Über eine Kapitalerhöhung hat Infineon 1,5 Milliarden Euro eingesammelt. Die Mittel sind bereits für den Cypress-Zukauf verplant.

Infineon

18.06.19
Finanzierungen

Infineon-CFO Schneider sammelt 1,5 Milliarden für M&A-Deal ein

Der Technologiekonzern Infineon hat sich am Kapitalmarkt 1,5 Milliarden Euro Mittel für die geplante Cypress-Übernahme gesichert. Die neuen Aktien emittierte das Unternehmen allerdings mit deutlichem Abschlag.

Fast 113 Millionen neue Aktien hat der Halbleiterproduzent Infineon in der Nacht zum Dienstag über ein beschleunigtes Verfahren bei institutionellen Anlegern untergebracht. Die Kapitalerhöhung, durch die das Grundkapital um 10 Prozent erhöht wurde, spülte CFO Sven Schneider einen Bruttoemissionserlös (vor Provisionen und Kosten) in Höhe von 1,545 Milliarden Euro in die Kassen.

Infineon emittierte die neuen Papiere allerdings mit einem Abschlag. Der Preis von 13,70 Euro liegt  rund 4,6 Prozent unter dem Schlusskurs von Montagabend. Das hatte Folgen für den Aktienkurs: Die Papiere, die am Montag bei Werten deutlich über 14,30 Euro aus dem Handel gegangen waren, pendelten am Dienstag sogar knapp unter dem Wert von 13,70 Euro.

Infineon nutzt Erlös für Cypress-Übernahme

Die nun erlösten Mittel sind bereits fest eingeplant: Sie sollen einen Teil des Kaufpreises für die Übernahme des US-Konkurrenten Cypress Semiconductor decken. Konkret will Infineon mit dem Geld einen Teil des Kredits vorzeitig ablösen. Die geplante Übernahme lässt sich Infineon rund 9 Milliarden Euro kosten, es ist der größte Zukauf der Konzerngeschichte. 

Für CFO Schneider, der bei seinem vorherigen Arbeitgeber Linde bereits die milliardenschwere Fusion mit Praxair miterlebt hat, ist die Transaktion das erste Großprojekt seit seinem Amtsantritt bei Infineon im Mai.

Die Finanzierung soll zu einem Drittel aus Eigenkapital gedeckt werden, das entspricht einem Wert von 3 Milliarden Euro. 

FINANCE-Köpfe

Dr. Sven Schneider, Infineon Technologies AG

Nach einer Banklehre und dem Studium der BWL beginnt Sven Schneider 1995 seine Karriere bei dem Industriegasekonzern Linde als Referent im Finanzbereich. Nach Stationen als Abteilungsleiter Bankverkehr Beteiligungen, Finanzberichterstattung und Cash Management wird der gebürtige Berliner im Jahr 2000 Hauptabteilungsleiter Cash Management und Treasury-Controlling. 2005 wird Schneider Leiter des Bereichs Corporate Finance bei Linde. Sechs Jahre später erfolgt dann die Ernennung zum Group Treasurer.

Im September 2016 übernimmt Schneider nach dem Weggang von Linde-CFO Georg Denoke zunächst interimistisch die Verantwortung für den gesamten Finanzbereich der Linde Group. Im März 2017 ernennt der Dax-Konzern Schneider zum Finanzvorstand, im Dezember 2018 übernimmt er zudem auch noch das Amt des Vorstandssprechers. Seit Mai 2019 ist Schneider Finanzchef des Chipherstellers Infineon.

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Mit der Kapitalerhöhung hat CFO Schneider nun die Hälfte dieses Eigenkapitalanteils eingesammelt. Auch eine Pflichtwandelanleihe hatte der Finanzchef in den zurückliegenden Wochen bereits als mögliches Finanzierungstool ins Spiel gebracht. 

Analysten kritisieren Zeitpunkt der Kapitalerhöhung

Die Cypress-Übernahme, mit der Infineon in die Top-Ten der globalen Halbleiterhersteller vorrücken will, soll voraussichtlich Ende 2019 oder Anfang 2020 abgeschlossen sein. Sie ist bei den Infineon-Aktionären allerdings umstritten. Infineons Aktienkurs befindet sich seit April, als die Aktie noch mehr als 21 Euro Wert war, nahezu ungebremst auf Talfahrt. Die Ankündigung der Cypress-Übernahme Anfang Juni sorgte nicht für die erhoffte Kurserholung. Derzeit notiert die Aktie nur noch knapp über einem Dreijahrestief.

Und auch Analysten sind mit Blick auf den Mega-Deal kritisch: Zwar hatten sie die strategische Ratio hinter dem Cypress-Zukauf gelobt, bezeichneten die Unternehmensbewertung allerdings als sehr hoch. Analyst Harald Schnitzler schrieb am Dienstag, der erzielte Emissionserlös aus der Kapitalerhöhung erscheine ihm geringer, als womöglich von Infineon erwartet. Den Kaufpreis für Cypress findet er ambitioniert.

Florian Treisch von der Commerzbank übte Kritik am Timing: Der Zeitpunkt der Aktienplatzierung sei nicht optimal, monierte er. Der gesamte Halbleitermarkt befinde sich derzeit in einem Abwärtstrend.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Nach nur wenigen Wochen im Amt muss der neue Infineon-CFO bereits die Finanzierung eines Mega-Deals stemmen. Mehr zu seiner bisherigen Karriere finden Sie im FINANCE-Köpfe-Profil von Sven Schneider