Die Spreads waren für Investmentgrade-Emittenten bei Unternehmensanleihen so niedrig wie noch nie. Henkel platzierte sogar mit einer negativen Rendite. Doch wird das im nächsten Jahr so weitergehen?

Henkel

07.12.16
Finanzierungen

Geht die Bond-Party auch 2017 weiter?

Im endenden Jahr sorgte die EZB für einen Boom am Bondmarkt. Der Markt für Eigenkapital erlebte dagegen eine Flaute. Doch 2017 könnte sich einiges ändern.

Alles wartet auf die Europäische Zentralbank. Am Donnerstag wird diese wieder tagen und im Anschluss möglicherweise mitteilen, ob und wie lange das Anleihekaufprogramm fortgesetzt wird. Das Kaufprogramm für Corporate Bonds, das im März bekanntgegeben wurde, war der dominierende Faktor am Investmentgrade-Anleihemarkt in diesem Jahr. „Die Spreads haben sich im Zeitraum von März bis Oktober um 50 Prozent eingeengt“,  beschreibt DCM-Experte Martin Wagenknecht beim jährlichen Kapitalmarktausblick der Société Générale in Frankfurt. Bundesanleihen mit bis zu 12 Jahren Laufzeit notieren im negativen Bereich. Henkel und Sanofi platzierten als erste Unternehmen Bonds mit negativer Rendite.

Die überaus günstigen Finanzierungskonditionen trieben viele Emittenten an den Markt, das Emissionsvolumen stieg in diesem Jahr bei den Investmentgrade-Anleihen auf etwa 285 Milliarden Euro. Im Vorjahr lag es mit 239 Milliarden Euro deutlich darunter.

Eine Prognose für 2017 abzugeben, sei schwer: „Auch im kommenden Jahr werden politische Entscheidungen wieder eine sehr große Rolle spielen“, meint Wagenknecht. Wahlen in Frankreich, Deutschland und den Niederlanden stehen auf der Agenda. Der Experte geht zudem davon aus, dass das Kaufprogramm der EZB verlängert wird,  im Laufe des Jahres aber die Volumina reduziert werden. Zumindest für die ersten Monate des Jahres dürften die Finanzierungskonditionen am Investmentgrade-Bondmarkt deshalb nach wie vor sehr gut bleiben. Die Société Générale rechnet 2017 mit einem Emissionsvolumen von 275 Milliarden Euro.

Ewig dürfte die Party aber nicht weitergehen: „Wir gehen davon aus, dass die Talsohle bei den Zinsen erreicht ist und Unternehmen im nächsten Jahr noch die Chance nutzen werden, sich gute Konditionen zu sichern, bevor die Zinsen wieder ansteigen“, so Wagenknecht. Mit einem Auslaufen des Bondprogramms im Laufe des nächsten Jahres – und wieder steigenden Spreads – könnte dann auch der Boom am Bondmarkt ein Ende finden.

Rückgang bei High-Yield-Bonds und Hybrid-Anleihen

Ganz anders als Investmentgrade-Anleihen verhielten sich im vergangenen Jahr Hochzinsanleihen und Hybrid-Bonds. In beiden Marktsegmenten, die vom Kaufprogramm der EZB ausgenommen sind, war die Volatilität an den Märkten deutlich zu spüren. „High-Yields hatten einen schweren Start und konnten erst im dritten Quartal etwas aufholen“, so Wagenknecht. Das Emissionsvolumen bei den Hochzinsanleihen sank von 55 Milliarden Euro im Jahr 2015 auf 50 Milliarden Euro in diesem Jahr. Unternehmen emittieren lediglich rund 9 Milliarden Euro an Hybrid-Kapital – ein dramatischer Einbruch von 26 Milliarden Euro im Vorjahr, auch wenn es in der zweiten Jahreshälfte durch sinkende Prämien wieder Zeichen von Entspannung gab.

Einen deutlichen Sprung werden die beiden Märkte im kommenden Jahr nach Einschätzung der Société Générale nicht machen. Die Bank rechnet mit Emissionsvolumina auf einem ähnlichen Niveau. „Es gibt 2017 keine große Menge an fällig werdenden Bonds, die im Hochzinsbereich zum Marktreiber werden könnten“, berichtet der DCM-Experte. Ein möglicher Zinsanstieg dürfte eine stärkere Motivation für die Emittenten sein.

Geringe IPO-Aktivitäten und Run auf Wandelanleihen

Im Gegensatz zum Bondmarkt erlebte der Markt für Eigenkapital insgesamt in diesem Jahr einen deutlichen Einbruch. Das Volumen aller Eigenkapitaltransaktionen lag im Euro-Markt bei 160 Milliarden Euro. 2015 waren es 254 Milliarden Euro. Die Zahl der Transaktionen sank entsprechend drastisch von 1367 auf 740. „Der Markt erlebt einen schlechten Start ins Jahr mit dem Ölpreisverfall“, sagt ECM-Experte Ralf Darpe der Société Générale. Es folgte die überraschende Entscheidung für den Brexit. „Es ging sehr volatil weiter, viele Investoren hat die Entscheidung auf dem falschen Fuß erwischt“, so Darpe. Auf die Wahl Trumps waren die Märkte auch deshalb wesentlich besser vorbereitet.

Während beschleunigte Platzierungsverfahren, Bezugsrechtsemissionen und Börsengänge in diesem Jahr deutlich geringer ausfielen, schaffte es ein Eigenkapitalinstrument auf einen Höchstwert. Mit 24 Milliarden Euro wurden im Euro-Markt so viele Wandelanleihen platziert wie seit 2007 nicht mehr – auch getrieben von der milliardenschweren Pflichtwandelanleihe, die Bayer emittierte. „Diese Instrumente sind durch ihren Bond-Floor, also die sichere Rückzahlung der Anleihe, in diesem volatilen Marktumfeld bei Investoren sehr beliebt“, erklärt Darpe. Das führte sogar dazu, dass Wandelanleihen in einigen Fällen für Unternehmen günstiger waren als herkömmliche Anleihen.

Für 2017 rechnet Ralf Darpe mit einer deutlich steigenden Aktivität am Eigenkapitalmarkt – nicht zuletzt, da so viele Transaktionen aus diesem ins nächste Jahr geschoben wurden. Er geht deshalb von einem Volumen von 250 Milliarden Euro aus – also wieder auf dem Niveau der Aktivität im Jahr 2015. Bei den Börsengängen rechnet er nach den drei IPOs über 50 Millionen Euro in diesem Jahr mit acht bis zehn Transaktionen im kommenden.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de