Newsletter

Abonnements

FINANCE+

Wie sich Centerbridge bei Apcoa „verparkte“

Leere Parkhäuser waren im Corona-Lockdown die Regel – ein Problem für den Parkhausbetreiber Apcoa.
Nastco/iStock/Getty Images Plus

Leere Parkhäuser in Shoppingmalls und an Flughäfen: Das Bild, das das Hauptgeschäft von Apcoa in der Hochphase des Corona-Lockdowns abgegeben hat, konnte trister nicht sein. Die Ratingagentur Moody’s, die die Finanzverbindlichkeiten des Stuttgarter Parkhausbetreibers bewertet, senkte deshalb die Daumen. Das Rating liegt jetzt bei B2, mit negativem Ausblick – und damit tief im Junkbereich.

Centerbridge schießt Eigenkapital nach

Da angesichts der ausbleibenden Cashflows Gefahr in Verzug war, sicherte sich Apcoa unter Finanzchef Steffen Bätjer im Mai einen neuen Kredit. Ein Term Loan B über 68 Millionen Euro, von denen wegen eines Abschlags nur 60 Millionen beim Unternehmen ankamen, ergänzt seither den bestehenden Langfristkredit, der 514 Millionen Euro schwer ist. Um seine angeschlagene Beteiligung zu stabilisieren, musste der Eigentümer Centerbridge, ein US-Finanzinvestor, auch noch 40 Millionen reines Eigenkapital nachschießen.

Der Preis des Rettungsdarlehens, im Fachjargon ein Add-on des bestehenden Term Loan B, war hoch: Knapp 10 Prozent zahlt der Parkhausbetreiber, was durch einen Zinskupon von 7,5 Prozent (plus Euribor) und einen siebenprozentigen Abschlag auf die Kreditsumme zustande kommt, ein sogenannter „Origination Issue Discount (OID)“. In Zeiten von Corona war diese teure Vorsichtmaßnahme aber unumgänglich.

Weitere 10 Millionen Euro als Liquiditätspuffer

Vergangene Woche gesellten sich weitere 10 Millionen Euro Hochzinskredit hinzu. Wie aus Unternehmenskreisen verlautete, nutzte der Parkhausbetreiber die hohe Nachfrage bei Investoren, um seine Finanzierung weiter zu ergänzen. Dabei konnte CFO Bätjer schon wieder bessere Konditionen erzielen als bei der Notfinanzierung im Mai: Die Zinslast des Zusatzkredits soll jetzt „nur“ noch bei 8 Prozent liegen. Sollte Apcoa das Geld wider Erwarten doch nicht benötigen, könnte der Parkhausbetreiber es nach einem Jahr relativ flexibel tilgen.

Auch bei der KfW soll das Unternehmen zwischenzeitlich vorstellig geworden sein. Die Staatsbank soll einen Kredit nicht von vornherein abgelehnt haben. Letztlich scheiterte ein Deal nach FINANCE-Informationen am Veto der bestehenden Gläubiger, die der Staatsbank einen sogenannten Super-Senior-Status hätten einräumen müssen. Diesen Nachteil wollten die Banken nicht in Kauf nehmen.

FINANCE-Köpfe

Steffen Bätjer, Apcoa Parking GmbH

Steffen Bätjer beginnt seine Laufbahn als Unternehmensberater 1996 bei McKinsey in Berlin, von wo er 2000 nach Palo Alto wechselt. 2002 entscheidet er sich zum Ausstieg aus der Beratung. Er wird Director of Finance bei einem seiner Beratungskunden, der Universal Music Germany.

2006 wechselt er als Senior Business Manager zur West LB nach Luxemburg, wo er neben Finanzen und Controlling auch die Bereiche IT, Einkauf, Projekte und Operations für die europäischen Tochtergesellschaften mit verantwortet. Im Rahmen seiner internationalen Führungsaufgaben ist er auch in Personalunion für Finanzen und Controlling der Luxemburger Bank der WestLB verantwortlich.

