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SiC-Bondgläubiger gehen leer aus

Schlechte Nachrichten für den Mini-Bondmarkt: Die Gläubiger des insolventen Solarzulieferers SiC Processing werden weitgehend leer ausgehen, warnt das Management. Grund ist die Nachrangigkeit der Mittelstandsanleihe.
James Thew/Thinkstock/Getty Images

Bittere Nachricht für Anleger, die in die 80 Millionen Euro große Mittelstandsanleihe des Solarunternehmens SiC Processing investiert haben: Nach Einschätzung des SiC-Managements um CFO Dirk Müller, der inzwischen nicht mehr in der Geschäftsführung ist, aber noch als Berater fungiert, werde die Planquote für die unbesicherten Gläubiger „erheblich“ unterhalb des aktuellen Börsenpreises der Mittelstandsanleihe liegen. Das Management lässt sogar offen, ob die Investoren überhaupt eine Zahlung erwarten können.

Diese Warnung kommt dem Eingeständnis eines Totalverlusts gleich, notierte der SiC-Bond vor dieser Ankündigung an der Börse Stuttgart doch zu einem Kurs von 13. Die Investoren reagierten schnell: Heute im frühen Handel wurde die Geld-Brief-Taxe auf 5 bis 7 gestellt.

Große Probleme auch für SiC in China

Die Berechnungen des SiC-Managements sind noch nicht von Wirtschaftsprüfern gegengezeichnet worden, basieren aber offenbar auf umfangreichen Werthaltigkeitstests der wesentlichen Vermögenswerte. Dabei sei ein hoher Abschreibungsbedarf auf zentrale Vermögenswerte, insbesondere die operativen Tochtergesellschaften, aufgedeckt worden, heißt es.

Die Ankündigung kommt insofern überraschend, als dass SiC in China über hochmodere Produktionsanlagen verfügt, die erst vor wenigen Monaten fertiggestellt worden sind. Bis zuletzt hatten Investoren auf die Werthaltigkeit dieser Assets gesetzt. Dass bei der ehemaligen Keimzelle des Solarkonzerns, den Silizium-Aufbereitungsanlagen in Norwegen, nichts mehr zu holen sein würde, ist indes schon länger klar. Nach dem Verlust des mit Abstand wichtigsten Kunden hatte die Insolvenz der Tochtergesellschaft in Norwegen im vergangenen Jahr die Notlage von SiC ausgelöst. Nun wird klar, dass auch in China die Lage äußerst prekär ist.        

Fast alle Mittelstandsanleihen ähneln dem SiC-Bond

Die SiC-Pleite könnte weitere Kreise am Mini-Bondmarkt ziehen. „Fast alle Mittelstandsanleihen sind so strukturiert wie der SiC-Bond – strukturell nachrangig“, erklärt Ulrich Barnickel, Chef des Corporate-Finance-Beratungshauses iPontix. Bei den meisten Mittelstandsanleihen sei nur festgelegt, dass andere Bonds, die das Unternehmen emittiert, nicht besser gestellt sein dürfen.

Die meisten Neuemissionen von Mittelstandsanleihen der vergangenen Monate waren ähnlich strukturiert wie der SiC-Bond. Eine Ausnahme sind Anleihen von Immobilienunternehmen, von denen einige bei der Emission mit Immobilienbesitz besichert worden sind. Beispiele sind die IPSAK-Emission – das Areal der Salamander-Werke in Kornwestheim bei Stuttgart – und die Mittelstandsanleihe der Hahn Immobilien AG. Entsprechend gut fielen die Ratings dieser beiden Emissionen aus: Beide Anleihen erhielten ein „A“-Rating.

Auch manche Industrieanleihen wurden besichert begeben. Doch wie wenig diese Sicherheiten im Ernstfall wert seien können, zeigt die Pleite des Mini-Bondemittenten BKN Biostrom. Nach dem Insolvenzantrag im vergangenen Sommer erwies sich die Besicherung als wertlos, die Anleihegläubiger gingen weitgehend leer aus.

Barnickel: „Keine generelle Vertrauenskrise“

Dennoch glaubt Barnickel nicht, dass die aktuelle Entwicklung bei SiC das Marktsentiment für Mittelstandsanleihen nachhaltig verschlechtern wird: „Es wird nur eine kleine Reaktion geben, eine generelle Vertrauenskrise erwarte ich nicht“, meint der Finanzierungsspezialist, der unter anderem den Anlagenbauer MT Energie bei der Emission einer Mittelstandsanleihe beraten hat.

Zur Begründung verweist Barnickel auf den Fall des Solarunternehmens Solarwatt, das das neue Insolvenzrecht ESuG für eine Insolvenz in Eigenregie genutzt hat und den Anlegern immerhin 16 Prozent ihres ursprünglichen Einsatzes zurückzahlte, wie CFO Carsten Bovenschen im Herbst in einem FINANCE-Interview erläutert hatte.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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Michael Hedtstück ist Chefredakteur von FINANCE-Online und FINANCE-TV und verantwortet die Online-Aktivitäten des FINANCE-Magazins. Er ist zweifacher Träger des Deutschen Journalistenpreises.

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