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Structured FINANCE: Zwischen Druck und neuen Finanzierungswegen

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Am zweiten Tag der Structured FINANCE sprach Moderator Thomas Holzamer im Impuls-Talk mit Jean Dohrmann und Frank Vogel (v.l.n.r.). Foto: Dirk Beichert BusinessPhoto
Am zweiten Tag der Structured FINANCE sprach Moderator Thomas Holzamer im Impuls-Talk mit Jean Dohrmann und Frank Vogel (v.l.n.r.). Foto: Dirk Beichert BusinessPhoto

Am zweiten Tag der Structured FINANCE in Stuttgart diskutierten Führungskräfte aus Industrie und Banken über die drängendsten Herausforderungen der Finanzwelt. In einem neu geschaffenen Format, den Impuls-Talks, tauschten sich die Teilnehmer jeweils 15 Minuten lang über zentrale Themen aus – von der Wettbewerbsfähigkeit Europas über internationale Geschäfte bis hin zu alternativen Finanzierungsinstrumenten.

Europa braucht einen Weckruf

Jean Dohrmann, seit April dieses Jahres Leiterin Treasury bei Aumovio (ehemals Continental Automotive), findet deutliche Worte für Europas wirtschaftliche Verfassung. Sie bezeichnet die aktuelle Lage als schlafend und formuliert ihre Erwartung unmissverständlich: „Ich würde mir wünschen, dass sich Europa seiner Stärke besinnt und aufwacht aus dem Winterschlaf.“

Europa agiere zu langsam, die Wachstumslücke zu den USA vergrößere sich kontinuierlich, so Dohrmann. Besonders im Automotive-Bereich verschärfe sich der internationale Wettbewerb. Die Chinesen hätten beispielsweise an Know-how aufgebaut, damit müsse sich die europäische Industrie auseinandersetzen. Auch das Thema US-Zölle stelle eine interne wie externe Herausforderung dar.

Frank Vogel, CEO Corporate & Institutional Banking bei BNP Paribas Deutschland, sieht das eigentliche Problem in der unterschiedlichen Risikokultur. Während in den USA andere Gegebenheiten herrschten, werde in Deutschland und Europa zu wenig investiert. Dabei gebe es nur wenige Fälle, in denen Unternehmen es tatsächlich bereuten, ein Risiko eingegangen zu sein. Mut und Risikobereitschaft würden durchaus belohnt. „Es ist in Deutschland eine Zeit für Risiko, eine Zeit für Mut. Es steckt viel Kraft in den Unternehmen, und wir Banken unterstützen diese tatkräftig“, so Vogel.

Zollstreit und Zeitdruck

Im zweiten Impuls-Talk diskutierten Joachim Erdle, Konzernvorstand Unternehmenskunden der LBBW, und Franz Weinberger, Vorstand Finanzen/CFO bei Sixt, über internationale Geschäfte in turbulenten Zeiten. „Unsere größte Herausforderung ist immer die Unsicherheit: Worauf lässt man sich ein?“, beschreibt Weinberger die Lage des Autovermieters. Es sei daher immer wichtig „am Ende des Tages flexibel zu sein“.

Erdle ergänzt aus Bankensicht, dass Unternehmen zunächst versuchen, sich den veränderten Bedingungen zu stellen: „Es ist Teil der DNA erfolgreicher Unternehmen, sich den Märkten anzupassen. Dabei ist Geschwindigkeit wichtig, denn es sind nicht die Stärksten, die überleben, sondern die Schnellsten.“

Die größte Herausforderung für Unternehmen sieht Erdle darin, unter massivem Zeitdruck zu reagieren. Regulatorische Anforderungen verschärften die Lage zusätzlich, Stabilität sei heute nicht mehr gegeben. Die Banken verfügten jedoch über alle notwendigen Finanzierungselemente, um den Unternehmen in genau diesen unsicheren Zeiten einen Mehrwert zu bieten.

Private Debt oder Schuldscheine?  

Der dritte Impuls-Talk widmete sich alternativen Finanzierungsformen jenseits des klassischen Bankkredits. Thomas Neubaum, Partner bei A&O Shearman, und Andreas Sowa, Group Treasury Leiter bei Peri, beleuchteten Chancen und Hürden für den Mittelstand.

Neubaum sieht vielfältige Gründe, warum wachstumsstarke Mittelständler ihr Fremdkapitalportfolio diversifizieren sollten. Mittelständische Unternehmen würden zunehmend über Alternativen zum klassischen Bankkredit nachdenken. Beispielsweise habe sich der Schuldschein als Instrument für Unternehmen mit einer gewissen Größe deutlich weiterentwickelt. „Starke Mittelständler sind absolut schuldscheinfähig“, betont Neubaum.

Bei Private Debt komme es wiederum auf die richtigen Fragen an. Unternehmen müssten klären, ob sie tatsächlich diesen Kapitalbedarf hätten, ob konkrete Finanzierungsvorhaben anstünden und ob sie auf Wachstumskurs seien. Hier gebe es mehr Spielraum als bei traditionellen Instrumenten.