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Restrukturierung: Geopolitische Krisen treffen Unternehmen

Das Russlandgeschäft setzt deutsche Unternehmen unter Druck.
Thinkstock/Getty Images

Die vergangenen Monate waren geprägt durch eine Zunahme geopolitischer Krisen und exogener Schocks, insbesondere auf der Währungsseite. Beispielhaft genannt seien die Eskalation im Russland-Ukraine-Konflikt und die damit verbundenen stufenweise verschärften Wirtschaftssanktionen, die zunehmende Gewalt in großen Teilen des Nahen und Mittleren Ostens sowie die überraschende Aufgabe der Wechselkursanbindung des Schweizer Franken an den Euro durch die Schweizerische Nationalbank SNB. Viele Unternehmen hierzulande sind davon in einem solchen Ausmaß negativ betroffen, dass sich die Auswirkungen inzwischen auch in den Restrukturierungsabteilungen der finanzierenden Banken bemerkbar machen.

Der Befund spiegelt sich in den Ergebnissen des sechsten Restrukturierungsbarometers wider, das FINANCE in Zusammenarbeit mit dem Beratungshaus Struktur Management Partner (SMP) Anfang April durchgeführt hat. So gaben immerhin 38 der befragten Restrukturierungsexperten zu Protokoll, dass geopolitische Krisen bei den eigenen Kreditnehmern bereits Probleme ausgelöst haben, und sogar 53 Prozent bestätigten, dass starke Währungsbewegungen Firmenkunden aus dem eigenen Haus in die Bredouille gebracht hätten. Regional ganz oben auf der geopolitischen Krisenagenda stehen dabei Russland und die Ukraine – angesichts der engen wirtschaftlichen Verflechtungen deutscher Unternehmen mit Russland verwundert das nicht.

Maschinenbau leidet besonders

Auf Branchen heruntergebrochen, leidet vor allem der Maschinenbau unter dem Einbruch des Russlandgeschäfts. Die Branche liefert mehr als ein Fünftel aller deutschen Ausfuhren in das Riesenreich. Nach Angaben des Branchenverbandes VDMA sind die Exporte nach Russland 2014 um 17 Prozent eingebrochen, was einem Geschäftsvolumen von 1,3 Milliarden Euro entspricht. Stark betroffen ist zudem der Nahrungsmittelsektor, denn Russland galt lange Jahre als wichtigster Absatzmarkt für deutsche Agrar- und Lebensmittelexporteure außerhalb der EU. Nach Angaben des Verbandes BVE brachen die Agrarexporte 2014 wegen des russischen Importverbotes um 28 Prozent ein, die Lebensmittelexporte sogar um 32 Prozent.

Vor diesem Hintergrund dürfte auch der Anstieg neuer Restrukturierungsfälle im Vergleich zur Erhebung im Sommer 2014 zu sehen sein. So gaben 25 Prozent der befragten Experten an, in den vergangenen sechs Monaten mehr neue Krisenfälle zur Bearbeitung auf den Tisch bekommen zu haben als im vorhergehenden Halbjahr. In der Befragung vom Sommer 2014 bestätigten das lediglich 10 Prozent, 55 Prozent meldeten dagegen sinkende Zahlen. Nach dem deutlichen Rückgang der Neufälle in der vorangegangenen Befragung nähern sich die aktuellen Zahlen dem langjährigen Durchschnitt der letzten Befragungen wieder an.

Viele Krisenfälle werden aus der Intensivstation entlassen

Die Tendenz bei den Erfolgsaussichten von Restrukturierungsfällen ist anhaltend freundlich. In Zahlen heißt das: 58 Prozent der Befragten gaben an, mehr Engagements aus der „Intensivstation“ entlassen zu haben. Lediglich 11 Prozent der Banker berichten von steigenden Insolvenzzahlen. Über den Zeitraum von drei Jahren betrachtet war die Wahrscheinlichkeit eines positiven Ausgangs bei Unternehmenskrisen noch nie so hoch wie derzeit.

Laden Sie sich hier die vollständigen Untersuchungsergebnisse des sechsten FINANCE Restrukturierungsbarometers herunter. Die zuvor veröffentlichten Umfragen finden Sie hier.

redaktion[at]finance-magazin.de

Info

Das Restrukturierungsbarometer

In der  Onlineumfrage Restrukturierungsbarometer befragt FINANCE in Zusammenarbeit mit dem Beratungshaus Struktur Management Partner regelmäßig die Professionals aus dem Intensive-Care- Bereich von Banken. 

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