Outlet-Store von Zalando: Der Schuhhändler wird als heißer IPO-Kandidat gehandelt.

Zalando

14.10.13
Finanzierungen

Zalando nähert sich Börsengang

Der boomende Onlinehändler Zalando beginnt, seine Börsenfähigkeit zu betonen. Frankfurter Finanzexperten spekulieren bereits über einen nahenden IPO-Versuch. Internationale Großinvestoren bringen sich bei Zalando bereits in Stellung.

Der Berliner Onlinehändler Zalando wird in Frankfurt Finanzkreisen immer ernsthafter als angehender Börsengang gehandelt. So verdichten sich die Hinweise, dass Firmenchef Rubin Ritter beginnt, die Resonanz der Kapitalmärkte zu testen. Anfang Oktober sprach er erstmals davon, dass es zu seinen Aufgaben gehöre, „Zalandos Börsenfähigkeit sicherzustellen“. Einen möglichen IPO bezeichnete er als „sehr attraktiv“, wenngleich er zeitlich bremste und das Zeitfenster für den Börsengang als „mittelfristig“ angab. Seitdem wird Zalando in Börsenkreisen als heißer Anwärter gehandelt.

Mit großem Interesse blicken die Frankfurter Banker nach New York, wo der IPO des Nachrichtendienstes Twitter vor der Tür steht. Gelingt der Twitter-IPO besser als der Börsengang von Facebook, wäre dies ein kräftiges Signal auch für börsenreife Internetfirmen aus Europa. Zalando könnte deren Phalanx anführen.

Zalandos Altinvestoren ziehen sich zurück

Bei Zalando bringen sich Investoren bereits in Stellung, seit Monaten herrscht viel Bewegung im Gesellschafterkreis. Unlängst stieg der bekannte kanadische Pensionsfonds Ontario’s Teachers‘ Pension Plan (OTPP) über eine Kapitalerhöhung mit 2 Prozent ein. Der dänische Modeunternehmer Anders Hoch Povlsen („Jack & Jones“, „Vera Moda“), der im Sommer mit 10 Prozent bei Zalando eingestiegen war, zog bei der Kapitalaufstockung mit.

Die Altinvestoren Kinnevik aus Schweden – mit 36,5 Prozent auch nach der Kapitalerhöhung der größte Gesellschafter –, die Samwer-Brüder (17 Prozent) sowie die Venture-Capital-Gesellschaften des Einzelhändlers Tengelmann (6 Prozent) und der Verlagsgruppe Holtzbrinck (8 Prozent) ließen sich hingegen verwässern. Auch JP Morgan und der PE-Investor Quadrant Capital gehören dem illustren Zalando-Gesellschafterkreis an.

Der langsame Rückzug der Early-Stage-Investoren lässt sich als weiteres Signal der Zalando-Aktionäre an den Kapitalmarkt deuten, als ein Zeichen dafür, dass Zalando inzwischen einen hohen Reifegrad erreicht hat. Der mögliche Börsenwert des Schuhhändlers, der mit seiner E-Commerce-Plattform mittlerweile in 14 Ländern vertreten ist, wird auf mindestens 3 Milliarden Euro geschätzt.   

Zalando: Verluste trotz Milliardenumsatz

Zumindest die Umsatzzahlen beginnen, eine etwaige Milliardenbewertung herzugeben, denn Zalando wächst  anhaltend stürmisch. Im ersten Quartal 2013 legten die Nettoerlöse um 74 Prozent auf 372 Millionen Euro zu. Im Gesamtjahr 2012 erreichten die Umsätze 1,15 Milliarden Euro nach 510 Millionen Euro im Jahr 2011 – nur drei Jahre nach der Gründung Zalandos im Herbst 2008.

Gleichwohl operieren die Berliner nach wie vor tief in der Verlustzone. 2012 stieg der operative Verlust von rund 60 auf gut 90 Millionen Euro. In der DACH-Region gelang es Zalando indes, erstmals in der noch jungen Firmengeschichte auf Ebit-Basis den Breakeven zu erreichen. Die Eigenkapitalquote lag Ende 2012 Unternehmensangaben zufolge bei über 50 Prozent.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de