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Schuldscheinmarkt öffnet sich für bonitätsschwache Unternehmen

Konnte trotz Verlust ein und schwacher Eigenkapitalquote ein Schuldscheindarlehen emittierten: Der Schokoladenhersteller Halloren.
Halloren

Der Schuldschein etabliert sich auch für Unternehmen mit schwacher Bonität als Finanzierungsalternative: Etwa 38 Prozent aller Emittenten haben eine Bonitätsbewertung, die nicht mehr im Investment-Grade-Bereich liegt. Zu dem Ergebnis kommt die Ratingagentur Scope auf Basis einer aktuellen Analyse deutscher, österreichischer und französischer Schuldscheinemittenten.

Zwar verfügen mehr als drei Viertel der Unternehmen, die einen Schuldschein begeben haben, nicht über ein öffentliches Rating. Scope hat nun allerdings die Zahlen 30 ungerateter Schuldscheinemittenten unter die Lupe genommen. Dazu gehören sowohl Großemittenten wie die MDax-Konzerne Fraport und Leoni, als auch kleinere Mittelständler wie Nabaltec oder die Halloren Schokoladenfabrik.

Das Ergebnis: Nur 40 Prozent der untersuchten Unternehmen würden ein Investmentgrade-Rating bekommen. Im Mittel läge ihre Bonität demnach bei BB+ und damit unterhalb des Investment-Grade-Bereichs. Auffällig ist, dass Schuldscheinemittenten, die sich haben raten lassen, im Schnitt deutlich bonitätsstärker sind: Hier verfügen rund 75 Prozent über ein Rating von mindestens BBB-. Kombiniert man beide Werte, weist dies auf einen Anteil von 38 Prozent aller Schuldscheinemittenten, die nicht mehr im Investment-Grade-Bereich liegen.

NEU: FINANCE-Studien – Der Schuldschein im Aufwind

Für die Studie “Der Schuldschein im Aufwind” hat FINANCE 193 Finanzentscheider und 218 Investoren befragt. Erfahren Sie mehr über ihre Einschätzungen des Schuldscheinmarktes und bestellen Sie die Studie hier.

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Investoren fragen schwache Bonitäten nach

Die Nachfrage nach Papieren bonitätsschwacher Unternehmen ist da: Eine FINANCE-Studie in Kooperation mit der IKB hatte kürzlich ergeben, dass mehr als jeder fünfte der insgesamt befragten 218 Investoren auch Schuldscheine unterhalb des Investment-Grade-Ratings zeichnen würde. Scope geht davon aus, dass dieser Anteil in Zukunft weiter steigen wird: Getrieben durch das aktuelle Niedrigzinsumfeld seien Investoren auf der Suche nach Rendite gewillt, höhere Risiken einzugehen, so die Ratingagentur.

Auch die Regulierung spielt CFOs bonitätsschwacher Unternehmen in die Karten: Scope rechnet damit, dass in Zukunft auch Versicherungen und Debt-Fonds stärker in Schuldscheine investieren werden. Dabei könnten sie dank anderer gesetzlicher Rahmenbedingungen auch schlechtere Bonitäten zeichnen.

Hinzu kommt, dass der Schuldscheinmarkt zunehmend auch für ausländische Unternehmen an Attraktivität gewinnt – in ihrem Schlepptau werden auch internationale Banken zunehmend auf die Finanzierungsform aufmerksam. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch deutsche Unternehmen von der Investorendiversifikation am Markt stärker profitieren werden“, prognostiziert Raoul Hessling, Schuldscheinexperte bei der BNP Paribas in Frankfurt am Main.

Scope warnt vor steigender Intransparenz auf dem Schuldscheinmarkt

Doch Scope mahnt angesichts des Booms zur Vorsicht: Die steigende Zahl kleiner, ungerateter und bonitätsschwächerer Unternehmen könnte die Intransparenz auf dem Markt für Schuldscheindarlehen verstärken, fürchtet die Agentur. Anders als etwa auf dem Bondmarkt unterliegen Schuldscheinemittenten deutlich weniger strengen Rechnungslegungs- und Publizitätspflichten – ein Aspekt, den insbesondere CFOs mittelständischer Unternehmen schätzen. Weil parallel dazu neue Investorengruppen nicht die Kapazität hätten, um eigene Ratings vorzunehmen, warnt Scope vor einer Verzerrung der Risikoprämien – und nennt das durch diverse Skandale in Verruf geratene Segment der Mittelstandsanleihen als warnendes Beispiel.

Für eine solche Entwicklung gibt es beim seit Jahren etablierten Instrument Schuldschein bislang zwar keine Anzeichen. Dennoch dürfte mehr Transparenz auch im Interesse der CFOs sein, die sich klar von Unternehmen mit extrem schwachen Bonitäten abheben wollen.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de