Abaca/dpa-Report

03.12.18
Finanzierungen

Belgischer Finanzinvestor Albert Frère ist tot

Er zählte zu den reichsten Männern Belgiens und war bei Vorständen deutscher Konzerne als einflussreicher Investor bekannt. Jetzt ist Albert Frère im Alter von 92 Jahren gestorben.

Der Finanzinvestor Albert Frère ist tot. Wie seine Beteiligungsgesellschaft Groupe Bruxelles Lambert (GBL) mitteilte, ist der Belgier am heutigen Montag im Alter von 92 Jahren gestorben. Frère zählte zu den reichsten Belgiern und war als einer der einflussreichsten Investoren auch bei Vorständen deutscher Konzerne bekannt.

Sein Erfolg war so weitreichend, dass ihn der belgische König 1994 in den Adelsstand erhob. Seitdem trug er den Titel Baron. „Über mehr als drei Jahrzehnte hat sich GBL unter seiner Führung zu einer der größten Holdings in Europa entwickelt“, geht aus einer Mitteilung der Beteiligungsgesellschaft hervor.

Groupe Bruxelles Lambert ist an Adidas und Dea beteiligt

Albert Frère galt als unternehmerischer Investor, der stets den Kontakt zum Management suchte und sich in die Entscheidungsfindung einbrachte. Als einer der ersten aktivistischen Investoren in Europa hat er eine ganze Reihe großer Übernahmen und Fusionen abgewickelt. Seine Beteiligungsgesellschaft ist auch in Deutschland aktiv.

So ist GBL unter anderem an dem Sportartikelhersteller Adidas mit 8 Prozent beteiligt und zählt damit zu den größten Anteilseignern des Dax-Konzerns. Zu den jüngsten Investments in Deutschland zählt die Beteiligung an dem Anlagenbauer GEA, an dem GBL seit August 2017 über 5 Prozent hält.

Ersten Bekanntheitsgrad erlangte Albert Frère mit seinem Einstieg bei dem Medienkonzern Bertelsmann. Der Investor war einige Jahre mit 25,1 Prozent an dem Gütersloher Unternehmen beteiligt und drängte das Management sogar zum Gang an die Börse. Dieser scheiterte nur am Widerstand der Eigentümerfamilie Mohn, die Frère daraufhin teuer herauskaufen musste. 

Albert Frère baute Groupe Bruxelles Lambert auf

Seine Biographie ist ungewöhnlich: Nachdem er einen Schrauben- und Nagelhändler im belgischen Charleroi geerbt hatte, verließ Frère mit 17 Jahren die Schule. Im Anschluss übernahm er eine ganze Reihe von Stahlunternehmen.

1981 gründete Frère gemeinsam mit dem kanadischen Geschäftsmann Paul Desmarais die Schweizer Beteiligungsgesellschaft Pargesa, mit der die Partner ein Jahr später GBL übernahmen. Seine letzten Funktionen, die er bei Pargesa und GBL innehatte, gab Frère vor drei Jahren ab. GBL wird seitdem von seinem Schwiegersohn Ian Gallienne geführt.

andreas.mehring[at]finance-magazin.de