VW AG

02.12.15
Finanzierungen

CFO Frank Witter verschafft VW Kredit über 20 Milliarden Euro

VW einigt sich laut einem Medienbericht mit den Banken auf einen Brückenkredit über 20 Milliarden Euro. Finanzchef Frank Witter macht sich mit dem finanziellen Polster unabhängiger vom Kapitalmarkt, während der Abgasskandal weiter tobt.

Volkswagen einigt sich mit den Banken über eine Brückenfinanzierung über bis zu 20 Milliarden Euro. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters heute unter Berufung auf Insiderkreise. Insgesamt 13 Banken beteiligen sich an dem Konsortium – welche genau, ist allerdings nicht bekannt. Volkswagen hätte sich angeblich sogar noch eine höhere Summe sichern können. Die Banken hätten jeweils zwischen 1,5 und 2 Milliarden Euro geboten, heißt es in dem Bericht. Die genaue Verteilung der Anteile auf die einzelnen Geldinstitute soll angeblich in den nächsten Tagen erfolgen. Bei VW war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Mit der neuen Finanzierung verschafft sich der neue CFO Frank Witter etwas Luft, um mit dem weiter schwelenden Emissionsskandal umzugehen. Allein für die Rückrufaktion der betroffenen Fahrzeuge musste der Konzern 6,7 Milliarden Euro zurückstellen. Welche Kosten dem Konzern noch wegen des Skandals entstehen werden, ist im Moment noch nicht abzusehen. Das Manager-Magazin hatte unter Berufung auf „hauseigene Finanzer“ von VW von mehr als 30 Milliarden Euro berichtet. Zwischenzeitlich ist im „Worst Case“ allerdings auch schon von höheren Beträgen die Rede. Gleichzeitig brach im November der Absatz der Kernmarke VW in den USA gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum deutlich ein.

CFO Frank Witter kann Pause am Kapitalmarkt einlegen

Durch die neuen Mittel kann sich CFO Frank Witter, der lange bei VW Financial Services tätig war, eine Pause vom Kapitalmarkt gönnen, ohne den finanziellen Spielraum von VW einzuschränken. Laut Reuters will der Konzern den Brückenkredit mit neuen Anleihen ablösen, wenn die Renditeaufschläge wieder gesunken sind.

Im Moment wäre eine Finanzierung über Bonds für den Autokonzern vermutlich deutlich teurer als vor dem Skandal, der das Investorenvertrauen erschüttert hatte. Viele Beobachter rechnen damit, dass VW in Zukunft höhere Spreads bezahlen müssen wird und im kommenden Jahr stehen einige Anleihen zur Refinanzierung aus. Seit dem Skandal hat VW Ende Oktober eine ABS-Transaktion platziert, die deutlich teurer ausfiel, wie DerTreasurer, eine Schwesterpublikation von FINANCE, berichtete. 

S&P stuft VW-Rating erneut herab

Auch wenn sich seit dem Beginn des Skandals die Gemüter der Investoren zeitweise beruhigt haben und der Kurs der Vorzugsaktien wieder auf rund 125 Euro geklettert ist, wird die Kapitalmarktfinanzierung für den Finanzchef auch im nächsten Jahr herausfordernder und kostspieliger werden als es für seinen Vorgänger der Fall war.

Dafür sorgen allein die schlechteren Ratings. Gestern hat Standard & Poor’s das Rating des Automobilkonzerns zum zweiten Mal seit Beginn des Skandals herabgestuft. VW verliert das A- und wird nun mit BBB+ bewertet, der Ausblick ist negativ. Moody’s hatte das Rating des Autobauers Anfang November auf A3/P-2 herabgestuft,  Ausblick ebenfalls negativ.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

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