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Emissionsboom am Schuldscheinmarkt

Die Rekordemission von ZF Friedrichshafen hat den Markt wachgerüttelt. 2015 könnte ein starkes Wachstumsjahr am Schuldscheinmarkt werden.
Fanatic Studio/Thinkstock/Getty Images

Rekord zum Jahresauftakt: Der Getriebehersteller ZF Friedrichshafen hat mit einem Volumen von 2,2 Milliarden Euro den größten Schuldschein eines Industrieunternehmens aller Zeiten begeben. Wenn die Emission von ZF Friedrichshafen in diesem Jahr wegweisend für die Ticketgrößen sein sollte, dann könnte sich auch das Gesamtvolumen stark nach oben entwickeln. Auch laut den Schätzungen der HSBC  könnte 2015 ein sehr gutes Jahr für den Schuldscheinmarkt werden. „Wir rechnen mit etwa 14 Milliarden Euro in diesem Jahr, also etwa 20 Prozent Wachstum gegenüber 2014“, sagt Ingo Nolden, Debt-Capital Experte der HSBC. Er sieht sogar Potential für Wachstum weit darüber hinaus. Für eine genaue Einschätzung sei es aber noch zu früh im Jahr, wenngleich die ersten Wochen des Jahres auf eine deutlich gestiegene Dynamik im Vergleich zum Vorjahreszeitraum schließen lassen.

Dass der Schuldschein für Emittenten in der Größenordnung von ZF Friedrichshafen interessant sein kann, hat sich schon in den letzten Monaten des vergangenen Jahres mit wachsenden Ticketgrößen abgezeichnet. Davor hatte sich das Geschäft aber lange zunächst verhalten entwickelt. „Mitte des Jahres 2014 sah es noch nach weniger Volumen aus“, beschreibt Nolden die unterjährige Entwicklung im vergangenen Jahr. „Ab dem 3. Quartal hat der Markt dann mit einigen großen Emissionen aber Fahrt aufgenommen“. Darunter war auch die größte Schuldscheinemission des vergangenen Jahres. Der Internetkonzern United Internet hat im November einen Schuldschein über 600 Millionen Euro platziert.

So wurde aufgrund der starken zweiten Jahreshälfte für den Schuldscheinmarkt 2014 insgesamt doch noch ein überraschend  gutes Wachstumsjahr. Die HSBC geht von einem erreichten Marktvolumen von mehr als 12 Milliarden Euro aus.  Thomson Reuters geht ebenfalls von rund 12,1 Milliarden Euro aus, was einem Anstieg von 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entsprechen würde. Das genaue Volumen lässt sich schwer beziffern, da nicht alle Transaktionen öffentlich gemacht werden. Ein deutlicher Anstieg zeichnet sich aber auf jeden Fall ab, denn 2013 lag das Volumen nach den Berechnungen beider Quellen bei etwa 8 Milliarden Euro.

Schuldscheine bekommen immer längere Laufzeiten

Ingo Nolden erklärt sich den Anstieg der großen Schuldscheinplatzierungen gegen Ende des Jahres mit der gestiegenen Volatilität an den Bondmärkten: „Einige Emittenten haben durchaus auch überlegt, eine Anleihe zu platzieren, aber vor allem für ungeratete Unternehmen war der Schuldscheinmarkt doch attraktiver“. Die Unsicherheiten durch globale Krisen haben diese großen Emittenten an den relativ widerstandsfähigeren Schuldscheinmarkt getrieben. Diesem Trend folgend ist die Pipeline noch immer gut gefüllt, glaubt Nolden. Der HSBC-Kapitalmarktexperte geht davon aus, dass über die bereits angekündigten Emissionen hinaus noch einige interessante und großvolumige Emissionen bevorstehen.

Das ist auch kein Wunder, schließlich bietet der Schuldschein für Emittenten neben einem stabil wachsenden, aufnahmefähigen Markt nach wie vor einige klassische Vorteile. Schuldscheine sind für bonitätsstarke Emittenten, die zwischen 100 und 150 Millionen Euro einsammeln wollen, ein kostengünstiges Instrument mit moderatem Dokumentationsaufwand. „Die Credit-Spread-Verengung auf dem Schuldschein war im Vergleich zu anderen Instrumenten sehr stark“, erklärt Marc Müller, Co-Head CMTS Deutschland der Deutschen Bank, das starke Interesse von CFOs in der zweiten Jahreshälfte, Schuldscheine zu begeben.

Wie bei anderen Finanzierungsinstrumenten zeichnet sich auch bei Schuldscheinen ein Trend zu längeren Laufzeiten ab. „In dem Laufzeitenspektrum zwischen drei und zehn Jahren sehen wir, dass die Entwicklung hin zu längeren Laufzeiten von mehr als fünf Jahren geht“, sagt Marc Müller. 

„Schuldscheine werden mittlerweile als globales Produkt gesehen“

Das liegt auch daran, dass viel Geld von internationalen Investoren in den früher noch stark von deutschen Geldgebern geprägten Markt strömt.

Das zeigen auch internationale Emissionen des vergangenen Jahres. Der brasilianische Ölkonzern Petrobas hat den ersten lateinamerikanischen Schuldschein platziert. „Eine weiterer interessanter Emittent war Israel Chemicals, der erste Emittent aus dem Nahen Osten“, sagt Alex Lembcke, der für den Datenanbieter Thomson Reuters LPC den Schuldscheinmarkt beobachtet. Seiner Ansicht nach schreitet die Internationalisierung des Schuldscheinmarkts weiter voran und wächst über die europäischen Emittenten wie zum Beispiel aus Frankreich hinaus.

Auf Investorenseite hat diese Entwicklung längst stattgefunden. Vor allem in Asien ist das Interesse an deutschen Schuldscheinen groß. Laut HSBC kam 2013 bis 2014 mit etwa 34 Prozent schon jeder dritte Schuldscheininvestor aus Asien.

Trotz der wachsendenden internationalen Beliebtheit und dem Interesse der großen Konzerne bildet allerdings der deutsche Mittelstand nach wie vor den Kern des Schuldscheinmarkts. „Das Volumen der Schuldscheinemissionen von mittelständischen Unternehmen ist im vergangenen Jahr zwar leicht gefallen, dafür ist die Zahl der Transaktionen auf über 40 gestiegen“, erklärt Lembcke. Daraus lässt sich folgern, dass Schuldscheinplatzierungen auch mit kleineren Tickets für den Mittelstand nach wie vor interessant sind. Anders als für die Großkonzerne ist für sie der Bondmarkt in den meisten Fällen keine Alternative – zu schlecht ist das Marktsentiment aktuell für kleinere Bondemittenten.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

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Antonia Kögler ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat einen Magisterabschluss in Amerikanistik, Publizistik und Politik und absolvierte während ihres Studiums Auslandssemester in Madrid und Washington DC. Sie befasst sich schwerpunktmäßig mit Finanzierungsthemen und verfolgt alle Entwicklungen rund um Green Finance und Nachhaltigkeit in der Finanzabteilung.

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