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So funktioniert ein ESG-linked Bond

Hapag-Lloyd setzt als eines der ersten deutschen Unternehmen auf einen Sustainability-linked Bond.
Patrick Ludolph/Hapag-Lloyd

Sustainability-linked Bond – was ist das eigentlich? Und wo liegt der Unterschied zum Green Bond? Letzteres ist relativ leicht zu erklären: Während die Erlöse von Green Bonds ausschließlich für nachhaltige Projekte verwendet werden können, ist bei Sustainability-linked Bonds (SLBs) der Verwendungszweck frei. Allerdings hängt die Höhe der Finanzierungskosten davon ab, ob der Emittent seine selbst gesetzten Nachhaltigkeitsziele erreicht.
 
Bei Krediten ist ein ähnlicher Mechanismus schon bekannt. ESG-linked Loans haben sich seit der Debüttransaktion des Konsumgüterkonzerns Henkel Ende 2018 in Deutschland schnell verbreitet. Auch am Schuldscheinmarkt wird der Link eingesetzt. Experten erwarten, dass sich auch SLBs schnell verbreiten werden, doch die Anleihen unterscheiden sich deutlich von dem, was bisher bei Krediten üblich ist.

„Unternehmen, die Sustainability-linked Bonds platzieren, verfolgen teilweise deutlich ambitioniertere Pläne, als wir das von bisherigen ESG-linked Transaktionen kennen“, sagt Boris Kopp, Head of Capital Solutions & Sustainable Financing der Deutschen Bank. Das zeigt sich besonders bei den selbstauferlegten Sanktionsmechanismen: Bei der neuen Bondklasse sind Aufschläge zwischen 25 und 75 Basispunkten üblich, wenn die Nachhaltigkeitsziele nicht erreicht werden. Bei ESG-linked Loans und Schuldscheinen beträgt der mögliche finanzielle Aufschlag 2 bis 5 Basispunkte.

„Unternehmen, die Sustainability-linked Bonds platzieren, verfolgen teilweise deutlich ambitioniertere Pläne.“

Boris Kopp, Deutsche Bank

Sustainability-linked Bonds setzen auf Strafen

Allerdings ist die Struktur der Bonds nicht ganz leicht mit den anderen Instrumenten zu vergleichen. Bei Sustainability-linked Bonds können sich die Finanzierungskonditionen für den Emittenten nur verschlechtern – und zwar wenn das Unternehmen die gesetzten Ziele nicht erreicht. Bei Krediten mit ESG-Link können die Kosten dagegen steigen oder sinken, je nachdem, wie die Nachhaltigkeitsleistung des Unternehmens ausgefallen ist.

„Darüber hinaus unterscheidet sich auch deutlich, welche Kennzahlen Unternehmen für den ESG-Link bei Anleihen einsetzen“, erklärt Deutsch-Banker Kopp. Sustainability-linked Bonds werden meist an mittel- bis langfristige Nachhaltigkeitsziele gekoppelt. In der Regel wird erst nach einigen Jahren überprüft, ob sie erreicht wurden oder nicht.

Bei Krediten ist dagegen eine jährliche Überprüfung der Nachhaltigkeitsperformance üblich – sie kann sowohl anhand von individuellen Kennzahlen festgemacht werden oder über ein ESG-Rating. Auf die Rating-Variante setzte im Februar auch der Schienentechnikkonzern Vossloh bei einem Hybrid Bond mit ESG-Link.

CO2-KPI bei ESG-linked Bonds im Fokus

Wie die Struktur bei Bonds in der Praxis dagegen meistens aussieht, zeigt das aktuelle Beispiel von Hapag-Lloyd: Das 300 Millionen Euro schwere Papier läuft sieben Jahre und ist an ein Ziel zur Senkung der CO2-Intensität der Reederei geknüpft. Die soll bis 2030 um 60 Prozent reduziert werden, für die Anleihe hat Hapag-Lloyd aber ein Zwischenziel definiert. Im Jahr 2025 wird anhand der Zahlen des vorherigen Jahres geprüft, ob die Reederei es erreicht hat. Wenn nicht, steigt der Kupon, der bis dahin bei 2,5 Prozent liegt, für die Restlaufzeit bis 2028 um 25 Basispunkte.

