Herabstufung mit negativem Ausblick: Die Monsanto-Übernahme wirkt sich schlecht auf Bayers Rating bei Fitch aus.

Bayer

09.07.19
Finanzierungen

Bayer verliert bei Fitch sein A-Rating

Die Monsanto-Übernahme kostet den Bayer-Konzern sein Rating im A-Bereich: Fitch hat das Unternehmen auf BBB+ herabgestuft. Auch den Ausblick sehen die Analysten negativ.

Die anhaltende Glyphosat-Klagewelle gegen den US-Zukauf Monsanto kostet den Bayer-Konzern nun sein A-Rating bei Fitch. Die Agentur stufte den Konzern um eine Stufe auf BBB+ herab. Das herabgestufte Rating versahen die Analysten zudem mit einem negativen Ausblick.

Hauptgrund für die Rückstufung: Fitch sieht das Risikoprofil des Crop-Science-Geschäfts mit Saatgut kritischer. Dies begründen die Analysten zum einen mit den anhaltenden Risiken der Glyphosat-Klagewelle. Zum anderen sehen sie aber auch die Gefahr, dass die Entschuldung länger andauern könnte. Die Ratingagentur ist skeptisch, ob Bayer die geplanten Kostensenkungen parallel zur komplexen Monsanto-Integration wie geplant umsetzen kann.

Unsichere Lage bei Monsanto belastet Bayer

Da nicht absehbar sei, welche finanziellen Folgen die laufende Klagewelle gegen das Monsanto-Produkt Glyphosat haben wird, hat Fitch den Ausblick auf Negativ gesetzt. Die Klagewelle werde das Unternehmen auch im Jahresverlauf 2020 noch beschäftigen, erwartet Fitch. Kürzlich hatte bereits die Ratingagentur Moody’s durchgespielt, welche Auswirkungen unterschiedlich hohe Strafzahlungen auf das Bayer-Rating hätten.

Fitch macht sein Rating zudem davon abhängig, dass CFO Wolfgang Nickl eine konservative Finanzierungsstrategie fährt, um die durch den Monsanto-Zukauf gestiegene Verschuldung herunterzufahren. Zudem kalkulieren die Analysten mit Verkaufserlösen von 8 bis 10 Milliarden Euro.

Dabei geht Fitch davon aus, dass Bayer weiterhin eine Dividende zahlt, die jedoch im Durchschnitt für die Jahre 2019 bis 2020 eine jährliche Ausschüttungssumme von 3 Milliarden Euro nicht übersteigt. Zum Vergleich: Die für 2018 vorgeschlagene Dividende von 2,80 Euro je Bayer-Aktie entsprach einer Ausschüttung von insgesamt 2,6 Milliarden Euro.

Fitch erwartet höheren Cashflow ab 2021

Derzeit kalkuliert Fitch damit, dass Ausgaben im Zusammenhang mit der Restrukturierung den Free Cashflow in diesem Jahr nach Dividendenzahlung auf einige Hundert Millionen Euro drücken werden, und auch im kommenden Jahr werde die Kennzahl laut Fitch unter der Milliardengrenze liegen. Von 2021 an werde Bayer seinen jährlichen Free Cashflow aber nennenswert auf mehr als 3 Milliarden Euro steigern können, erwartet die Ratingagentur.

Die Restrukturierungskosten setzt Fitch in diesem Jahr mit 1,9 Milliarden Euro und im kommenden Jahr mit 1,6 Milliarden Euro an, bevor sie in 2021 und 2022 auf jeweils rund eine halbe Milliarde Euro spürbar sinken. 

Sollten keine größeren Ausgaben für M&A-Deals anstehen, könnte Bayers-Rating dann mit den niedrigeren Restrukturierungskosten und den gesteigerten Cashflows auch eine Strafzahlung im einstelligen Milliardenbereich verkraften. Allerdings stehen beim Thema Strafzahlungen auch bei Fitch noch viele Fragezeichen. Das Risiko sei im Moment nicht zu quantifizieren, heißt es.

Fitch rechnet mit Zukäufen bei Pharma

Fakt ist aber auch: Mit einem Rating von BBB+ ist Bayer nach wie vor ein klarer Investmentgrade-Konzern. Das Unternehmen sei breit aufgestellt und habe eine starke Marktposition, bestätigt Fitch. Das Geschäft mit Saatgut sei allerdings volatiler als das Pharma-Geschäft. Fitch geht daher davon aus, dass Bayer von 2022 an die auslaufende Forschungspipeline im Pharmageschäft wieder stärken werde und dafür auch Zukäufe tätigen wird.

Erst gestern hatte Wettbewerber BASF im Geschäft mit Pflanzenschutzmitteln und Saatgut eine schwache Entwicklung samt Gewinnwarnung vermelden müssen, auch wenn BASF im Gegensatz zu Bayer stärker in Nordamerika als in Südamerika präsent ist. Dennoch ging die BASF-Aktie auf Talfahrt, und auch die Bayer-Aktie drehte am Dienstagvormittag ins Minus.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de