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Versicherer treten auf den Kreditmarkt: „Kredit ist nur ein Format”

Von allem etwas wie auf dem Gemüsemarkt: Bond, Schuldschein, Bankkredit, Institutional loan - so könnte ein Kreditmix von Konzernen aussehen.
iStock / Thinkstock / Getty Images

Zeiten des Wandels im Corporate Treasury: CFOs und Treasurer beschleunigen im Kontext der schwindenden Bedeutung von Banken als Kreditgeber ihre Diversifikationsbemühungen um andere Kreditquellen. Nach den boomenden Bond- und Schuldscheinmärkten kommen nun noch Institutional loans hinzu.

„Kredit ist nur ein Format, das auch von den Banken entkoppelt werden kann“, sagte Jean-Philippe Levilain, der beim französischen Versicherungskonzern Axa das Geschäft mit Unternehmenskrediten leitet, in Frankfurt zu FINANCE. Der Markt für so genannte Institutional loans macht in Europa mit geschätzten 300 Milliarden Euro nur ein Drittel bis die Hälfte der vergebenen Bankkredite aus. 

Die großen europäischen Versicherer wie Allianz und Axa stehen ihrerseits unter Erfolgsdruck. Sie müssen eine Alternative für die nicht mehr rentablen Investitionen in Staatsanleihen finden, um die Verzinsungsversprechen gegenüber ihren Kunden einlösen zu können. Axa sieht vorrangig besicherte Kredite als „gute Alternative zu Aktien“, da diese historisch ähnliche Renditen bei verminderter Volatilität versprechen.

Axa zielt auf Non-Investmentgrade-Unternehmen

Axa zielt auf Unternehmen im Non-Investment-Grade-Ratingbereich zwischen B+ und BB- und will damit langfristige Renditen von 5 bis 6 Prozent pro Jahr erzielen und zugleich das Verlustrisiko sowie die Volatilität eindämmen. Der französische Versicherungskonzern will dabei das in Europa günstige Marktumfeld ausnutzen. Der europäische Kreditmarkt in diesem Ratingspektrum biete einen Spread von rund 563 Basispunkten, während der US-Markt nur 357 Basispunkte biete, schreibt der Konzern. Die Angaben basieren auf Kreditindizes der Credit Suisse von August 2012 und gehen von einer 60 prozentigen Rückzahlungswahrscheinlichkeit bei einer vierprozentigen Ausfallrate und einer Restlaufzeit von vier Jahren aus.  Axa selbst rechnet mit einer Recovery Rate von 70 Prozent und mittelfristig stabilen jährlichen Ausfallraten zwischen 5 und 6 Prozent.

Schlecht für Banken, gut für CFOs

Axas Strategie zielt auf die Vereinnahmung stabiler Zinserträge und die Vermeidung eines prinzipiellen Kapitalverlusts. Dabei stützt sich der Konzern auf die Expertise seines Kreditanalyse-Teams, um Emittenten mit starken Kreditdaten zu identifizieren.

Auch das sind keine guten Nachrichten für Banken, die ihre Kreditbücher zuletzt schon nicht mehr so stark wie gewünscht füllen konnten. Mit dem stärkeren Marktauftritt von Versicherern wird sich der Wettbewerb um die besten Unternehmenskunden noch verschärfen. Für CFOs und Treasurer mit überzeugenden Gläubigerdaten hingegen bietet sich eine weitere Alternative zur bankenunabhängigen Finanzierung, die möglicherweise auch die Finanzierungskosten senken kann.

 marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de 

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