Der Energieriese EnBW startet als erstes deutsches Unternehmen in diesem Jahr mit einer Hybridanleihe. Der Markt könnte weiter in Fahrt kommen.

EnBW

17.10.16
Finanzierungen

Die Rückkehr der Hybridanleihen

Nach dem Boom im vergangenen Jahr kam die Flaute. Am Markt für Hybridanleihen tat sich in diesem Jahr wenig. Doch jetzt mehren sich die Anzeichen für neuen Aufschwung.

Rund 6,9 Milliarden Euro – nur so viel Hybridkapital haben Unternehmen in diesem Jahr am Euro-Markt platziert. Das ist weniger als im vergangenen Jahr allein die deutschen Unternehmen begeben haben: Sieben deutsche Konzerne sammelten 2015 insgesamt rund 7,4 Milliarden Euro ein.

Doch seit wenigen Wochen zeigt sich wieder zaghafte Bewegung. Drei Unternehmen platzierten im September Hybridanleihen am Euro-Markt – genau so viele wie von Januar bis August zusammengenommen: der spanische Telekommunikationskonzern Telefónica, der deutsche Energiekonzern EnBW und der französische Ölkonzern Total.

Grund für die Zurückhaltung der Emittenten in den ersten acht Monaten des Jahres war die gestiegene Volatilität, die bereits im Herbst vergangenen Jahres einsetzte und über das erste Halbjahr dieses Jahres andauerte. Unsicherheiten am Kapitalmarkt treffen Hybridbonds wegen ihrer nachrangigen Struktur besonders heftig. „Das hat man deutlich an den sogenannten Subordination Premiums gesehen“, sagt DCM-Experte Martin Wagenknecht von der Société Générale. Damit ist der Preisaufschlag gemeint, den Unternehmen im Vergleich zu einer herkömmlichen Anleihe mit vergleichbarer Laufzeit bei Hybridbonds zahlen müssen.
 
„Für einen Emittenten im Crossover-Bereich lag diese Prämie zu Beginn des Jahres bei rund 500 Basispunkten, mittlerweile ist sie wieder auf rund 300 Basispunkte heruntergegangen“, so Wagenknecht. Damit sind die Hybrids wieder interessant geworden. Im Mai vergangenen Jahres, als viele Unternehmen an den Markt gingen, lag der Aufschlag bei 250 Basispunkten.

Hybridbond-Emissionen steigen im September an

Dass die Konditionen mittlerweile für die Unternehmen wieder attraktiv sind, zeigt die Emission von Telefónica. Laut Reuters lag das anfänglich angestrebte Preisniveau zwischen 4 und 4,125 Prozent. Die Spanier konnten für den Bond über 1 Milliarde Euro letztlich jedoch einen Kupon von 3,75 Prozent erzielen.

EnBW eröffnete mit seiner Emission das deutsche Hybridjahr. Der Energiekonzern platzierte Ende September zwei Hybridbonds – einen über 725 Millionen Euro und einen über 300 Millionen US-Dollar. Der Dollar-Bond wird mit 5,125 Prozent verzinst, bei der Euro-Anleihe liegt der Kupon bei 3,375 Prozent. Mit der Dollar-Emission, die vor allem asiatischen Investoren angeboten wurde, verbreiterte EnBW-CFO Thomas Kusterer die Investorenbasis und nutzte gleichzeitig die preislichen Vorteile, die sich für europäische Unternehmen derzeit am Dollar-Markt bieten. In den USA sind die Risikoaufschläge noch einmal deutlich gesunken. Daraus ergibt sich für die Unternehmen trotz des allgemein höheren Zinsniveaus im Dollar-Raum auf Vergleichsbasis ein finanzieller Vorteil.

Für den deutschen Energiekonzern ging es bei der neuen Hybridemission um die Refinanzierung bestehender Schulden. Bei einem 2011 begebenen Hybridbond des Unternehmens bietet sich im April 2017 zum ersten Mal eine Rückzahlungsmöglichkeit. Die Investoren erwarten bei Hybridanleihen, dass die Emittenten in der Regel den ersten Call-Termin nutzen. Mit der neuen Emission hat der Konzern die Rückzahlung des Vorgängerpapiers jetzt vorzeitig gesichert.

Lanxess und Bayer sind die nächsten Kandidaten

Damit unterscheidet sich EnBW beim Verwendungszweck von denjenigen, die den Hybridmarkt als nächstes anzapfen könnten. Denn neben günstigen Konditionen braucht der Hybridmarkt vor allem eines: M&A-Aktivität. Die Bonds eigenen sich besonders gut für Finanzierungen von stark fremdfinanzierten Übernahmen, da sie durch ihren eigenkapitalähnlichen Charakter das Rating stützen.

Eine Hybridemission bereits angekündigt hat Bayer für die Finanzierung der 66 Milliarden Dollar schweren Monsanto-Übernahme. Auch Lanxess steht in den Startlöchern: Für die Übernahme das US-Unternehmens Chemtura über 2,4 Milliarden Euro sollen ebenfalls Hybridbonds genutzt werden.

Investoren dürfte das Wiedererwachen des Hybridmarktes freuen. Zum einen bieten Hybridanleihen aufgrund ihrer Nachrangigkeit auch im Niedrigzinsumfeld noch eine vernünftige Rendite. Zum anderen ist die EZB bei diesen Bonds kein konkurrierender Käufer, da Hybridpapiere nicht unter das Kaufprogramm der Zentralbank fallen.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de