Der Interbankenzinssatz Eonia ist beim Fixing gestern Abend erstmals in seiner Geschichte unter Null gefallen.

Thinkstock / Getty Images

29.08.14
Finanzierungen

Eonia erstmals negativ

Der Interbankenzinssatz Eonia ist beim Fixing gestern Abend erstmals in seiner Geschichte unter Null gefallen. Jetzt herrscht Gesprächsbedarf zwischen Bankern und CFOs, insbesondere was die Behandlung von Cash Collaterals angeht. Denn die werden bislang mit dem Eonia verzinst.

Im Fixing gestern Abend ist der Eonia-Zinssatz erstmals seit seiner Einführung im Jahr 1999 in den negativen Bereich gerutscht. Eonia ist der Referenzzins für kurzfristige unbesicherte Geschäfte am Interbankenmarkt, der zu Grunde gelegt wird, wenn sich Banken untereinander über Nacht Geld leihen. Er errechnet sich aus dem Durchschnittswert der Zinsen, die aktuell 42 Banken täglich an die European Banking Federation (EBF) und die Europäische Zentralbank (EZB) melden.

Diese Situation könnte als Rückkehr des Vertrauens am Interbankenmarkt interpretiert werden, ist aber in erster Linie auf den anhaltenden Zinsverfall bei anderen Geldanlagemöglichkeiten erstklassiger Bonität zurückzuführen. So liegt beispielsweise der Zins für kurzfristige Finanzierungsgeschäfte der Bundesrepublik Deutschland schon seit längerer Zeit im negativen Bereich. Aber offenbar halten die Banken zumindest solide dastehende Institute aus den Kernländern der Euro-Zone wieder für finanziell so stabil, dass sie einer Übernacht-Geldanlage dort vermehrt den Vorzug geben, selbst wenn sie dafür keine Zinsen mehr erhalten.

Eonia-Verfall könnte teuer werden für CFOs und Treasurer

Der Fall des Eonia unter die Null-Prozent-Marke hat auch für CFOs und Treasurer handfeste Folgen. Für gewöhnlich werden Gelder, die im Rahmen von Sicherungsgeschäften als Cash Collateral bei Banken hinterlegt werden, von diesen mit dem aktuellen Eonia-Zinssatz verzinst. Jetzt, da dieser negativ ist, müssen Unternehmen Banken, denen sie Cash als Sicherheit zur Verfügung stellen, sogar noch dafür Geld bezahlen.

FINANCE-Informationen zufolge hat die heutige Entwicklung in einigen Finanzabteilungen größerer Unternehmen bereits Betriebsamkeit ausgelöst: Treasurer und CFOs versuchen mit ihren Banken zu klären, wie mit der neuen Situation umzugehen ist. Denn die rechtliche Grundlage ist nicht ganz eindeutig: Auf der einen Seite gilt für Kreditgeschäfte in der Regel, dass der Zinssatz maximal auf Null sinken, sich der Zahlungsstrom zwischen Schuldner und Gläubiger aber nicht umkehren darf.

Am Derivatemarkt hingegen ist es gängige Praxis, dass sich Zahlungsströme durchaus umdrehen, sobald sich das Vorzeichen beim Zinssatz ändert. Es ist davon auszugehen, dass mit Blick auf die nächsten Tage die meisten Banken ihren Firmenkunden gegenüber kulant sein werden. Doch wenn der Eonia für längere Zeit negativ bleiben sollte, dürften in den nächsten Wochen vielerorts intensive Gespräche zwischen Banken und Industriekonzernen anstehen.   

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de