Fitch profitiert von S&P-Rauswurf bei Post und HeidelCement: Die Deutsche Post hat S&P den Stuhl vor die Tür gesetzt.

Deutsche Post

23.11.12
Finanzierungen

Fitch profitiert von S&P-Rauswurf bei Post und HeidelCement

Lange galt ein Rating durch Standard & Poor’s bei Konzernen als Muss für erfolgreiche Kapitalmarkttransaktionen. Künftig könnte es ohne gehen. Mit der Deutschen Post und HeidelbergCement haben in dieser Woche gleich zwei DAX-Konzerne die Zusammenarbeit mit S&P beendet. Profitieren dürfte die bisherige Nummer Drei am deutschen Markt: Fitch wird seine Position stärken können.

Große Konzerne haben Ratings von S&P und Moody’s, und manchmal noch ein weiteres von Fitch. Auf diese Rangfolge hatte sich die Unternehmenslandschaft in den vergangenen Jahren eingespielt. Doch das klare Weltbild hat in den vergangenen Tagen erste Risse bekommen: Die Deutsche Post und HeidelbergCement haben sich von S&P getrennt – und die Post hat keinen Hehl daraus gemacht, dass es in erster Linie finanzielle Aspekte waren, die den Konzern zu diesem Schritt bewogen haben. Man habe lange Jahre „konstruktiv“ zusammengearbeitet, betonte Deutsche-Post-CFO Larry Rosen. Trennungsgrund seien allein kommerzielle Gründe. Stattdessen setzt das Unternehmen von nun an auf die anscheinend günstigere Bewertung von Fitch.

Die Entscheidung der Post ist ein deutliches Signal für einen Trend, der sich seit geraumer Zeit abzeichnet: Die einstige Lücke zwischen S&P und Moody's auf der einen und Fitch auf der anderen Seite schließt sich immer weiter. Bereits vor Wochen soll sich Medienberichten zufolge ein Dutzend deutscher Großkonzerne per Brief bei S&P über zu hohe Gebühren beschwert haben. HeidelbergCement schweigt sich zu den Trennungsgründen aus, kommerzielle Gründe stünden aber nicht dahinter, sagte ein Sprecher. Im Ergebnis schwächen aber beide Rauswürfe den Platzhirsch S&P – und stärken die bisherige Nummer Drei.

Fitch profitiert

Zu oft stand Fitch in den vergangenen Jahren hinter S&P und Moody’s in der Schlange. Bei der Deutschen Post hat die Agentur nun den Ratingauftrag von S&P an Land gezogen – offensichtlich zu einem günstigeren Preis als die Konkurrenz. Auch das Aus bei HeidelbergCement, das zuletzt mit allen drei Agenturen gearbeitet hatte, schwächt die Position bei S&P. Moody’s und Fitch bleiben weiterhin an Bord.  

Fitch profitiert davon, dass der Ratingmarkt für Konzerne de facto ein Oligopol ist. Während Emittenten im Mittelstandsegment auf Agenturen wie Creditreform oder Scope ausweichen können, kommen für Großkonzerne nur die großen Drei in Frage. Wer sich von S&P abwendet, landet zwangsläufig bei den anderen beiden.

Die Ratings zu reduzieren, kommt für viele Großkonzerne ohnehin nicht in Frage. Für viele Investoren, insbesondere institutionelle, ist es Standard, dass ein Unternehmen mehrere Ratings besitzt. Für S&P wird sich zeigen, ob die Kündigungen Einzelfälle bleiben, oder ob weitere Unternehmen nachziehen. Dann wird der Agentur nichts anderes übrig bleiben, als ihre Preispolitik zu überdenken. Moody’s und Fitch können sich derweil entspannt zurücklehnen. Sie haben wenig zu verlieren, aber viel zu gewinnen.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de