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18.12.12
Finanzierungen

2012: Das Jahr des Bonds

Unternehmen sind in diesem Jahr weiter auf Anleihen umgeschwenkt. Auch 2013 dürfte sich dieser Trend fortsetzen, doch es drohen einige „dunkle Wolken“ - selbst für deutsche CFOs.

Unrated, Hybrid-, Wandel-, Umtausch- und High-Yield-Anleihen – im Jahr 2012 ging fast alles an den Anleihemärkten für deutsche Corporates. Bereits in den ersten Tagen des Jahres schlugen deutsche Automobilkonzerne zu, die erneut zu den größten Emittenten Europas zählten. Die Reihe der Platzierungen wollte aber auch über das Jahr hinweg gar kein Ende nehmen, die Kupons wurden immer attraktiver. „Wir vergleichen 2012 schon mit dem Rekordjahr 2009“, sagt Heinz Hilger, Leiter des Firmenkundengeschäfts der Bank of America Merrill Lynch (BofaML). In diesem Jahr lag das Anleihevolumen bei rund 100 Milliarden Euro (davon entfielen rund 8 Milliarden Euro auf High Yield Bonds). „Es fand klar eine Verlagerung von Krediten in Richtung Anleihen statt“, ergänzt Hilger. Um satte 49 Prozent lag das Volumen von syndizierten Krediten dagegen unter dem des Vorjahres.

Unternehmen setzen auf Fremdwährungen

Die Ausnahmesituation am Bondmarkt spiegelte sich in rekordverdächtig niedrigen Kupons wider, deutsche Corporates galten als „sicherer Hafen“.  Außerdem haben sich die Laufzeiten im Schnitt von 6,3 (2011) auf 7,2 Jahre (2012) verlängert. „Einige Automobilunternehmen gingen sogar in die zehn Jahre, obwohl sie sich sonst immer auf drei oder fünf Jahre konzentrierten“, sagt Hilger. Extrem gefragt waren auch Wandel- und Umtauschanleihen, die noch attraktiver als normale Corporate Bonds gepreist wurden. „Noch stärker als in den Vorjahren sind die Unternehmen in Fremdwährungen gegangen“, erklärt Matthias Minor, Anleihespezialist der Royal Bank of Scotland (RBS). Zu den 15 Fremdwährungen kam etwa die Rupienanleihe (BMW und VW) neu hinzu. Viele Unternehmen haben das Jahr genutzt, um Fälligkeiten in den laufenden Jahren vorzeitig zu refinanzieren. Wichtig war auch die Rückkehr der Kapitalaufnahme für Aktienrückkaufprogramme wie bei Siemens – ein Trend, der in den USA (etwa bei Intel oder Costco) noch deutlich ausgeprägter war.
   

Investoren wenden sich wieder der Finanzindustrie zu

Für 2013 erwarten die Experten der BofAML einen Rückgang des Bondvolumens um rund 15 Prozent in Europa und gleichermaßen in Deutschland, da viele Unternehmen bereits auslaufende Fälligkeiten vorzeitig refinanziert haben. „Wir sehen einige dunkle Wolken“, sagt Minor. Es bleiben makroökonomische Unsicherheiten, wie etwa das sogenannte „Fiscal Cliff“ in den USA oder die Refinanzierungsthematik einiger Euroländer. Außerdem gibt es einen volkswirtschaftlichen Abschwung. „In den Spreads ist dies momentan noch nicht eingepreist“, glaubt Minor. Die Experten glauben, dass sich Investoren auf der Suche nach Rendite im nächsten Jahr auch Emittenten aus der Finanzindustrie zuwenden werden – besonders den systemrelevanten Banken. Allen Unkenrufen zum Trotz dürfte die Situation aber auch 2013 für deutsche Emittenten gut bleiben.

markus.dentz{at]finance-magazin.de