Bei Schaltbau kriselt es bereits seit einiger Zeit. Jetzt plant das Verkehrstechnikunternehmen eine zweite Kapitalerhöhung.

mouse sonya/iStock/Thinkstock/Getty Images

31.01.18
Finanzierungen

Schaltbau braucht erneut frisches Geld

Vor nicht einmal einem Jahr hat der angeschlagene Schaltbau-Konzern über eine Kapitalerhöhung 15 Millionen Euro eingesammelt. Doch jetzt zeigt sich: Das hat bei weitem nicht gereicht.

Das kriselnde Verkehrstechnikunternehmen Schaltbau will sich erneut über eine Kapitalerhöhung frisches Geld besorgen. Wie die Münchener heute bekanntgegeben haben, sollen neue Aktien zu einem Bezugspreis von 22 Euro angeboten werden. Vor der Ankündigung der Transaktion notierte die Aktie bei 28 Euro.

Der Umfang der Kapitalmaßnahme ist beträchtlich – die Anzahl der ausstehenden Aktien soll um rund ein Drittel ausgeweitet werden. Der maximal mögliche Bruttoemissionserlös läge bei 49,3 Millionen Euro. Dank Zeichnungszusagen bestehender Investoren ist laut Schaltbau ein Mittelzufluss von mindestens 28,9 Millionen Euro gesichert. Als Sole Global Coordinator des Deals fungiert die Commerzbank.

Die Kapitalerhöhung lässt aufhorchen, weil Schaltbau sich bereits seit einiger Zeit in einer finanziell angespannten Lage befindet. Das Unternehmen mit einem Jahresumsatz von rund 500 Millionen Euro kämpft mit diversen Krisenherden und musste in den vergangenen zwei Jahren mehrere Gewinnwarnungen herausgegeben. Im August zog schließlich mit Martin Kleinschmitt ein erfahrener Sanierer als dritter Manager in den Vorstand ein. Seitdem wurde bereits die Trennung von einigen Verlustbringern auf den Weg gebracht.

Schaltbau lehnte AOC-Angebot ab

Die jetzt angekündigte Kapitalerhöhung ist schon die zweite innerhalb kurzer Zeit. Vor nicht einmal einem Jahr, im Mai 2017, besorgte sich Schaltbau schon einmal über eine Kapitalerhöhung 14,5 Millionen Euro. Damals lag der Platzierungspreis noch bei 34,11 Euro.

Brisant bei der Kapitalerhöhung im Mai war, dass Schaltbau trotz angespannter finanzieller Lage ein Angebot des Investors Active Owneship Capital (AOC) abgelehnt hatte. AOC bot an, alleine eine Kapitalerhöhung zu 36 Euro je Aktie zu stemmen. Diese Offerte überging das damalige Schaltbau-Management um CEO Bertram Stausberg und CFO Thomas Dippold aber.

Wie ein Sprecher auf FINANCE-Anfrage nun erklärte, hängen beide Kapitalerhöhungen mit der Rückzahlung eines Überbrückungskredits in Höhe von 25 Millionen Euro zusammen. Diesen hatte Schaltbau im März 2017 von einem Konsortium an Banken erhalten, nachdem das Unternehmen Covenants gerissen hatte. Ende Februar muss dieses Darlehen zurückgezahlt werden.

Die Banken hatten zwei Bedingungen für den Kredit gestellt: Zum einen musste das Geld aus der ersten Kapitalerhöhung als Sicherheit auf ein Treuhandkonto fließen. Zum anderen sollte ein erfahrener Restrukturierer in den Vorstand einziehen. 

Schaltbau will von Banken unabhängiger werden

Gemeinsam mit dem Geld aus beiden Kapitalerhöhungen sowie dem Erlös aus dem Verkauf der Tochter Pintsch Bubenzer, den Schaltbau erst vor wenigen Tagen bekanntgegeben hatte, soll der Überbrückungskredit zurückgezahlt werden. Mit diesem Schritt wolle Schaltbau sich von den Fesseln der Banken lösen, erklärte der Sprecher weiter.

Auch durch weitere Tilgungen will sich Schaltbau künftig unabhängiger von den Banken aufstellen und auf andere Finanzierungen setzen. Solche gibt es schon: Aktuell hat das Unternehmen zwei Schuldscheine über rund 70 Millionen Euro ausstehen. Doch noch thront über der Passivseite ein Bankkredit mit einem Volumen von 100 Millionen Euro, der bis Ende 2019 läuft.

Die neue Kapitalerhöhung kann als Signal gewertet werden, dass sich Schaltbau ein Finanzpolster für die Rückführung dieses Darlehens aufbauen will. Als Verwendungszwecke werden explizit ausschließlich „die Tilgung von Finanzverbindlichkeiten sowie die Stärkung der Eigenkapital- und Liquiditätsausstattung“ angegeben. Von Investitionen ist nicht die Rede.

Zum Ende des dritten Quartals 2017 wies Schaltbau eine Nettofinanzverschuldung von 157 Millionen Euro aus. Als Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) für 2017 sind lediglich 2 Millionen Euro prognostiziert – vor „nicht-operativen“ Einmalbelastungen in Höhe von 28 Millionen Euro. Ziel des Managements ist es, spätestens 2019 das laufende Restrukturierungsprogramm abzuschließen.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de