Volocopter

09.09.19
Finanzierungen

Volocopter erhält Finanzspritze aus China

Der Flugtaxi-Entwickler Volocopter hat den chinesischen Autobauer und Daimler-Großaktionär Geely als neuen Investor an Bord geholt. Jetzt steht die Tür auch für Finanzinvestoren offen.

Der baden-württembergische Flugtaxi-Pionier Volocopter hat im Rahmen einer Series-C-Finanzierungsrunde 50 Millionen Euro eingenommen. Neben neuen und bestehenden Investoren aus Europa, Amerika und Asien wurde die Runde von dem chinesischen Autokonzern Geely angeführt. Das frische Kapital braucht CFO René Griemens, um den „kommerziellen Markteintritt in den nächsten drei Jahren“ zu finanzieren, wie Volocopter schreibt.

In früheren Finanzierungsrunden hatte das Technologie-Unternehmen aus Bruchsal in der Nähe von Karlsruhe bereits 35 Millionen Euro eingesammelt. Die Summe des investierten Kapitals erhöht sich somit nun auf 85 Millionen Euro, und die Investorengemeinde ist durchaus hochkarätig: Schon seit 2017 ist Daimler mit gut 10 Prozent  strategischer Investor, daneben hält die deutsche Tochter des US-Halbleiterherstellers Intel Firmenanteile in Höhe von 8,5 Prozent.

René Griemens, Volocopter GmbH

Nach dem Volkswirtschaftsexamen in Köln startet René Griemens seine Laufbahn als Investmentbanker bei der Citibank in London, mit Stationen in den Bereichen Corporate Credit, Securitisation, Debt Capital Markets Origination und Ratings Advisory. Anschließend erwirbt er den INSEAD MBA in Fontainebleau, von wo er als Unternehmensberater zu McKinsey & Co. in Lissabon wechselt.

Anfang 2000 soll er als CFO das Internet-Start-up Dooyoo an die Börse führen, doch der Einbruch des Neuen Marktes verhindert dies. Im Rahmen eines Führungswechsels nach dem Ende des ersten Internet-Booms übernimmt er 2002 die CEO-Position und scheidet 2004 nach erfolgreicher Sanierung des Unternehmens aus.

Anschließend baut er die Berliner Corporate-Finance-Beratung IEG - Investment Banking mit auf, die er bis August 2013 mit seinen Partnern leitet. Im September 2013 kehrt Griemens in die Start-up-Welt zurück und übernimmt die Finanzverantwortung bei dem Online-Kreditportal Kreditech, für das er während seiner Zeit als CFO mehr als 300 Millionen Euro an Eigen- und Fremdkapitalfinanzierungen realisieren kann. Kreditech wird im Zuge dessen zu einem der am höchsten bewerteten Fintech-Unternehmen Deutschlands. Im Januar 2018 kündigen das Fintech und Griemens an, künftig getrennte Wege gehen zu wollen. Im Mai 2018 wird der Manager CFO des Lufttaxientwicklers Volocopter.

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Die beiden Gründer Stephan Wolf und Alexander Zosel, die bereits seit acht Jahren an ihrer Version neuer urbaner Mobilität arbeiten, bleiben auch nach der neuen Finanzierungsrunde noch gemeinsam die größten Anteilseigner der Firma.

Daimler begrüßt Geely-Einstieg bei Volocopter

Durch die Finanzspritze der Chinesen erweitern Geely und Daimler ihre Partnerschaft nun auch in den Flugbereich. Beide Konzerne haben schon eine strategische Partnerschaft für den Kleinwagen „Smart“ geschlossen, nachdem Geely-Gründer und CEO Li Shufu sich im vergangenen Jahr zum größten  Daimler-Aktionär aufgeschwungen hatte – der Multimilliardär hält knapp 10 Prozent. 

Daimler-Chef Ola Källenius zeigte sich erfreut über den Einstieg des chinesischen Partners bei Volocopter – wohl auch, weil Geely in diesem Zukunftsmarkt schon Erfahrungen gesammelt hat: 2017 stiegen die Chinesen bereits bei dem Flugtaxi-Entwickler Terrafugia ein, der mit einem anderen Ansatz als Volocopter Passagiere durch die Lüfte transportieren will.

Volocopter plant schon nächste Finanzierungsrunde

Volocopter-CFO Griemens darf sogar auf noch mehr frische Mittel hoffen, denn die Kapitalsuche der Bruchsaler ist noch nicht beendet. Sie bereiten bereits ein zweites Closing der Series-C-Finanzierungsrunde vor. Dafür verhandelt Volocopter nicht nur mit strategischen, sondern auch mit  reinen Finanzinvestoren. Neue Mobilitätskonzepte stehen bei der Private-Equity-Branche derzeit hoch im Kurs: Beispielsweise pumpte eine Gruppe um Permira Mitte Juli eine halbe Milliarde Euro in den Busanbieter Flixmobility, wo auch schon General Atlantic engagiert ist.

Das frische Geld will Volocopter in den Zertifizierungsprozess des Fluggefährts VoloCity mit der europäischen Luftfahrtbehörde EASA stecken. Das jüngste Modell bietet Platz für zwei Passagiere samt Handgepäck und soll mit seinen 18 Rotoren eine Reichweite von 35 Kilometern bei einer maximalen Fluggeschwindigkeit von 110 Stundenkilometern erreichen. Mit VoloCity will das Tech-Start-up den Marktstart wagen. Geplant ist, im Oktober einen ersten „Voloport“ in Singapur zu eröffnen – eine Demonstrationsanlage inklusive Prototypen, Lade- und Passagierinfrastruktur.

martin.barwitzki[at]finance-magazin.de