Gerade Unternehmen aus dem Bergbau-Sektor werden gerade häufig zu neuen Playern am High-Yield-Markt. Sie sind von der Downgrading-Welle besonders betroffen.

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03.05.16
Finanzierungen

Fallen Angels wirbeln High-Yield-Markt durcheinander

Weltweit rutschen so viele Bond-Emittenten auf Ramsch-Niveau wie noch nie. Und in Europa bahnt sich noch ein anderer Sturm auf dem Anleihe-Markt an.

In diesem Jahr sind so viele Anleiheemittenten aus dem Investmentgrade in den High-Yield-Markt gerutscht wie noch nie. Die Investmentgesellschaft T. Rowe Price analysiert aus Daten von JP Morgan, dass von Jahresbeginn bis Ende Februar weltweit bereits Anleihen mit einem Volumen von rund 132 Milliarden US-Dollar zu Junk Bonds herabgestuft wurden.

Im bisherigen Rekordjahr 2009 für Rating-Verschlechterungen waren es insgesamt 150,2 Milliarden US-Dollar. „Nur zwei Monate des laufenden Jahres reichten aus, um diesen Werten nahe zu kommen – eine noch nie dagewesen Entwicklung“, kommentiert Portfoliomanager Mike Della Vedova von T. Rowe Price.

Dadurch werden einige altehrwürdige Industrieunternehmen plötzlich zu neuen Playern am Markt für Ramschanleihen. Auch am europäische Markt hatte es einige Unternehmen erwischt. Dazu gehörten zum Beispiel der Bergbaukonzern Anglo American, der laut T. Rowe Price mit seinen Emissionen allein einen Anteil von rund 2 Prozent am gesamten europäischen High-Yield-Markt ausmacht. Ebenfalls für Aufsehen sorgte das Downgrade der französischen Supermarktkette Casino auf Ramsch-Niveau.

Starkes Risiko für Downgrades am US-Markt für High-Yield-Bonds

Trotz der prominenten Fallen Angels aus Europa zeigt sich der Trend in anderen Märkten noch viel deutlicher. Der Markt in Europa hat bisher weniger Downgrades verzeichnet als der in den USA, meint Della Vedova. Die Märkte werden sich seiner Ansicht nach auch in den kommenden Monaten in dieser Hinsicht unterschiedlich entwickeln.

Grund dafür sei, dass sich viele der Herabstufungen in bestimmen Industriesektoren ereignen, die in Europa weniger stark vorhanden sind. Zum Beispiel sind vor allem Unternehmen aus dem Bergbausektor betroffen. Von 87 Emittenten wurden die Ratingagenturen bei 53 aktiv. Die massiven Ratingverschlechterungen in dem Bereich treffen den europäischen Markt weniger stark. Weiterhin leidet die Ölindustrie in den USA unter dem schwachen Ölpreis.

EZB-Entscheidung trifft auch den High-Yield-Markt

Während die Fallen Angels den US-Markt stärker durcheinanderwirbeln werden als den hiesigen Markt, sorgt die Europäische Zentralbank für Bewegung auf dem alten Kontinent. Denn die EZB plant, Milliarden für Corporate Bonds mit Investment-Rating auszugeben.

„Sobald die EZB ihren Worten Taten folgen lässt, werden wir auch am Hochzinsmarkt einen deutlichen Kursanstieg sehen“, erwartet Mike Della Vedova. Er rechnet wie viele Marktbeobachter mit einem weiter steigenden Interesse für Emissionen im BB-Bereich. Der Markteintritt der EZB im Zuge ihres expansiven Kaufprogramms für Corporate Bonds könnte viele Investoren aus dem Investmentgrade-Markt in den High-Yield-Bereich treiben, weil sie im Investmentgrade-Segment schlicht nicht mehr zum Zuge kommen.
 
Zur Einordnung: Am europäischen High-Yield-Markt wurden in diesem Jahr bisher – inklusive der Crossover-Emissionen – rund 10 Milliarden Euro emittiert. Aus Deutschland wagten sich bisher nur Thyssen Krupp und Heidelberg Cement an den Markt.

Mittelfristig dürften die Umwälzungen am Bondmarkt auch die Emittenten mit niedrigeren Ratingstufen treffen. Denn wenn das gestiegene Interesse am Crossover-Bereich die Renditen in dem Segment drückt, dürften einige High-Yield-Investoren sich stärker auf die Suche nach guten Investmentmöglichkeiten in den unteren Bonitätsrängen machen. Mehr dazu erfahren Sie von High-Yield-Experte Steffen Wasserheß bei FINANCE TV.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de