Varta-CFO Michael Pistauer und Varta-CEO Herbert Schein kurz vor Handelsstart auf dem Börsenplatz

Mark Heinrichs/FINANCE

19.10.17
Finanzierungen

Varta-Börsenwert kratzt kurzzeitig an Milliardenmarke

Der Batterienhersteller Varta hatte Erfolg mit seinem IPO: Die Aktie legte zu Handelsstart um ganze 40 Prozent zu. Zwischenzeitlich war das Unternehmen 936 Millionen Euro schwer.

Fast eine Milliarde war Varta wert. Nachdem die Aktie zu Handelsbeginn um 40 Prozent auf 24,25 Euro zulegte, betrug die Marktkapitalisierung bei einer Aktienanzahl von 38,2 Millionen Stück kurzzeitig 935,9 Millionen Euro. 

Zwar gab der Kurs im Laufe des Donnerstags – der erste Handelstag nach dem Börsengang des Batterieherstellers – wieder nach. Doch auch kurz vor Ende des ersten Handelstags liegt er nach wie vor deutlich über der Bookbuildingspanne von 15 bis 17,50 Euro. „Es ist hervorragend gelaufen“, sagte CEO Herbert Schein im Anschluss an das obligatorische Leuten der Glocke auf dem Börsenparkett. 

Die Freude ist verständlich, schließlich gelang Varta der Börsengang erst im zweiten Versuch. Der erste Anlauf wurde im Dezember 2016 kurzfristig abgeblasen. Dies lag laut CEO Schein an dem schwierigen Marktumfeld im letzten Jahr. Nun, bei Kursständen auf Rekordniveau und einem Abebben der politischen Risiken in Europa, haben es die Erstemittenten offensichtlich einfacher. Auch der Börsenneuling Voltabox konnte vor wenigen Tagen seine Aktien am oberen Ende der Preisspanne platzieren und trotzdem danach noch hohe Kursgewinne verbuchen.

Varta plant große Investitionen

Von Varta wurden bis Mittwochabend 13,34 Millionen Aktien, inklusive 15 Prozent Greenshoe-Option, zu einem Ausgabepreis von 17,50 Euro platziert. Varta hatte die Vermarktungsphase wegen der hohen Nachfrage bereits um sechs Tage verkürzt. 

Den Bruttoerlös von 150,5 Millionen Euro aus den 8,6 Millionen neu ausgegebenen Aktien möchte Varta vollständig für Investitionen einsetzen, teilte das Unternehmen mit. Der Großteil der Investitionen soll genutzt werden, um die Produktionskapazitäten in Deutschland zu erhöhen. Aufgrund des Trends zu kleinen, batteriebetriebenen Elektrogeräten rechnet Varta mit deutlich steigender Nachfrage für seine Mikrobatterien, welche zum Beispiel in kabellosen Kopfhörern und Hörgeräten verwendet werden.

Der Mehrheitseigner und Aufsichtsratsvorsitzende Michael Tonjes sagte im Anschluss an den Handelsstart, dass in zehn Jahren ein Umsatz von 1 Milliarde Euro erreicht werden müsse. Das entspricht fast dem Fünffachen des letztjährigen Umsatzes von 213,8 Millionen Euro.

Nur kleiner Teil des alten Varta-Konzerns an der Börse

Der 1887 gegründete, in der Zwischenzeit aber mehrfach zerschlagene einstige Milliardenkonzern Varta war um die Jahrtausendwende aufgrund von Billigkonkurrenz aus Asien stark in Bedrängnis geraten. Das Geschäft mit Autobatterien und Haushaltsbatterien wurde abgespalten und verkauft.

Der österreichische Finanzinvestor Michael Tonjes kaufte das Mikrobatteriengeschäft und später auch die Holding, die er 2007 von der Börse nahm. Seine Montana Tech Components Gruppe realisierte durch den Börsengang erste Investitionsgewinne, bleibt aber mit 65,1 Prozent Mehrheitseigentümer. Der Streubesitz liegt nun bei 34,9 Prozent.