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Knorr-Bremse kontert Haldex-Vorwürfe

Ungeliebter Großaktionär: Haldex will seinen Anteilseigner Knorr-Bremse loswerden.
Knorr-Bremse

Der schwedische Autozulieferer Haldex und sein Großaktionär sowie Mitbewerber Knorr-Bremse tragen ihren Streit weiterhin öffentlich aus. Nachdem Haldex Knorr-Bremse in einer Beschwerde an die EU-Kommission und die brasilianischen Wettbewerbsbehörden vorgeworfen hatte, mit seiner 10-Prozent-Beteiligung das Geschäft zu belasten, hat Knorr-Bremse den Vorwürfen seiner schwedischen Beteiligung entschieden widersprochen.

„Knorr-Bremse hat sich als Anteilseigner immer verantwortungsvoll verhalten“, ließ Vorstandsmitglied Peter Laier, verantwortlich für die Division Systeme für Nutzfahrzeuge, per Mitteilung wissen. „Es liegen aus unserer Sicht keine Behinderungen durch Knorr-Bremse weder der wettbewerblichen Aktivitäten noch der Beteiligung anderer Anteilseigner an Haldex vor“, hieß es weiter.

Die Münchener wurden nach eigenen Aussagen von den öffentlich in den Raum gestellten Vorwürfen überrascht: „Das Management von Haldex hat bisher uns gegenüber weder seine in der jüngsten Verlautbarung geäußerten Bedenken mitgeteilt noch das persönliche Gespräch mit uns gesucht.“

Haldex will Knorr-Bremse loswerden

Haldex will seinen größten Anteilseigner durch die eingelegte Beschwerde zum Rückzug zwingen. Der schwedische Bremsenhersteller lässt prüfen, ob die Rolle von Knorr-Bremse als größter Aktionär einerseits und direkter Wettbewerber andererseits mit dem europäischen Wettbewerbsrecht vereinbar sei, ließ das Unternehmen verlauten. Haldex sieht sich benachteiligt, da Knorr Bremse in seiner Doppelrolle das Unternehmen sowohl am Markt als auch bei potentiellen Investoren behindere, so der Vorwurf. Kunden hätten Bedenken geäußert, dass die Eigentümerstruktur den Wettbewerb verzerre.

Haldex diskutiere zudem strategische Kooperationen mit anderen Industrieunternehmen, befände sich aber in einer nachteiligen Position, da einer seiner Wettbewerber der größte Anteilseigener sei, sagte Haldex-Verwaltungsratschef Jörgen Durban weiter. Zudem treibe die derzeitige Situation den Aktienkurs nach unten, was zu einer niedrigeren Bewertung führe. Dies mache es für Haldex teurer, an Investitionen zu gelangen und neue, innovative Produkte auf den Markt zu bringen.

Für die wirtschaftliche Entwicklung, strategische Ausrichtung und die Entwicklung des Aktienkurses von Haldex sei allein das Management verantwortlich, kontert hingegen Knorr-Bremse in seiner öffentlichen Mitteilung.

Haldex: Schlechter Deal für Knorr-Bremse?

Knorr-Bremse war im September 2016 zunächst mit knapp 15 Prozent bei Haldex eingestiegen und lieferte sich damals eine Bieterschlacht mit ZF Friedrichshafen um die Schweden. Nachdem ZF bei Haldex nicht zum Zuge kam, veräußerten sie ihre 20-Prozent-Beteiligung an Haldex für 114 Millionen Euro an die Münchener und übernahmen stattdessen Wabco. Knorr-Bremse gab ein Jahr später den Übernahmekampf aufgrund mangelnder Unterstützung durch das Management und Widerstand der Kartellbehörden auf, blieb aber mit 10 Prozent noch größter Haldex-Aktionär.

Seit dem Rückzug des öffentlichen Übernahmeangebots im Jahr 2017 betrachte man Haldex denn auch als reine Finanzinvestition und habe seitdem an keiner Hauptversammlung mehr teilgenommen und auch keine Anträge gestellt, betont Knorr-Bremse nun.

Geht man vom aktuellen Kurs aus, so dürfte diese Finanzinvestition bei Knorr-Bremse aber für wenig Begeisterung gesorgt haben. Die knapp 13 Euro zu Zeiten des Übernahmekampfes hat die Aktie seitdem nicht mehr wieder gesehen – im Gegenteil: Sie hat massiv an Wert verloren und steht aktuell bei rund 5 Euro. Dementsprechend dürfte in München eher nicht mit einem verlustreichen Ausstieg zu rechnen sein.

martin.barwitzki[at]finance-magazin.de

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