Nach der Finanzkrise wechselt er 2009 als CFO zu Techem. Ihn reizt vor allem die Aufgabe, den mittelständischen Konzern (bis zum Delisting ein MDax-Unternehmen) gemeinsam mit dem CEO auf die neuen Erfordernisse einer Private-Equity-geführten Holding auszurichten. Im März 2016 wechselt Bätjer zum Parkhausbetreiber Apcoa.

zum Profil

Verkaufsprozess von Apcoa ist on Hold

Das Vertrackte an Apcoas Lage ist, dass der Parkhausbetreiber vor Corona eigentlich auf gutem Weg war: Erst im Januar hatte Centerbridge die solide Geschäftsentwicklung der zurückliegenden Jahre genutzt, um dem Parkhausbetreiber 90 Millionen über eine schuldenfinanzierte Sonderdividende zu entziehen. Schon 2017 hatte sich der US-Investor eine Apcoa-Dividende auszahlen lassen.

Den Break-even hat Centerbridge bei Apcoa mit diesen Transaktionen allerdings noch nicht erreicht. Und im Nachhinein betrachtet, kam die schuldenfinanzierte Sonderdividende auch noch zur Unzeit, denn nur wenige Monate später musste der US-Investor, der seit 2014 die Mehrheit an Apcoa hält, 40 Millionen Euro nachschießen.

Zudem durchkreuzt die Coronakrise die Verkaufspläne von Centerbridge. Nach FINANCE-Informationen soll der M&A-Prozess bereits begonnen haben, als das Coronavirus Deutschland erreichte. Doch seitdem liegt der M&A-Markt komplett am Boden. Und auch die Verkaufs-Story Apcoa hat schwere Kratzer abbekommen. Mögliche Käufer stellen Fragen: Wie entwickelt sich das Geschäft an den Flughäfen, die womöglich noch viele Jahre lang weit unter Normalauslastung operieren werden? Und kommt womöglich eine zweite Infektionswelle mit einem entsprechenden Lockdown auf Deutschland und wichtige Apcoa-Märkte wie Italien und Benelux zu?

Die bestehende Unsicherheit ist Gift für einen Verkauf. „Potentielle Investoren wollen zuerst sehen, dass sich das operative Ergebnis wieder stabilisiert“, vermutet ein Beobachter.

Centerbridges schwacher Track Record

Die Coronakrise bei Apcoa ist nicht der erste Rückschlag für Centerbridges Deutschlandaktivitäten. Bei A.T.U war der Investor etwa drauf und dran, die Schulden zu übernehmen und glaubte, die Geschicke der angeschlagenen Werkstattkette mit einfacher Gläubigermehrheit bestimmen zu können. „Falsch gedacht“, sagt einer, der bei den Verhandlungen dabei gewesen war. Nach den Irritationen kam es zum Schuldenschnitt, und A.T.U wurde später kurz vor der Insolvenz stehend an einen französischen Investor verkauft.

Eine schlechte Wendung nahm auch der Kauf von Senvion. Den norddeutschen Windanlagenbauer hatte der US-Investor 2015 für 400 Millionen Euro der indischen Suzlon abgekauft. Nach Managementfehlern und Markteinbrüchen vor allem in Deutschland musste Senvion im April 2019 Insolvenz anmelden. Hauptgeschädigter: Centerbridge.

Aussichten von Apcoa bessern sich

Immerhin ist eine Insolvenz wie bei Senvion bei Apcoa derzeit kein Thema. Die Geschäfte der Stuttgarter haben sich seit dem Ende des Lockdowns wieder deutlich belebt. Und der Stuttgarter Parkhausbetreiber weiß, wie Krise geht – auch, weil er wegen des eigentlich stabilen Geschäftsmodells immer wieder von Finanzinvestoren übernommen und hoch verschuldet wurde. Schon im Jahr 2014 geriet der Parkhausbetreiber in eine schwere Schuldenkrise.

Ironie der Geschichte: Die damalige Krise nutzte ausgerechnet Centerbridge, um gemeinsam mit anderen Hedgefonds-Gläubigern die Mehrheit zu übernehmen.

markus.dentz[at]finance-magazin.de

Markus Dentz ist Chefredakteur von FINANCE und der Fachzeitschrift DerTreasurer. Seine journalistischen Schwerpunktthemen sind Unternehmensfinanzierung, Restrukturierung und Treasury. Nach dem Studium und dem Volontariat beim F.A.Z.-Institut stieß Dentz zur FRANKFURT BUSINESS MEDIA GmbH, einer Tochter der F.A.Z.-Verlagsgruppe und Herausgeberin von DerTreasurer und FINANCE. Mehrfach wurden seine Artikel aus den Bereichen Private Equity und M&A mit Journalistenpreisen ausgezeichnet.