SAP will seinen milliardenschweren Zukauf Qualtrics nun an die Börse bringen.

SAP AG / Stephan Daub

27.07.20
Finanzierungen

SAP will Qualtrics an die Börse bringen

Eineinhalb Jahre nach dem milliardenschweren Kauf des US-Softwareherstellers Qualtrics plant SAP nun dessen Teil-Börsengang in den USA. Die Walldorfer wollen Mehrheitseigentümer bleiben und kündigen bereits weitere Übernahmen an.

Überraschender Strategieschwenk bei SAP: Die Walldorfer wollen den Softwarehersteller Qualtrics in den USA an die Börse bringen. Dabei hatte SAP den Spezialisten für Marktforschungssoftware erst 2018 für 8 Milliarden US-Dollar übernommen. Es war und ist der teuerste M&A-Deal in der SAP-Firmengeschichte.

Künftig will sich der Dax-Konzern nun mit einer Mehrheitsbeteiligung begnügen. Es bestehe aber keine Absicht, diese „auszugliedern oder anderweitig zu veräußern“, teilte SAP am Sonntagabend mit. Gründer Ryan Smith beabsichtige, größter Einzelaktionär von Qualtrics zu werden. Er wollte das Unternehmen ursprünglich bereits vor zwei Jahren an die Börse bringen, doch dann kam die SAP-Offerte dazwischen.

Qualtrics soll mit IPO flexibler werden

Das Management von SAP liefert für den geplanten Teil-IPO gleich mehrere Begründungen: „Der teilweise Börsengang kreiert ein Win-Win-Setup“, sagte SAP-Chef Christian Klein laut Nachrichtenagentur Reuters vor Journalisten. Das Unternehmen könne so außerhalb von SAP Kunden gewinnen und eine eigene Akquisitionsstrategie verfolgen, während der Dax-Konzern weiterhin die US-Tochter konsolidiere.

Damit vollzieht Klein einen Schwenk gegenüber seinem Vorgänger Bill McDermott, der den Kauf von Qualtrics auch damit gerechtfertigt hatte, man könne die Go-to-Market-Strategie der Amerikaner durch die Integration in das globale SAP-Vertriebsnetzwerk massiv beschleunigen. Nun hieß es, Qualtrics habe auch schon „weit selbständiger operiert als zuvor akquirierte Unternehmen von SAP“.

SAP nimmt weitere M&A-Aktivitäten in den Blick

Die Walldorfer wiederum wollen den IPO-Erlös für weitere Zukäufe nutzen. SAP gewinne dank des Börsendebüts Spielraum für weitere Investitionen, kündigte CFO Luka Mucic laut Reuters an. Dies könnten laut dem Finanzvorstand auch Akquisitionen sein.

Mucic äußerte sich zudem zuversichtlich, dass der IPO „alle Zutaten“ haben werde, um von Investoren gut aufgenommen zu werden. Eine endgültige Entscheidung über den Börsengang, die Konditionen und den Zeitplan stehe laut Unternehmensmitteilung aber noch aus und sei abhängig vom Marktumfeld.

Am Aktienmarkt kam die Ankündigung des Teil-Börsengangs von Qualtrics gut an: Der SAP-Anteilsschein legte am heutigen Vormittag um 3 Prozent auf 139,50 Euro zu und näherte sich damit dem Rekordhoch von Anfang Juli, als die Walldorfer den Markt mit guten Quartalszahlen überraschten.

FINANCE-Köpfe

Luka Mucic, SAP AG

Luka Mucic startet seine berufliche Laufbahn 1996 bei SAP in der Rechtsabteilung, wo er sich auf den Bereich des Wirtschaftsrechts konzentriert. Es folgen Stationen in Führungspositionen innerhalb des Vorstandsbereichs Global Finance and Administration. Er übernimmt die Verantwortung für M&A sowie die Leitung des Bereichs Global Risk Management und der Rechtsabteilung von SAP Markets Europe.

Von 2008 bis 2012 ist Mucic CFO der DACH-Region und von SAP Deutschland. Im Juli 2013 rückt er als Head of Global Finance in das SAP Global Managing Board auf. Im Juli 2014 wird er als Nachfolger von Werner Brandt  CFO des SAP-Konzerns. Zusätzlich übernimmt Mucic die Rolle des Chief Operating Officers. Mitte April 2020 gibt der Dax-Konzern die Vertragsverlängerung mit Mucic um weitere fünf Jahre bis Ende März 2026 bekannt.

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SAP-CFO Mucic baut Verschuldung ab

Im November 2018 hatte SAP das Unternehmen kurz vor dessen angedachtem Börsengang für 8 Milliarden US-Dollar (7 Milliarden Euro) übernommen. Für den Kaufpreis, der damals das 20-Fache des Umsatzes betrug, mussten McDermott und Mucic damals auch Kritik einstecken. CEO Klein bezeichnete sie nun als „großen Erfolg“. Mit einem Cloud-Umsatzwachstum von über 40 Prozent im Jahr 2019 habe man alle Erwartungen übertroffen.

Danach hatte sich die Nettoverschuldung bei SAP von knapp 2,5 Milliarden Euro in 2018 auf 8,3 Milliarden Euro in 2019 mehr als verdreifacht. Inzwischen konnte SAP-CFO Mucic die Verschuldung bereits auf 7,5 Milliarden Euro reduzieren.

SAP steigert Gewinn im zweiten Quartal

Währenddessen laufen die Geschäfte in Walldorf trotz Corona blendend: Im zweiten Quartal stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahresquartal um zwei Prozent auf 6,7 Milliarden Euro. Der Nettogewinn legte um 52 Prozent auf 885 Millionen Euro zu. Vor einem Jahr hatte ein Stellenabbauprogramm den Gewinn um knapp 200 Millionen Euro geschmälert, was den deutlichen Zuwachs etwas relativiert. Auch Qualtrics konnte einen Umsatzwachstum von 34 Prozent auf 168 Millionen Euro ausweisen.

martin.barwitzki[at]finance-magazin.de

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