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US-Bondmarkt lockt deutsche Unternehmen

Ab nach Amerika? Der Anleihemarkt in den USA ist für deutsche CFOs gerade besonders attraktiv.
spyarm/iStock/Thinkstock/Getty Images

Der September war der Monat der Yankee-Bonds. Fünf deutsche Unternehmen platzierten in der ersten Hälfte des Monats US-Anleihen. Der Anstieg ist drastisch, in den gesamten acht Monaten davor waren es mit Daimler und BMW lediglich zwei deutsche Emittenten.

Die größte Transaktion unter den deutsche Emittenten platzierte Siemens mit Bonds über 6 Milliarden Dollar. Die Deutsche Telekom emittierte Anleihen mit einem Volumen von 2,75 Milliarden Dollar und auch der Autokonzern BMW ging im September wieder an den Markt und sammelte 2,25 Milliarden Dollar ein. Die Holding der Familie Schaeffler platzierte 1,5 Milliarden Dollar. Die kleinste Transaktion stemmte Henkel am 6. September mit einem Volumen von 750 Millionen Dollar.

Deutsche CFOs nutzen Preisvorteil bei Dollar-Anleihen

Eine Emission in den USA ist derzeit für viele Unternehmen besonders verlockend, erklärt Anleiheexpertin Paula Weisshuber von der Bank of America Merrill Lynch. Die Bank war als Joint Bookrunner an den Transaktionen von BMW, Siemens und der Schaeffler-Holding beteiligt: „Gerade im kurzfristigen Laufzeitbereich können Unternehmen eine deutliche Ersparnis gegenüber einer Euro-Emission erreichen.“ Denn die Spread-Aufschläge sind dort noch einmal deutlich heruntergegangen. „Das Niedrigzinsumfeld hier in Europa führt dazu, dass die Spreads für Emittenten mit sehr starkem Rating kaum noch weiter sinken können, ohne dass die Rendite bei der Emission ins Negative rutscht“, erklärt sie.

In den USA liegen die Referenzzinssätze dagegen noch im positiven Bereich, deshalb gibt es noch Luft für sinkende Risikoaufschläge. Das zeigt sich bei den aktuellen Emissionen. „Zwischen einem US-Bond und einem Euro-Bond ergibt sich deshalb für die Emittenten auf Vergleichsbasis gerade ein deutlicher Funding-Vorteil im amerikanischen Markt“, so Weisshuber. Der zeigt sich vor allem im kurzfristigen Bereich. Bei Bonds mit dreijähriger Laufzeit kann der Vorteil bei Emittenten mit sehr guter Bonität zwischen 25 und 40 Basispunkten liegen, auch im fünfjährigen Bereich können es zwischen 15 und 30 Basispunkten sein.

Auch die Deutsche Telekom konnte sich bei ihrer Emission im September über 2,75 Milliarden Dollar den Preisvorteil zu Nutze machen. Insgesamt 15 Millionen Euro habe der Konzern gespart, sagte der Vice President des Group Treasury Markus Schäfer gegenüber der FINANCE-Schwesterpublikation DerTreasurer.

Emittenten aus Deutschland nutzen First-Mover-Vorteil

Dass sich die deutschen Unternehmen mit ihren Emissionen innerhalb der ersten zwei Septemberwochen tummeln, hat laut Anleiheexpertin Paula Weisshuber mehrere Gründe: „Zum einen ist der September ein natürliches Zeitfenster nach der Sommerpause für Bondemissionen“, erklärt sie. Denn der Oktober liegt für viele bereits wieder in der Black-out-Phase vor der Veröffentlichung der Quartalszahlen im November.

Zum anderen sind die Chancen für eine erfolgreiche Transaktion Anfang September sehr gut – wenn der Hunger der Investoren nach der Sommerpause besonders groß ist. Das nutzen die deutschen Emittenten, die Milliardensummen einsammeln wollen. „Später im September kann es dann auch auf Investorenseite schon zu einer gewissen Ermüdung kommen, denn das Angebot ist sehr groß“, so Weisshuber.

Rekordvolumen am US-Anleihemarkt

Mit ihren US-Bonds liegen die deutschen Unternehmen auch auf dem amerikanischen Markt im Trend: Der verzeichnete bereits zum 23. September einen Rekordmonat mit einem Volumen von 130 Milliarden Dollar bei den Investmentgrade-Emissionen (Corporate und Financial). Traditionell ist der September auch in den USA ein emissionsreicher Monat. Die lange Sommerpause und die schon bald wieder beginnende Blackout-Phase treibt auch dort die Unternehmen an den Markt.

In diesem Jahr kommt für die US-Emittenten ein Grund hinzu, den September so gut wie möglich zu nutzen. Das nächste Zeitfenster würde sich nach der Veröffentlichung der Quartalszahlen Ende Oktober oder Anfang November öffnen. Doch die hohe erwartete Marktvolatilität rund um die amerikanische Präsidentschaftswahl am 8. November dürften viele CFOs meiden wollen.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

antonia.koegler@finance-magazin.de | + posts

Antonia Kögler ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat einen Magisterabschluss in Amerikanistik, Publizistik und Politik und absolvierte während ihres Studiums Auslandssemester in Madrid und Washington DC. Sie befasst sich schwerpunktmäßig mit Finanzierungsthemen und verfolgt alle Entwicklungen rund um Green Finance und Nachhaltigkeit in der Finanzabteilung.

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