Das Kerngeschäft der Varta AG ist die Fertigung kleiner Batterien für Hörgeräte (im Bild). Die Produktion von Haushaltsbatterien sowie von Autobatterien gehören schon länger nicht mehr zum Konzern.

Wolfram Schroll / studioSchroll

30.11.16
Finanzierungen

Varta bläst 150-Millionen-Euro-IPO ab

Varta macht einen Rückzieher und sagt den geplanten Börsengang ab. Der Batteriehersteller, der einst in einer schweren Krise war, hätte das frische Kapital gut gebrauchen können.

Der Batteriehersteller Varta hat seinen Börsengang überraschend abgeblasen. Die Erstnotiz im Prime Standard der Frankfurter Börse war eigentlich für den 2. Dezember geplant. Varta habe gemeinsam mit der alleinigen Aktionärin Montana Tech Components sowie den mandatierten Banken beschlossen, den IPO wegen des „gegenwärtig ungünstigen Marktumfelds“ zu verschieben, begründet der Batteriehersteller aus Ellwangen den Schritt knapp.

Varta hatte den Börsengang Anfang November angekündigt. Der IPO hätte der Höhepunkt einer spektakulären Wende werden können.

Varta war in einer tiefen Krise

Günstigere Wettbewerber aus Asien hatten den einstigen Milliardenkonzern um die Jahrtausendwende in eine schwere Krise gestürzt. Auf diese hin wurde das 1887 gegründete Unternehmen zerschlagen und verkauft. 

Das Geschäft mit Autobatterien ging an den US-Zulieferer Johnson Controls, das Geschäft mit Haushalts-Batterien an Rayovac (heute Spectrum Brands). Das Geschäft mit den Mikrobatterien ging an Montana Tech, eine an der Schweizer Börse notierte Industriegruppe, hinter der der österreichische Finanzinvestor Michael Tojner steht. Varta Microbattery stellt Kleinstbatterien vor allem für Hörgeräte und Uhren her. Das Unternehmen war eine Tochter der Varta AG, die unter anderem für die Vermögensverwaltung verantwortlich war.

Der Investor kaufte nach der Mikrobatterien-Tochter auch die Holding, nahm sie von der Börse und legte sie mit Microbattery zusammen. Diese sollte nun unter dem Namen Varta an die Börse gehen. Varta hat sich inzwischen zum größten Hersteller von Kleinstbatterien entwickelt und zuletzt einen Umsatz von rund 200 Millionen Euro erzielt. Mit dem frischen Kapital wollte das Unternehmen eine neue Fabrik bauen und im Bereich der erneuerbaren Energien wachsen.

Varta schließt einen späteren Börsengang nicht aus

Varta wollte bis zum gestrigen Dienstag rund 19 Millionen Aktien für 9 bis 12,50 Euro platzieren. Der Bruttoemissionserlös sollte bei rund 150 Millionen Euro liegen. Es hätte einer der größten Börsengänge dieses Jahres in Deutschland werden können. Über 100 Millionen Euro hatten bisher nur die RWE-Tochter Innogy, der Windanlagenbauer Senvion, die Online-Apotheke Shop Apotheke und die E.on-Tochter Uniper eingenommen. Senvion hatte den IPO allerdings erst im zweiten Anlauf geschafft, zuvor musste die Preisspanne deutlich gesenkt werden.

Wie Varta das Wachstum nun stemmen will, steht noch nicht fest. Der Konzern werde „die unterschiedlichen Optionen zur Wachstumsfinanzierung weiterhin prüfen und das Marktumfeld bezüglich eines möglichen Börsengangs in der Zukunft weiter beobachten“, hieß es. Es ist nicht der erste Börsengang in Deutschland, der 2016 abgesagt wurde – im Oktober erst hatte der Immobilienkonzern Officefirst den IPO auf Eis gelegt.  

julia.schmitt[at]finance-magazin.de