Hello Fresh

23.10.17
Finanzierungen

Hello Fresh bei Bewertung erstaunlich vorsichtig

Hello Fresh kommt bei seinem IPO den Wünschen der potentiellen Neu-Investoren weit entgegen. Für Altaktionäre ist die Bewertung eine bittere Enttäuschung – vor allem für Rocket Internet.

Das Start-up Hello Fresh will offenbar kein Risiko bei seinem ersten Schritt am Kapitalmarkt eingehen: Die Pre-Money-Bewertung, die sich auf Basis der gestern Abend kommunizierten Bookbuilding-Spanne ergibt, beläuft sich auf lediglich 1,2 bis 1,5 Milliarden Euro. Im Vorfeld war eine Bewertung von bis zu 2 Milliarden Euro erwartet worden. 

Kontinuierliche Abwertung von Hello Fresh

Richtig sichtbar wird die Enttäuschung vor allem mit Blick auf die vorherigen Finanzierungsrunden, über die Hello Fresh Privatinvestoren an Bord geholt hat: Diese lagen vor zwei Jahren zeitweise bei 2,6 Milliarden Euro. Bei einer zweiten Finanzierungsrunde ein gutes Jahr später brach die Bewertung um 600 Millionen Euro ein, belief sich aber immerhin noch auf 2 Milliarden Euro. In dieser Zeit soll Oliver Samwer, Chef des Hello-Fresh-Hauptaktionärs Rocket Internet, sogar darauf gehofft haben, bei einem Börsengang über 3 Milliarden Euro durchsetzen zu können.

Die überraschend niedrige Bewertung macht sich auch im Aktienkurs von Rocket Internet bemerkbar. Die Aktie der Berliner Start-up-Schmiede, die 52,8 Prozent an Hello Fresh hält, schnitt schon in der gesamten vergangenen Woche schwach ab. Heute verliert sie weitere 3 Prozent an Wert. Hello Fresh strebt einen  Handelsstart am 2. November an. Die neuen Aktien aus der Kapitalerhöhung kosten zwischen 9 und 11,50 Euro. Der maximale IPO-Erlös liegt bei 357 Millionen Euro. 

Hello Fresh belastet die Rocket-Internet-Aktie

Rocket Internet Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Blue Apron und Amazon lasten auf der Bewertung

Verantwortlich für die zurückhaltende Bewertung von Hello Fresh dürfte die schwache Performance  des US-amerikanischen Konkurrenten Blue Apron sein. Der Vertreiber von Kochboxen ging im Sommer an die Börse, seitdem halbierte sich der Aktienkurs. Blue Apron kämpft mit sinkenden Kundenzahlen und steigenden Kosten. Strittig ist, ob die Probleme des Hello-Fresh-Rivalen marktgetrieben oder hausgemacht sind. Hello Fresh versucht seit Monaten potentiellen Investoren zu zeigen, dass sich die eigenen Kennzahlen deutlich besser als jene von Blue Apron entwickeln.

Tatsächlich wuchs der Umsatz von Hello Fresh im ersten Halbjahr um 49 Prozent auf 435 Millionen Euro, der Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) blieb in etwa stabil bei rund 46 Millionen Euro. Hello-Fresh-Chef Dominik Richter verspricht, sein Unternehmen innerhalb der nächsten 18 Monate auf Ebitda-Basis in die Gewinnzone zu führen. Tatsächlich würde eine deutliche Reduktion der extrem hohen Marketingkosten schon ausreichen, um den Breakeven zu erreichen – zumindest kurzzeitig.

Die langfristigen Geschäftschancen von Hello Fresh dürften auch davon beeinflusst werden, was Amazon macht. Der Megakonzern ist selbst gerade dabei, in das Geschäft mit Kochboxen einzusteigen. Besonders aggressiv gehen die Amerikaner dabei aber bislang noch nicht vor. 

andreas.mehring[at]finance-magazin.de

Erfahren Sie mehr über die Berliner Start-up-Schmiede auf unserer FINANCE-Themenseite zu Rocket Internet.