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Zinstermin bei Windreich: Willi Balz zahlt aus Privatvermögen

Etwas mehr Luft: Willi Balz hat sein Versprechen gehalten und die Zinsen für die Windreich-Anleihegläubiger pünktlich gezahlt.
Alpha Ventus

Die Windreich-Anleihegläubiger können aufatmen: Der Windparkprojektierer – der von einem Skandal in den nächsten schlittert – hat die heute fälligen 6,5 Prozent Zinsen für die 75 Millionen Euro-Anleihe pünktlich gezahlt. Nach FINANCE-Informationen ist am frühen Montagmittag die entsprechende Zahlung von 4,875 Millionen Euro beim Göppinger Bankhaus Gebrüder Martin gedeckt worden. Damit entgeht Windreich einem erneuten Aufschrei der Anleihegläubiger. Der Kurs der Anleihe kletterte daraufhin auf aktuell 34,75 – ein Plus von nahezu 14 Prozent.

Die Finanzierung scheint zwar wieder einmal auf Messers Schneide gewesen zu sein, wie ein mit der Materie vertrauter Experte sagte: „Morgens war die Zahlung noch nicht gedeckt, das ist unüblich.“ Doch Willi Balz, der schillernde Gründer und CEO von Windreich blieb seinem Versprechen treu, dass er am Freitag gegenüber FINANCE gegeben hatte: „Wir werden die Zinsen pünktlich zahlen“, hatte er angekündigt.

Willi Balz dementiert Notkredit von Schweizer Privatbank Sarasin

Das ist nicht selbstverständlich: Anfang März hatte das schwäbische Unternehmen die Zinsen für die 2010 begebene Anleihe im Volumen von 50 Millionen Euro wegen Liquiditätsproblemen zwei Tage zu spät gezahlt. Die notwendigen 3,25 Millionen Euro konnte Windreich damals angeblich nur mit Hilfe eines Notkredits der Schweizer Privatbank J. Safran-Sarasin aufbringen, der sich auf insgesamt 5 Millionen Euro summieren soll.  Balz dementierte das gegenüber FINANCE am Freitag vehement: „Das ist gelogen. Es gab keinen Notkredit. Ich habe die Zinsen damals aus meinem Privatvermögen gezahlt.“

Das werde er auch dieses Mal wieder tun, hatte er angekündigt: Er besitze eine dreistellige Zahl an Immobilien, die fälligen 4,875 Millionen Euro für die Zinszahlung seien da ein Tropfen auf dem heißen Stein. „Ich werde so lange in mein Privatvermögen greifen, bis Windreich am Kapitalmarkt wieder etabliert ist“, versprach er und wiegelte ab: „Im März ist etwas schief gelaufen, im Nachhinein wurde diese Sache dann aber künstlich hochgepusht.“

Die Ratingagentur Creditreform und die Börse Stuttgart sahen die verspätete Kuponzahlung damals nicht so gelassen: Creditreform dachte offenbar darüber nach, Windreichs Bonität nach der Herabstufung Ende des vergangenen Jahres weiter zu senken. Balz entschied daraufhin, das Rating nicht mehr zu veröffentlichen. Die Börse Stuttgart, die den Handel beider Anleihen wegen der verspäteten Kuponzahlung vorübergehend ausgesetzt hatte, verlangt für das Mittelstandsanleihensegment BondM jedoch eine Veröffentlichung des Ratings. Windreich verließ deshalb BondM und notiert seitdem im Freiverkehr.

Wann fließt das Geld aus dem Offshore Windpark Global Tec I?

Mit der pünktlichen Zinszahlung hat sich Windreich nun zumindest an dieser Front ein bisschen Luft verschafft. Das Unternehmen befindet sich allerdings wegen des Vorwurfs der Bilanzfälschung und des Kreditbetrugs im Visier der Stuttgarter Staatsanwaltschaft.  Im Gespräch mit FINANCE sagte Balz jedoch, er habe seit den Durchsuchungen im März nichts mehr von der Staatsanwaltschaft gehört.

Den Anleihegläubigern malte er wieder einmal eine rosige Zukunft vor: Aus dem Offshore-Windpark Global Tec I, an dem das Unternehmen und er persönlich zu insgesamt 14 Prozent beteiligt seien, stünden künftig 330 Millionen Euro Stromeinnahmen jährlich an – für Windreich fielen also 48 Millionen Euro ab, die den Cashflow stabilisieren würden. „Und das ist nur ein Projekt neben unseren zahlreichen Onshore-Windparks“, sagt Balz. Unklar bleibt jedoch, wann dieses Geld endlich fließen soll.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

Info

Alle Details zur Windreich-Story finden Sie in unserem ausführlichen Themendossier zu Windreich

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