Dass Hapag-Lloyd auf eine CO2-Kennzahl setzt, ist für den Deutsche-Bank-Experten Kopp exemplarisch für viele der SLBs, die es bisher gab. „Der Carbon Footprint wird für Investoren eine immer wichtigere Kennzahl“, erklärt er. „Mit solchen Anleihen machen Unternehmen öffentlich sehr deutlich, welche Ziele sie sich für die Reduktion ihrer CO2-Emissionen gesetzt haben – was dann wiederum auch von Investoren für ihre Modelle und Berechnungen herangezogen werden kann“, so Kopp.

Durch den finanziellen Aufschlag – der auch bei der Berücksichtigung aller strukturellen Unterschiede deutlich über dem Preisniveau bei Krediten und Schuldscheinen liegt – unterstreichen Emittenten ihr Bekenntnis zu diesen Zielen. Den Investoren wird in dem neuen Marktsegment die wichtige Aufgabe zukommen, zu prüfen, ob diese Ziele auch anspruchsvoll genug sind.

SLBs nur für Unternehmen mit Nachhaltigkeitsstrategie

Peter Kollmann, Finanzchef des österreichischen Stromversorgers Verbund, betont, dass ein Sustainability-linked Bond nur für Unternehmen mit einer konsistenten und langfristigen Nachhaltigkeitsstrategie in Frage kommt. Der Konzern hat einen SLB emittiert, der gleichzeitig ein Green Bond ist und mit der EU-Taxonomie in Einklang steht – sprich, auch der Erlös wird nur für nachhaltige Zwecke eingesetzt. Die Laufzeit des Bonds fällt mit 20 Jahren sehr lang aus. „Ob wir unsere Nachhaltigkeitsziele erreicht haben, wird im Jahr 2032 geprüft“, erklärt Kollmann.

Als Zielkennzahlen haben die Österreicher, die bereits viele grüne Finanzierungen im Einsatz haben, die Erweiterung der Produktionskapazität bei erneuerbaren Energien und der Transformatorenkapazität gesetzt, die notwendig ist, um erneuerbaren Strom in das Hochspannungsnetz einspeisen zu können. Verfehlt Verbund die Ziele, so steigt der Kupon um 25 Basispunkte. „Bei einer Restlaufzeit von acht Jahren ist das ein Betrag von 10 Millionen Euro“, betont der CFO.

Im Gegenzug sei allerdings eines zu beachten: Die Ausgestaltung des Papiers als Green & Sustainability-linked Bond habe Verbund einen Finanzierungsvorteil von rund 10 Basispunkten bei der Finanzierung eingebracht, sagt Kollmann.

Experte Kopp geht davon aus, dass das Marktsegment schnell weitere Emittenten anlocken wird. Da der Erlös von SLBs für alle Zwecke eingesetzt werden kann, kommt das Instrument auch für alle am Bondmarkt aktiven Unternehmen in Betracht. Die Voraussetzungen für weiteres Wachstum sind jedenfalls gut: Seit Jahresbeginn kann die EZB solche Papiere unter bestimmten Voraussetzungen im Rahmen ihrer Kaufprogramme erwerben.
    
antonia.koegler[at]finance-magazin.de

Info

Alles rund um nachhaltige Finanzierungen – aktuelle Trends und Transaktionen – finden Sie auf unserer Themenseite Green Finance.

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Antonia Kögler ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat einen Magisterabschluss in Amerikanistik, Publizistik und Politik und absolvierte während ihres Studiums Auslandssemester in Madrid und Washington DC. Sie befasst sich schwerpunktmäßig mit Finanzierungsthemen und verfolgt alle Entwicklungen rund um Green Finance und Nachhaltigkeit in der Finanzabteilung.

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