunsten der vor gut zwei Jahren zugekauften Tochter WKN recht schmerzfrei möglich machen dürfte. Dem gegenüber steht aber auch ein wachsender kurzfristiger Schuldenberg, der sich vor allem aus dem Projekt „YieldCo“ ergibt. In diese Projektgesellschaft will PNE Wind selbst entwickelte Windparks mit einer Leistung von bis zu 150 Megawatt einbringen. Bislang hat PNE Wind 54,8 Millionen Euro an Eigenmitteln in den Aufbau der YieldCo investiert. Weitere 101,6 Millionen Euro wurden in Form von Projektfinanzierungen aufgebracht.

Die YieldCo soll dann Ende 2016 entweder an Investoren verkauft oder an die Börse gebracht werden. In der Zwischenzeit muss PNE die fertigen und sich im Bau befindlichen Windparks der YieldCo auf der eigenen Bilanz halten. Dies trübt zumindest kurzfristig das Bilanzbild des Unternehmens ein – just zu dem Zeitpunkt, an dem die WKN-Finanzierung wackelt.

Machtkampf an der Spitze von PNE Wind verunsichert Banken

Aus diesem Grund hat die Ratingagentur Creditreform das Rating von BB- von PNE Wind jetzt auf Watch gesetzt. Damit reagiert die Ratingagentur explizit auch auf die „Unsicherheit hinsichtlich der Verhandlungen zwischen WKN und den kreditgebenden Banken“.

Die Finanziers hätten bereits zum 30. September das Recht auf eine Kündigung des Konsortialkredits gehabt. Damals hatte eine der Banken eine Avalkredit-Fazilität über 5 Millionen Euro nicht verlängert. Der Kreditvertrag des Konsortialkredits sieht für diesen Fall eine grundsätzliche Kündigungsmöglichkeit für alle Banken vor. Der WKN-Vorstand konnte die Banken aber zunächst von einem Aussetzen ihres Kündigungsrechts bis Ende November überzeugen.

Auslöser für den Rückzug des Avalkreditgebers war FINANCE-Informationen zufolge das Chaos bei der Hauptversammlung Mitte August, das den Machtkampf zwischen PNE-Wind-Chef Martin Billhardt und Großaktionär Volker Friedrichsen eskalieren ließ. Der Rücktritt von Billhardt und die Neuwahl des gesamten Aufsichtsrates Ende Oktober haben den Machtkampf entschieden, aber das Management geschwächt – ein neuer Vorstandschef wird gesucht. Interimsweise führt derzeit COO Markus Lesser den Konzern. Das durch die Streitigkeiten gestiegene Risiko habe die Bank nicht mehr tragen wollen, so ist zu hören.

Die Financial Covenants, die WKN noch zum Jahresende 2014 gerissen hatte, konnte die Gesellschaft dagegen zuletzt einhalten. Doch die Nicht-Genehmigung des Windparks in Schottland hat die Ertragsaussichten der PNE-Wind-Tochter schlagartig verdüstert. Es ist gut möglich, dass dies Ende November Folgen haben wird für die Konzernfinanzierung von PNE Wind.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

Info

Die Hintergründe rund um den Machtkampf bei PNE Wind sowie die Finanzlage finden Sie auf unserer Themenseite PNE Wind.

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